Schmachtwort der Woche: Robert Pattinson "In einer Beziehung bin ich wie ein Mädchen"

Früher waren Männer noch wahre Helden. Heute suchen sie eine Schulter, an der sie sich ausweinen können. Und während sich der moderne Mann in seine Komfortzone kuschelt, krempeln die Damen die Ärmel hoch und ziehen in die Schlacht. Aber wir wollten es ja nicht anders.

Eine Kolumne von Violetta Simon
Schmachtwort der Woche - Robert Pattinson

Das Schmachtwort sprach diesmal unser Sensibelchen Robert Pattinson.

(Foto: Cornelia Zeug)

Es gab eine Zeit, da fuhren Männer nicht mit dem Fahrrad ins Büro, sondern zogen hoch zu Ross in die Schlacht, wo sie sich von Angesicht zu Angesicht dem Feind stellten. Der Sand war getränkt von ihrem Blut, die Helme rollten mitsamt den Köpfen aufs Feld, Gliedmaßen flogen durch die Luft, eine riesige Sauerei war das. Die Morgentoilette bestand aus einem kräftigen Schluck Rum, zum Frühstück verspeiste man eine Schweinehälfte. Flirt-Portale, Dating-Coaches oder Weddingplaner hatten keine Zielgruppe: Man hielt Ausschau nach einer geeigneten Frau, warf sie sich über die Schulter und schleppte sie nach Hause. Von da an war das Weib ein Eheweib.

Heute frühstückt Papa ein Sojabrötchen, trinkt dazu laktosefreien Latte macchiato und macht die Kinder für die Schule fertig. Dann bringt er seiner Frau einen Cappuccino ans Bett, reinigt noch schnell seine Zahnzwischenräume, gurgelt mit einer antibakteriellen Spülung und begibt sich auf den Weg ins Büro, von dem er manchmal behauptet, es gehe dort zu wie auf dem Schlachtfeld. Dabei kann es sich nur um einen Scherz handeln. Schließlich sitzt sein Kopf noch auf dem Hals, wenn er abends nach Hause kommt. Und auch sein Anzug sieht picobello aus: Kein Riss, nicht ein einziger Blutspritzer.

Die Zeit der Draufgänger ist also endgültig vorbei. Und was haben wir dafür bekommen? Den modernen Mann. Jaja, schon gut! Wir wollten es ja nicht anders.

Immer mehr Männer scheinen sich in dieser Rolle durchaus wohlzufühlen. Auch Schauspieler Robert Pattinson steht zu seinem sensiblen Naturell: "Ich weine sehr leicht, und ich weine viel", sagte der Brite dem Magazin Joy. "In einer Beziehung bin ich eigentlich wie ein Mädchen." Hoffentlich hat das zweite Mädchen in dieser Beziehung dann wenigstens eine starke Schulter und auch immer genügend Taschentücher bei sich. Nicht mehr lange, dann sind wir es, die sich auf dem Schlachtfeld des Alltags herumprügeln und sich anschließend die Jungs über die Schulter werfen.

Wenn man wissen will, wie es um das moderne Heldentum bestellt ist, muss man nur ins Kino gehen. Frauen waren stets elektrisiert von der herrisch-düsteren Aura eines Grafen Dracula und stellten sich heimlich vor, wie der Fürst der Finsternis sie mit einer kühlen Umarmung ins Reich der Ewigkeit befördern würde. Heute stolpert ein ethisch korrekter Vegetarier in einer nicht enden wollenden Vampir-Saga über die Leinwand. Trifft ihn das Sonnenlicht, zerfällt er nicht zu Staub, sondern glitzert wie tausend Juwelen - sieht doch gleich hübscher aus. Statt tagsüber standesgemäß im Sarg zu ruhen, besucht das Milchgesicht vormittags die Highschool und säuselt nachmittags seiner Freundin Nettigkeiten ins Ohr. Dabei versucht er tapfer, die so verlockend pulsierende Schlagader an ihrem Hals zu ignorieren. Nachts, gebeutelt von seinem Gewissen, beißt er nur kleine Tiere, bei denen er sich zuvor entschuldigt.