Partnerringe und Liebessymbole Schau her, er fesselt mich!

Es muss nicht immer ein Ehering sein: Inzwischen gibt es für fast jede Art von Beziehung ein eigenes Schmucksymbol. Und wer will, kann mit seinem Ring sogar aller Welt seine sexuellen Vorlieben offenbaren.

Von Hannah Beitzer

Seine Hand streichelt ihre Hand, ein tiefer Blick in die Augen, ein Lächeln - so leicht kann Liebe sein. Sollte man denken. Doch glücklich sein scheint heute nicht mehr auszureichen - das Glück sollte auch für jedermann sichtbar sein: Es gibt Ringe, Ketten und sonstigen Edelmetall-Kram für fast jede Art von Beziehung - und längst tragen nicht mehr nur Verlobte oder Ehepaare ihre Beziehungssymbole am Finger.

Schau her, er liebt mich!

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Der Sozialwissenschaftler Klaus Hurrelmann beobachtet einen regelrechten Trend zum Symbol: "Einerseits ist die Lebensgestaltung heute sehr offen, man hat viele Optionen, die Lebensentwürfe sind stärker individualisiert", erklärt der Experte, "anderseits entsteht dadurch das Bedürfnis, nach außen verbindlich zu zeigen, wo man gerade steht."

Das gilt auch, wenn der Wille zu einer endgültigen Verbindung noch nicht da ist. Auch wer erst kurze Zeit zusammen ist, kann sich zum Beispiel Partnerringe kaufen. "Ohne sofort die Ernsthaftigkeit eines Verlobungs- und Eheringes zu besitzen, stehen Partnerringe doch ebenso wie diese für eine besondere Bindung", heißt es zum Beispiel auf der Partnerring-Seite glanzwelten.de, wo man die Liebessymbole in Serie kaufen kann. Deswegen seien Partnerringe besonders für "frischverliebte Paare" gedacht.

Auch Schmuckdesigner Uli Glaser aus Hamburg fertigt längst nicht mehr nur klassische Eheringe an. Er sieht vor allem in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften einen neuen Markt - mit zahlungskräftigen Kunden. "Gleichgeschlechtliches Heiraten heißt, Symbolik nach außen tragen", sagt er. "Eine große Nachfrage besteht besonders bei Ringen mit akzentuiert gesetzten, größeren eckigen Diamanten", so der Goldschmied. Einen solchen Ring trägt zum Beispiel der frisch verheiratete Elton John am Finger. Natürlich könnten Lesben und Schwule auch klassische, schlichte, einfarbige Ringe tragen. "Wir haben aber die Erfahrung gemacht, dass diese Kundengruppe sehr häufig besondere Wünsche hat." Also exklusives Design und eine mutigere Farbwahl.

"Für gleichgeschlechtliche Paare ist es ja noch nicht lange möglich, ihre Verbindung für alle erkennbar nach außen zu tragen", sagt Klaus Hurrelmann. Auch hier gelte: "In der Lebensgestaltung ist alles erlaubt - aber ich will zeigen, dass ich mir eine feste Kontur geschaffen habe."

Eine andere Richtung schlägt man bei Schmuckdesignern wie dem Unternehmen "Familienbande"ein: Hier gibt es das "Marry Me"-Armband als Ersatz für den klassischen Verlobungsring. "Ein Verlobungsring ist vielen zu spießig", erzählt Gründerin Birthe Röhrs, "dann bestellen sie lieber ein Armband." Die Angst, spießig zu sein, hat auch Klaus Hurrelmann beobachtet: "Traditionelle Rituale wie eine Verlobung und das dahinterstehende Versprechen erscheinen vielen Menschen zu einengend", sagt er. Deswegen suche man sich neue Rituale, was zu einer regelrechten Symbolflut führen kann.

Bestes Beispiel ist die vermutlich aus Italien stammende Tradition, als Zeichen der Liebe ein Schloss an eine Brücke zu hängen. Der Berliner Senat entfernt die schweren Liebesbeweise rigoros von den Brücken - sie gefährdeten die Sicherheit. In Köln jedoch kann man sie in Massen an der Hohenzollernbrücke bewundern. "Das Bemühen einen eigenen Ausdruck zu finden, artet manchmal in einen regelrechten Druck aus", sagt Klaus Hurrelmann. Da suche man sich dann eben Traditionen aus fremden Ländern.

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