Lebensgeschichte der Regisseurin Eva Ionesco Der Lohn: Kronen, Perlen, Ruhm

Schön ist Eva Ionesco immer noch, auf eigentümliche Weise. Ihr blondes Haar steht zerzaust vom Kopf ab, seit vor Stunden der Berliner Wind hineingefahren ist. Ihr zierlicher Körper versinkt in unförmigen Winterklamotten, sie ist kaum geschminkt. Man kennt solche nachlässige Schönheit von sehr jungen Mädchen - die gerade mal das Alter haben, in dem Eva eine verführerische Schönheit sein musste. Mitunter auch sein wollte.

Es sind die wohl bedrückendsten Szenen ihres Films, in denen gezeigt wird, wie das Kind das böse Spiel mitspielt. Wie es sich seiner erotischen Macht bewusst wird, wie es lockt und Männer betört und sich lasziv vor der Kamera räkelt. Ihre Mutter erzählt heute öffentlich, dass Eva damals sogar Ideen für Foto-Essays ersonnen habe. Stimmt das? "Natürlich", antwortet die, "ich habe viel zu spät rebelliert".

Wie auch: Als es losging mit den Fotos, habe sie nicht einmal gewusst, was eine Kamera ist. "Außerdem fühlt es sich normal an, nackt zu sein, wenn man vier ist", sagt sie. Schon bald darauf wollte sie nicht mehr nackt, aber eine Prinzessin sein, wie alle kleinen Mädchen. Sie war die einzige in der Schule, der das gelang, die Kronen bekam, Perlen, Ruhm - wenn sie nur Fotos machte. Sie war elf, als sie sich auflehnte - und feststellen musste, dass die Logik auch anders herum funktionierte: Keine Fotos, kein Shopping. Keine Fotos, keine Liebe. Keine Fotos, kein Essen.

"Sie hat von mir gelebt", sagt Eva Ionesco. Sie tut das auch heute noch. Das Jugendamt schritt ein, als Eva zwölf war. Da kam das Aktmodell ins Kinderheim. Aber die Fotos blieben draußen in der Welt, und auch wenn heute kein vernünftiger Mensch mehr eine pädophile Ausstellung kuratieren oder einen kinderpornographischen Fotoband verlegen würde, so kann Irina Ionesco das, was sie Kunst nennt, doch immer noch verkaufen. "Es ist wie früher: Es geht nur um sie", sagt Eva. Vor Gericht hat sie gegen ihre Mutter geklagt, aber verloren. "Ich war schon 30. Man sagte mir, ich hätte früher aufwachen müssen."

Nun versucht Eva Ionesco auf ihre Weise, die Macht über die Bilder zurückzuerobern. Ihr Drehbuch hat sie schon vor Jahren geschrieben, doch lange traute sich keiner, es zu produzieren. "Alle hatten Angst, eine pädophile Geschichte zu verfilmen und mein Drama auf der Leinwand zu wiederholen", sagt sie. Aber genau das wollte sie nicht, deshalb hat sie Violetta, wie Eva im Film heißt, einen selbstbewussten Charakter gegeben, der sich wehrt und aufbäumt und auf Abgründe zurennt, aber nicht fällt - und ganz am Ende doch ein Kind bleiben darf. Die Wahrheit sah anders aus: Eva Ionesco wurde ihre Kindheit geraubt. Dann auch noch ihre Bilder. Jetzt holt sie sich wenigstens ihre Geschichte zurück. "I'm not a F**king Princess läuft seit dieser Woche in den deutschen Kinos.