Internet für Alte Opa geht jetzt online

Die alten Männer und das Tablet: In Pilotprojekten sollen Senioren den Umgang mit modernen Kommunikationsmedien lernen.

(Foto: Imago)

"Freiwilliges Soziales Jahr digital" heißt ein Pilotprojekt in Sachsen-Anhalt. Junge Leute bringen Senioren bei, wie man sich im Internet bewegt.

Reportage von Cornelius Pollmer

Frau Geyer sagt, damals, mit dem Mixer, da habe es angefangen. Sie sagt, sie komme nun mal vom Dorf, "Entschuldigung!" Frau Geyer sagt, mit dem Fernseher sei es weitergegangen, den könne sie wirklich nicht programmieren, "tut mir leid!" Und dann kam auch noch das Telefon, mit integriertem Anrufbeantworter. "Da konnte man nicht einfach nur drücken, das musste ich mir richtig aufschreiben."

Und nun? Nun sitzt Sigrid Geyer, 60, vor einem sanft leuchtenden Tablet-Rechner. Gleich wird sie Frau Pfau anrufen, und die beiden Damen werden dann über die Jugend und das Alter reden, zumindest so lange, bis Neuseeland ihnen in die Quere kommen wird.

Der Hinterhof eines Klinkerbaus in Halle an der Saale, an der Tür ein Hinweis aufs heutige Highlight der Begegnungsstätte: "Fröhlicher Kegelnachmittag". Sigrid Geyer sitzt im Gruppenraum der Altenhilfe des Deutschen Roten Kreuzes (DRK).

Bevor sie mit dem Finger auf ihrem Tablet das Skype-Logo antippt, will sie sich noch kurz erklären. Es sei ja nicht so, dass sie nie am Computer gearbeitet hätte, "aber mein Mann hat das alles immer eingerichtet, und er ist jetzt leider schwer krank". Sie habe sich erst selbst versucht am Computer, "aber weit bin ich nicht gekommen, man musste ja doch wieder ein Passwort eingeben". Und dann? "Und dann kam Johann."

Nur ein Stupser auf die Skype-Kachel

Johann Georgi, 20, sitzt neben Sigrid Geyer, der QR-Code auf seinem T-Shirt ist ein erster Hinweis auf seinen Auftrag. Georgi ist als einer von 30 Freiwilligen Teil eines Pilotprojekts des DRK in Sachsen-Anhalt, das es in dieser Weise nur zwei Mal in Deutschland gibt.

In seinem "Freiwilligen Sozialen Jahr digital" kümmert sich Georgi zunächst um alle jene Dinge, die schon immer sozial waren - er deckt den Tisch, macht sauber, unterhält sich mit den Senioren. Darüber hinaus ist es im "FSJ digital" auch Georgis Aufgabe, den Senioren das nahezubringen, was heute als sozial gilt: das Netz und die Kommunikation darüber.

In dem Pilotprojekt gibt es verschiedene Bausteine, Sigrid Geyer befindet sich zurzeit im Baustein "Teilhabe durch Internettelefonie". Sie stupst das Tablet so vorsichtig an, als wäre es ein schlafendes Wesen, das man nicht wecken möchte.

Das Tablet aber erwacht. "So", sagt Frau Geyer, "jetzt sind hier die ganzen Symbole, und lesen kann ich ja." Ein Stupser auf die Skype-Kachel, einer auf den Kontakt von Frau Pfau, und, schwups, schon grüßt diese aus dem achten Stock eines Wohnblocks in Halle-Neustadt.

Frau Pfau, 92, erzählt, wie sie neulich mal wieder in Neuseeland war - ohne Halle dafür zu verlassen. Sie war bei der Hochzeit ihrer Enkel und zuvor auch schon bei der Bescherung an Weihnachten, "so richtig mit meinen Enkeln". Sie habe "ja meine Hitsche hier, meinen Mercedes", sagt sie und zeigt auf ihren Rollator. Viel Bewegung ist nicht mehr drin, sie sei jetzt auch allein seit dem Tod ihres Mannes. Aber einsam, nein, das sei sie nicht, "ich bin viel am Computer, was soll ich denn sonst machen? Immer Schränke rumräumen ist ja auch nichts." Frau Pfau sagt, sie warte schon, "bis er wieder mal Zeit hat, der liebe Herr Johann!"

Aber bevor Johann Georgi sich bei ihr ankündigen kann, blinkt es auf dem Bildschirm von Frau Pfau. Die Enkelin aus Neuseeland ruft an. "Wir sehen uns wieder, Frau Pfau", sagt Frau Geyer noch rasch, dann klinken sich die beiden aus.