Klammern und kritisieren: Ein Gespräch mit Psychologin Felicitas Heyne über die Frage, welche Frauen böse Schwiegermütter werden - und was man dagegen tun kann.
Dass eine Kakteenart "Schwiegermuttersitz" genannt wird, sagt eigentlich alles: Schwiegermütter haben ein echtes Imageproblem. Oder sind sie tatsächlich so schwierig? Und falls ja: Wie schafft man es, trotzdem einigermaßen friedlich zusammenzuleben? Ein Gespräch mit Psychologin Felicitas Heyne über Schwiegermuttertypen, weitverbreitete Probleme - und erste Schritte zum Frieden. Heyne arbeitet als systemische Einzel-, Paar- und Familientherapeutin und ist Autorin des Ratgebers "Hassgeliebte Schwiegermutter".
Schon vor hundert Jahren hatten Schwiegermütter mit einem Imageproblem zu kämpfen: Cartoon, um 1900. (© Foto: Getty)
Anzeige
sueddeutsche.de: Frau Heyne, eine alte Bauernweisheit besagt: "Mischt der Bauer Gift zur Butter, ist sie für die Schwiegermutter."
Felicitas Heyne: Schwiegermütter hatten schon immer ein schlechtes Image - zu allen Zeiten und in allen Ländern gab und gibt es Volksweisheiten und Witze dazu. Egal, ob sie nach Spanien, Albanien oder in die Mongolei schauen.
sueddeutsche.de: Was wird den Schwiegermüttern nachgesagt?
Heyne: Dass sie klammern und ihren Sohn nicht loslassen können - was oft auch stimmt. Ihnen wird vorgeworfen, dass sie herrschsüchtig sind, besitzergreifend, dass sie herumkritisieren und an der Schwiegertochter kein gutes Haar lassen.
sueddeutsche.de: Sind sie denn so schlimm wie ihr Ruf?
Heyne: Natürlich gibt es Harmonie-Beispiele, bei denen funktioniert das Zusammenleben richtig gut und man hilft sich gegenseitig. Doch bei immerhin jeder achten Scheidung hat die Schwiegermutter einen erheblichen Einfluss darauf, dass die Ehe auseinandergeht. 25 bis 30 Prozent der Frauen haben ein schwieriges Verhältnis zu ihrer Schwiegermutter. Mal heißt es: "Wahnsinnig grün sind wir uns nicht." Dann wieder: "Sie ist ein echtes Problem."
sueddeutsche.de: Sie beraten viele Frauen, die Schwierigkeiten mit ihrer Schwiegermutter haben. Ihr ungewöhnlichster Fall?
Heyne: Ein Ehepaar kam zu mir in die Paartherapie mit der klassischen Begründung: Meine Frau schläft nicht mehr mit mir. Nach einiger Zeit kam heraus, dass im Haus jeder ein- und ausging, wie es im gerade einfiel. Die Frau musste immer damit rechnen - und es passierte auch von Zeit zu Zeit - dass die Schwiegermutter im Schlafzimmer stand, weil sie irgendetwas fragen wollte. Da wurde nicht angeklopft. Das Problem ließ sich dann aber relativ schnell durch den Einbau von Türschlössern lösen.
sueddeutsche.de: Schwiegersöhne vertragen sich meist ganz gut mit ihrer Schwiegermutter. Warum klemmt es gerade zwischen den Frauen so oft?
Heyne: Es gibt einen Grundkonflikt zwischen Frau und Schwiegermutter, der in dem direkten Rollenvergleich zwischen den beiden begründet liegt. Die Schwiegermutter fragt: "Wie habe ich mein Leben gestaltet als Frau und Mutter? Wie habe ich bislang meinen Sohn versorgt - und wie macht sie das jetzt?"
sueddeutsche.de: Wo brennt es am häufigsten?
Heyne: Das am weitesten verbreitete Problem ist, dass die Schwiegermutter die Frau des Sohnes kritisiert. Diese Kritik trifft oft auf eine besondere Empfindlichkeit der Jüngeren. Viele Schwiegermütter meinen die Kommentare gar nicht böse, oft ist das eher ein ungeschicktes Hilfsangebot wenn sie Sätze sagen wie: "Ich hätte dem Jungen die Hose doch bügeln können." Egal, ob es da nun um ordentliche Kleidung, Unkraut im Garten oder die Kindererziehung geht: Es kann durchaus die gute Absicht vorliegen, zu zeigen, wie's besser funktioniert ...
sueddeutsche.de: ... kommt bei den jungen Frauen aber nicht so gut an.
