Der ehemalige Fußballmanager Rudi Assauer macht in seiner Autobiographie seine Alzheimer-Erkrankung öffentlich - und führt uns damit vor Augen, dass diese Krankheit jeden treffen kann. Das ist wichtig, denn die Gesellschaft ignoriert die Erkrankung, für die es bis heute kein Heilmittel gibt, noch immer. Aus Angst.
Definiert man Männlichkeit einmal ganz klassisch, entlang der Ideale Fußball, Frauen und Zigarren, so war der Schalke-Manager Rudi Assauer Zeit seines öffentlichen Wirkens wohl das, was viele Deutsche unter einem "echten Mann" verstehen: Einer, der Kraft und Sportlichkeit ausstrahlte, der sich mit schönen Frauen umgab, der sein Macho-Image vor sich hertrug und verbal kräftig zulangen konnte. In dieses Bild passt kaum, was dieser Tage über Assauer zu lesen ist: Ausgerechnet er leidet unter Alzheimer.
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An Alzheimer erkrankt: Ex-Fußballmanager Rudi Assauer. (© dpa)
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Darüber schreibt Assauer in seiner Autobiographie, die schon vor ihrem Erscheinen an diesem Donnerstag viel Aufsehen erregt hat - und das wohl weniger, weil sich die Deutschen plötzlich so sehr für einen alternden Fußballmanager interessieren, als deshalb, weil Assauers Drama ihnen in aller Härte vor Augen führt: Diese Krankheit kann jeden treffen. Selbst die ganz Starken, selbst die ganz Reichen. Niemand ist vor Alzheimer sicher. Und niemand weiß, wie man sich davor schützt.
Deshalb schauen die Deutschen am liebsten weg von der Krankheit, wenden sich mit Gruseln ab - und wenn sie alle paar Jahre doch gezwungen werden hinzuschauen, weil ein Rudi Assauer erkrankt oder ein Gunter Sachs oder Walter Jens, dann reagieren sie schockiert - als wären nicht längst mehr als 1,3 Millionen Deutsche von Alzheimer und anderen Formen der Demenz betroffen; als wüsste nicht jeder, dass nur Hinschauen hilft, um diesen Menschen zu helfen.
Doch zum Hinschauen reicht oft der Mut nicht: denn Alzheimer ist in der Wahrnehmung der Deutschen längst mehr als eine Krankheit. Es ist die Summe aller Horrorvorstellungen, die wir uns vom Alter ausmalen: eine Addition aus Hilfsbedürftigkeit, Einsamkeit und Windeln, aus Furcht davor, ohne Hose durchs Treppenhaus zu irren, davor, im eigenen Bett fixiert zu werden, davor, abhängig zu sein und ertragen statt geliebt zu werden. Alzheimer ist zu einem Synonym geworden für die Urangst, das Letzte zu verlieren, was uns im Leben bleibt: das eigene Ich.
Und wie um diese Machtlosigkeit noch zu persiflieren, gibt es bis heute keine Arznei, die Alzheimer heilen könnte. Keine Impfung vermag die Krankheit zu verhindern, kein tägliches Kreuzworträtsel-Lösen oder Gehirnjogging. Heißt es am einen Tag, Vitamine seien die beste Vorbeugung, so wird am nächsten Tag möglichst viel Bewegung oder möglichst wenig Chemie als Mittel der Wahl gepriesen.
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Alles Gute und gute Besserung kann man dem Herrn Assauer ja auch nicht wünschen. Der anwesende Professor hat das ja klar gestellt und die Zutaten Liste des Kochs hat eigentlich auch nicht so richtig weiter geholfen.
Essen wir jetzt Alle 3 x die Woche Fisch und tagtäglich 5 x Obst und oder Gemüse ?
Was machen da die Millionen an Hartz IV Empfängern und Rentner die an der Armuts Grenze leben ? Werden die Tafeln jetzt entsprechend aufgerüstet ?
Der Skandal liegt ja eigentlich wieder einmal bei der Politik und der damit verbundenen mangelhaften Pflege Leistungen !
Wer hat denn schon ein Umfeld mit Hilfen und Verständnis wie der Herr Assauer ?
Die Ignoranz liegt nicht in der Gesellschaft sondern bei der Politik denn nur die kann unseren Gesundheits - und Pflege Apparat entsprechend aufrüsten. Ansonsten....Ausweg à la Gunther Sachs ?
Habe Ähnliches im Umfeld erlebt und bin selbst Jahrgang 1944 wie Herr Assauer
Sehr interessant, wie ein solches Thema einerseits ein regelrechtes Modethema sein kann, und dennoch gleichzeitig das Tabu (meist) nicht anrührt.
Hier ist Frau Frank schon weiter.Allerdings ist es mit Sicherheit keine deutsche Besonderheit lieber wegsehen zu wollen.
Wir sehen diese Tendenz vielmehr bei allen (vorgeblich) modernen (arbeitsteiligen) Gesellschaften.
Ganz richtig und überhaupt nicht überzogen Ihre Formulierung ,Demenz als "Summe aller Horrorvorstellungen, die wir uns im Alter ausmalen.." wo wir "..das letzte verlieren, das eigene Ich".
