Shell-Jugendstudie 2010 Ja zur Zukunft - aber nicht bei Armen

Trotz Wirtschaftskrise blicken die meisten Jugendlichen in Deutschland optimistisch in die Zukunft. Doch in einer bestimmten Gruppe herrscht Resignation. Das ist eines der Ergebnisse der 16. Shell-Jugendstudie.

Wirtschaftskrise? Jobangst? Die junge Generation in Deutschland lässt sich davon keine Angst machen. Auch die unsicher gewordenen Berufsverläufe und Perspektiven sind für die meisten Jugendlichen kein Grund, pessimistisch in die Zukunft zu schauen.

Die neue Shell-Jugendstudie zeigt, was die deutschen Jugendlichen von ihrer Zukunft erwarten.

(Foto: dpa)

Allerdings klafft bei der Einschätzung der Zukunft die Schere zwischen den Milieus immer weiter auseinander - nicht jeder hält dem steigenden Druck stand. Ob Politikinteresse, Bildungschancen oder soziales Engagement: Die zwölf- bis 25-Jährigen aus sozial benachteiligten Familien zeigen in allen Bereichen deutlich weniger Zuversicht.

Insgesamt 59 Prozent blicken positiv in ihre persönliche Zukunft - 2006 waren es 50 Prozent. 35 Prozent sind unentschieden, sechs Prozent sehen ihre Zukunft düster. Bei sozial benachteiligten Jugendlichen sind nur 33 Prozent optimistisch. 71 Prozent insgesamt sind überzeugt, ihre beruflichen Wünsche verwirklichen zu können. Bei den Jugendlichen aus der Unterschicht sind es nur 41 Prozent.

Zu diesem Ergebnis kommt die 16. Shell-Jugendstudie, die Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) gemeinsam mit dem Sozialwissenschaftler Mathias Albert an diesem Dienstag in Berlin vorstellte. Für die umfangreiche Untersuchung befragen die Forscher alle vier Jahre rund 2500 Jugendliche zwischen zwölf und 25 Jahren zu ihrer Lebenssituation.

Schwerpunkt der neuen Studie ist die Frage, wie junge Leute mit dem Druck und der Unsicherheit in einer globalisierten Welt umgehen. Zudem wurde die Internetnutzung, das politische Interesse und der Glaube abgefragt. Demnach sind 96 Prozent der Jugendlichen online, im Schnitt sind sie 13 Stunden pro Woche im Netz. Aber während kompetente "Multi-Nutzer" (34 Prozent) vor allem aus oberen Schichten stammen, sind es bei den 24 Prozent "Gamern" vor allem ärmere Jugendliche.

Unterschiede zeigen sich auch in der Glaubensfrage: In den neuen Bundesländern glauben nur acht Prozent der Jugendlichen an einen Gott, im Westen 23 Prozent. Bei den Jugendlichen mit ausländischen Wurzeln insgesamt sind es 44 Prozent.

Die Studie zeigt außerdem, dass das politische Interesse der Jugendlichen wieder angestiegen ist: Bei den 12- bis 14- Jährigen hat es sich seit 2002 fast verdoppelt (auf 21 Prozent), bei den 15- bis 17-Jährigen stieg es von 20 auf 33 Prozent.