Meine Kindheit: Philipp Lahm "Langweilig war mir nie"

Philipp Lahm über seine Großeltern, Streitereien mit seiner Schwester und seinen Weg zum FC Bayern München.

Protokoll: Titus Arnu

"Meine Familie war und ist mir sehr wichtig, und ich kann sagen, dass meine Kindheit wirklich glücklich war. Ich bin im Münchner Stadtteil Gern aufgewachsen, zusammen mit meiner zweieinhalb Jahre älteren Schwester und meinen Eltern. Wir haben als Großfamilie mit meinem Opa, meiner Oma, einer Tante, einem Onkel und deren beiden Kindern in einem Haus gewohnt.

Die Großeltern haben alles zusammengehalten. Ich kann mich noch erinnern, wie mein Opa mich immer vom Kindergarten abgeholt hat, meine Oma hat für alle Mittagessen gekocht. Natürlich habe ich mich mit meiner Schwester auch mal gestritten, und es gab auch mal Hausarrest für mich. Aber insgesamt ging es in unserer Familie sehr harmonisch zu. Wir haben immer viel miteinander geredet, aber auch mal gestritten, das schließt sich ja nicht aus, finde ich.

Wichtig war für mich, dass ich gleichzeitig Kind sein konnte und ernst genommen wurde. Meine Schwester und ich durften mitreden, wenn es um Urlaubsziele oder die Freizeitgestaltung ging. Als ich elf war, ging es darum, ob ich zum FC Bayern gehe, und meine Eltern haben keinen Druck in irgendeine Richtung ausgeübt. Sie haben mir das Gefühl gegeben, dass sie mich in jedem Fall unterstützen. Das rechne ich ihnen hoch an.

Was mich sicher auch geprägt hat, ist die soziale Einstellung meiner Eltern. Beide sind in unserem Stadtteil in Vereinen aktiv. Engagement und Ehrenamt sind ihnen wichtig, und das ist bei mir mittlerweile auch so. Durch die Vereinsaktivitäten hatte ich immer viele Freunde und Bekannte, langweilig war mir nie. Mit 18 bin ich von zu Hause ausgezogen, als ich zum VfB Stuttgart gegangen bin, aber bis heute habe ich einen engen, herzlichen Kontakt zu meiner Familie."