Heyne: Die Schwiegertöchter hören darin oft die Botschaft: "Ich bin ihr nicht gut genug für ihren Sohn." Weil die Reaktion entsprechend ausfällt, kommt dann eine sehr ungute Dynamik in Gang. Am Ende wird sich die Schwiegertochter immer angegriffen fühlen, egal was die Ältere sagt. Und umgekehrt hat die Schwiegermutter dann das Gefühl, sie darf gar nichts mehr sagen, weil alles sofort gegen sie verwendet wird.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 3 nächste Seite
Im einst stabilen und friedlichen Staat Mali errichten Islamisten, Separatisten und Terroristen das Afghanistan Afrikas. Seite 3 Jetzt lesen ...
Wettmanipulation im Fußball
Bin überrascht, wie der Artikel völlig einen der Hauptfaktoren verschweigt - die traditionelle Rollenverteilung!
Schwiegermütter und Ehefrauen haben schließlich genau dann ähnliche Rollen, wenn beide den "Mann im Haus" (und evtl. noch weitere Kinder) versorgen... und besonders sensibel sind sie, wenn sie keine Berufstätigkeit ausüben, weil dann die Hausarbeit notwendigerweise "der" Lebensinhalt ist.
Wenn sich aber Er und Sie schon früh in ihrer Partnerschaft einig sind, daß nicht (nur) Sie Ihn versorgt, sondern sie die Pflichten teilen, dann gibt es auch keine naiven Hemdenbügelfragen, sondern man kann klar ausdiskutieren, warum Hemdenbügeln dem einen oder anderen aufzubürden ist. Dann werden zwar viele Schwiegermütter - ebenfalls dank traditioneller Rollenverteilung - das nicht so leicht verstehen... aber damit läßt sich leichter umgehen, wenn man anerkennt, daß die Schwiegermutter nun einmal mit anderen Erwartungen und Vorurteilen großgeworden ist und daraufhin schwerer umdenken kann.
Kurz: "Schuld" nicht nur in der Ehe oder bei der Schwiegermutter suchen, sondern auch anerkennen, daß gesellschaftliche Vorstellungen für viel Zündstoff sorgen.
Es geht wohl weniger darum, ob das Schwiegerkind die Tochter oder der Sohn ist; auch nicht, daß die Schwiegermütter regelmäßig ihre Kinder und Enkelkinder sehen wollen. Dies ist auch bei persönlicher Abneigung immer hinzunehmen und ohne große Gesten zu ertragen.
Nur wenn sich Tochter/Sohn keine Distanz zu ihrer Mutter schaffen, diese auch nach der Eheschließung in ihre tägliche Lebensführung fest integrieren und alle Enscheidungen (auch die, die eigentlich nur das eheliche Zusammenleben betreffen), mit ihrerer Mutter diskutieren und das Ergebnis ihrem Ehepartner als "friß oder stirb" vorsetzen, wird es schwierig. In einer derart fremdgesteuerten Beziehung steht der langfristige Verlierer fest. Die Motivation, warum sich Schwiegermütter über Gebühr in die persönliche Lebensführung ihrer Kinder einmischen ist unerheblich. Es ist für den Ehepartner äußerst frustierend, immer nur die zweite Geige zu spielen.
Für das letztendliche Scheitern einer Ehe sind die Ehepartner selbst verantwortlich, weil sie keinen Weg gefunden haben, damit umzugehen und der Scheidungsgrund wird auch nicht die Schwiegermutter alleine sein. Verantwortung hat sie dabei aber auch.
Ich bin überzeugt, dass Mütter von Mütter meistens entspannter sein können, wenn sie Omas werden. Die Frischbebackene Mutter wird die Ratschläge meistens bei der eigenen Mutter suchen. Die Töchter bleiben und die Söhne gehen...ich denke, dass ist ein natürlicher Vorgang, wenn weitere Generationen dazu kommen. Das bedeutet nicht, dass die Omas väterlicherseits absichtlich ausgeschlossen werden, aber sie stehen der Mutter logischerweise nicht so Nahe. Vielleicht liegt das Geheimnis darin, dass man sich als Mutter des Sohnes mit dem Platz anfreundet, der einem gegeben ist. Die Beziehung zum Enkelkind, um die es ja schlussendlich geht, ist ganz individuell gestaltbar und ist etwas persönliches zwischen Kind und Grosseltern. Es ist nicht die Menge der Treffen oder der erteilten Ratschläge, die die Beziehung mit den Enkeln massgeblich beinflussen, sondern wie die Zeit zusammen genutzt wird. Da bin ich mir sehr sicher.
...sondern Frauen.
Das legt sich erst nach der Menopause, wenn die Pubertät dem Ende zu geht.
Hach, das zeigt mir nur wieder wie viel Glück ich mit meiner Schwiegermutter habe. So gut wie mit ihr kam ich noch mit keiner Mutter irgendeiner Ex-Freundin aus, und selbst meine eigene Mutter könnte ich nicht so oft und viel um mich herum haben, wie die meiner Frau.
Vielleicht hilft es ja, dass wir beide - obwohl wir beide ziemlich mehrsprachig sind - keine gemeinsame Sprache haben, und uns so eher "mit Händen und Füßen" verständigen müssen... :-)
Paging