Hier ist das "Scharnier" unserer tieferliegenden Urangst:
wer sind wir, wenn wir alles Gelernte verlieren? Was bleibt? Für viele von uns ist dann allzu schnell klar:
Das ist doch kein Leben mehr.. lebendiges "Gemüse"?
Unser Selbstbild hat eine entscheidende Lücke: jenseits von Funktion und Leistung, kultivieren wir unser Gefühl , unsere Emotion nicht annähernd mit der gleichen Wertschätzung, wie den Intellekt! Aber genau diese Fähigkeit zu echter Emotion, ist alles, was dementen Menschen bleibt, und sie ausmacht.
Immer noch ein genauso wertvoller Mensch zu sein, bloß ohne Zugriff auf das (ach so großartige?) gesammelte Wissen!
Na und? Das zu verstehen und zu erleben gelingt aber nur dem, der sich einlässt auf den Kranken, (eigene Angst und Scheu beiseite) auf der Gefühlsebene ist direkter Kontakt aufnehmbar und diese Tür bleibt offen!
In angemessener richtiger Umgebung, kleiner intimer Wohneinheiten mit geschultenm Personal und unter Einbeziehung und Anteilnahme der Angehörigen kann einiges an Lebensqualität erhlten bleiben.Dies kann man sich vor Ort ansehen!
Die Politik hat hier bis jetzt völlig versagt , das stimmt, aber jeder von uns kann sich ehrlich fragen, was macht einen Menschen aus?
Ganz tief wirkt immer noch der "Darwin-In-Uns" ..wie nachhaltig haben wir uns den teuflischen Begriff sog. "lebensunwerten Lebens" (ohne es zu ahnen, oder einzugestehen) einverleibt ?
DAS ist doch der eigentliche Horror, ein solches Wertesystem, in dem Mensch zu funktionieren hat, und nicht die Krankheit der Demenz!
"So gibt es bis heute keine einheitliche Definition, was die Krankheit Alzheimer ausmacht."
Das war lange Zeit richtig, aber gerade vergangenes Jahr haben (nach fast 30 Jahren) mehrere internationale Expertengruppen endlich einheitliche Richtlinien für die Diagnose von Alzheimer's Dementia und ihren verschiedenen Phasen ausgearbeitet. Damit hofft man, die Krankheit schneller zu entdecken, da die Behandlungsaussichten mit dem Fortschreiten der Krankheit immer schlechter werden.
http://www.alzheimersanddementia.org/content/ncg
bringen auch nicht weiter. Und von Ignoranz kann man wirklich nicht reden, denn es wird genug über Alzheimer und /oder Demenz publiziert. Die Krankheit gab es übrigens auch schon früher und ist nicht so neu, wie die Autorin uns glauben lässt. Nur: die Menschen werden eben viel älter und damit steigt auch das Risiko, an Alzheimer zu erkranken,
Es gibt Medikamente die den Verlauf verzögern, die Ursache, so man sie wüsste, aber nicht beheben. Je früher die Einnahme, desto besser die Chance auf eine verzögernde Wirkung der Symptome.
Da stellt sich natürlich die Frage nach der Aufklärung. Wissen das die Angehörigen der Betroffenen? Wissen das alle Hausärzte ? Werden die Kosten von der GKV übernommen? Und ab wann ist es sicher, dass es sich um Alzheimer und nicht um eine "normale" Altersdemenz handelt?
Tatsache ist, und da gebe ich der Autorin Recht, dass die Pflegeheime für Demenzkranke besser ausgestattet werden müssen.
Vor allem im personellen Bereich.
Ich gehe davon aus, dass die Forschung auf vollen Touren läuft, denn realistisch betrachtet ist das für die Pharmaindustrie ein wachsender Markt. Das bitte ich nicht als Kritik zu sehen. Es ist richtig und wichtig, dass man Arzneimittel entwickelt, die den betroffenen Menschen helfen.
Zum Thema "peinlich" : ich glaube, es macht keinen Unterschied ob ein Angehöriger an Krebs oder an Alzheimer erkrankt ist oder Depressionen hat. "Peinlich" ist keine Krankheit. Aber viele Menschen haben Probleme damit, ihr Mitgefühl in passende Worte zu kleiden.
Betroffenen und ihres Umfelds hätten eine bessere Berichterstattung verdient als dieses schmissige, gängige Klischees über die angeblich so ignorante Gesellschaft verbreitende Artikelchen. Wir fassen zusammen: Betreuung zu Hause taugt nicht, weil die Angehörigen überfordert sind. Betreuung im Heim taugt nicht, da werden die Dementen nur abgschoben und fixiert. Und der Rest der Gesellschaft ignoriert das alles und ist zu allem Überfluss auch noch an selbstgewählten Freitoden schuld . Gänzlich außer Betracht bleiben all die löblichen und hilfreichen Initiativen, denen es nicht um schwarz-weiß-Malerei, sondern um ganz konkrete Hilfen für Betroffenen und deren Angehörige geht. Zugeben, manchmal eine Kärnerarbeit, über die man kaum soviel medialen Vorurteile breiten kann als dass sie in einer Qualitätszeitung boulevardesk ausgeschlachtet werden könnte
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