Misswahl wirft transsexuelle Kandidatin raus Eine Frau ist eine Frau ist eine Frau

Von einem Tag auf den anderen verschwindet das Profil der Kandidatin Jenna Talackova von der Webseite des "Miss Universe Canada"-Wettbewerbs. Der Grund für ihre Disqualifikation: Sie sei keine "natürlich geborene Frau". Talackova wirft den Organisatoren Diskriminierung vor - und will sich wehren.

Von Sophia Lindsey

"Ich bin eine Frau mit Geschichte", sagt Jenna Talackova und zwinkert in die Kamera. Das Youtube-Video zeigt Jenna vor etwa zwei Jahren: püppchenhaft lächelnd im knappen Kleid, den schlanken Körper ziert eine Kanada-Schärpe. Im Hintergrund des Videos stöckeln große Frauen mit langen Beinen auf High Heels und nippen mit Lippenstiftmündern an bunten Cocktails. Auf der Party tummeln sich die Kandidatinnen einer Misswahl, genauer: der Wahl zur Miss International Queen, die speziell für Transsexuelle ins Leben gerufen wurde. Hier nimmt Jenna im Jahr 2010 teil, kommt unter die zehn Finalistinnen.

Alles könnte in Ordnung sein, doch Jenna will mehr - und bewirbt sich zwei Jahre später für die Wahl zur Miss Universe Canada. Schließlich steht in ihrem Ausweis nicht "transsexuell", nicht "männlich" und nicht "transgender", dort steht, wie bei jeder anderen Frau auch: "weiblich".

Doch die Organisatoren der Miss-Universe-Wahl sehen das anders. Die 23-Jährige hat es bereits unter die 65 Finalistinnen geschafft, als von einem Tag auf den anderen ihr Profil von der Webseite der Misswahl verschwindet. Kurze Zeit später folgt die Meldung: "Jenna Talackowa aus Vancouver, British Columbia, wird nicht an der Wahl zur Miss Universe Canada teilnehmen, weil sie die Anforderungen nicht erfüllte, obwohl sie auf ihrem Anmeldeformular andere Angaben machte." Des Weiteren heißt es, man respektiere ihre Ziele und wünsche ihr das Beste.

Jennas Ziel war es aber, zur Miss Universe Canada gekürt zu werden. "Ich bin disqualifiziert, aber ich gebe nicht auf", twittert die Ex-Kandidatin im Anschluss an ihren Rauswurf. "Ich lasse mich nicht einfach disqualifizieren. Das ist Diskriminierung."

Reduziert auf Brustimplantate und Penis-Inversion

Dass Jenna eine Frau ist, weiß sie seit ihrem vierten Lebensjahr. Mit 14 Jahren beginnt sie mit der Hormontherapie, fünf Jahre später folgt die geschlechtsangleichende Operation. Das erklärt sie in dem Youtube-Clip einem Journalisten, der den "Miss International Queen"-Kandidatinnen an die Brüste fasst und die "beautiful ladyboys", wie er sie nennt, zu der Beschaffenheit ihrer Geschlechtsteile befragt. Jenna lächelt höflich, doch sie ist sichtbar peinlich berührt.

Die Gewinnerin des "Miss Universe Canada"-Wettbewerbs nimmt an der renommierten Wahl zur Miss Universe teil. Die Rechte an dem Wettbewerb hält Wirtschaftsmagnat Donald Trump. Anders als im Jahr 2010 hätte Jenna hier als Frau unter Frauen teilnehmen können, ohne die schamvolle Erfahrung machen zu müssen, auf Brustimplantate und Penis-Inversion reduziert zu werden. Doch dem ist nicht so: "Es gibt einen Katalog an Regeln und eine davon besagt, dass jede Kandidatin eine natürlich geborene Frau sein muss", versucht Denis Davila, der landesweite Geschäftsführer von Miss Universe Canada, den Ausschluss Jennas im Interview mit dem Fernsehsender CTV News zu rechtfertigen. "Es gibt hier keine Diskriminierung", beharrt Davila. Doch über die Frage, wie richtig diese veraltete wie schwammige Regel ist und ob sie sich ändern ließe, schweigen die Miss-Universe-Sprecher.

"Sie ist eine Frau und verdient es, wie eine behandelt zu werden"

Für kurze Zeit war Jenna die erste und einzige Teilnehmerin an der Universe-Miss-Wahl mit transsexueller Vergangenheit. Die Blogosphäre feierte dies als Triumph, als Zeichen eines fortschrittlichen Kanadas. Umso größer war der Ruf der Empörung, als ihr Ausscheiden bekannt wurde: "Bedauernswert, einfach nur bedauernswert", machte etwa der US-amerikanische Celebrity-Blogger Perez Hilton seinem Ärger Luft. "Sie ist eine Frau und verdient es, so zu behandelt zu werden wie jede andere Frau auch", heißt es in einer Online-Petition, die sich gegen die Disqualifikation Jennas wendet. Etwa 30.000 Menschen haben bereits unterschrieben.

Jenna Talackova will sich nun rechtlichen Beistand suchen, um gegen die Miss Universe Company vorzugehen, wie die Lokalzeitung The Toronto Sun berichtet. Dass eine andere Frau an ihre Stelle der Misswahl treten wird, deren Finale im Mai stattfindet, ist zwar bereits beschlossen, doch es geht um mehr als das: "Ich möchte die Situation ins Positive wenden, sodass andere Menschen in einer ähnlichen Situation nicht unter derselben Diskriminierung leiden müssen", zitiert CTV News die Kanadierin, die sich schon immer als Frau fühlte.

Das Frau-Sein in der Öffentlichkeit jedoch muss sie sich erkämpfen - immer noch.

Klimpern und Stöckeln für die Krone

mehr...