Für manche Eltern bricht eine Welt zusammen, wenn ihre Kinder kein Fleisch mehr essen wollen. Sie befürchten Entwicklungsstörungen und Mangelernährung. Es kann Entwarnung gegeben werden.
Am schwersten fiel es Nils bei den Bratwürstchen. Sie waren immer sein Lieblingsessen, aber wenn er wirklich konsequent sein wollte, musste er auf sie verzichten. Auch Fischstäbchen - kein Thema mehr. Nils ist 13 Jahre alt und lebt seit zwei Jahren als Vegetarier.
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Was der große Bruder kann, wollte die kleine Schwester auch. Marlena, neun Jahre alt, verzichtet seit einem Jahr freiwillig auf ihr einstiges Lieblingsgericht. Statt auf Schnitzel steht sie jetzt auf Apfel-Möhren-Rohkostsalat.
Laut der Kiggs-Studie (Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland) des Robert-Koch-Instituts haben sich drei Prozent der unter 18-Jährigen für eine fleischlose Ernährung entschieden. Bei den 14- bis 17-jährigen Mädchen sind es sogar sechs Prozent.
Vegetarisch lebende Kinder sind in Deutschland also noch relativ selten. Aber es gibt sie, und sie verzichten nicht immer nur aus einer Laune heraus auf Fisch und Fleisch, sondern aus Überzeugung. Oft ist es nicht leicht, sich gegen die besorgten Eltern durchzusetzen. Bei Nils und Marlena war der Schritt jedoch kein allzu großer - sie haben ihr Vorbild gleich in der Familie: Vater Michael, 40, lebt seit über 20 Jahren vegetarisch. Die Kinder folgten seinem Credo: "Ich kann nichts essen, was Augen hat." In der Minderzahl blieben Mutter Isabel und die sechsjährige Annika.
Die Pudding-Vegetarier
Doch ist gut für das Kind, was für Erwachsene gut ist? Daran zweifelt Mutter Isabel nicht. Unter Nicht-Vegetariern und manchen Kinderärzten hingegen ist schnell die Rede von Eisenmangel und allgemeiner Fehlernährung. Ernährungswissenschaftler und Mediziner können diese Sorge nicht bestätigen.
Das Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund erklärt fleischlose Kost für Kinder für unbedenklich - solange sie ausgewogen ist. "Ein kritischer Nährstoff könnte Eisen sein", sagt die Dortmunder Ernährungswissenschaftlerin Ute Alexy. "Stehen jedoch genügend Vollkornprodukte auf dem Speiseplan, kann man auf den Eisenlieferanten Fleisch durchaus verzichten."
Allerdings, so Alexy, sei auf die Kombination von Lebensmitteln zu achten. Pflanzliches Eisen aus Getreideprodukten kann der Körper am besten in Zusammenhang mit Vitamin C verwerten. Milchprodukte hingegen hemmen die Aufnahme. "Das Müsli sollte deshalb am besten mit Fruchtsaft und nicht mit Milch gegessen werden. Ein Marmeladenbrot mit einem Glas Orangensaft ist für den Eisenhaushalt besser als ein Käsebrot."
Gerade mal die Hälfte der deutschen Kinder und Jugendlichen essen laut Robert-Koch-Institut täglich Obst und Gemüse. Nur drei Prozent kommen auf die empfohlenen fünf Portionen pro Tag. Dafür essen 20 Prozent regelmäßig Süßigkeiten. Aber auch Vegetarier leben nicht automatisch gesund. "Es gibt die sogenannten Pudding-Vegetarier", sagt Ernährungsforscherin Alexy. "Doch es ist natürlich keine sinnvolle Lösung, auf Fisch und Fleisch zu verzichten, dafür aber nur Süßspeisen, Kuchen und Pommes zu essen."
Genau dieses Problem hatte Isabel mit ihrer Tochter - statt Schnitzel sollten es dann bitteschön Pfannkuchen sein. Die vegetarische Ernährung wurde der Neunjährigen aber nur erlaubt, wenn sie sich auch an einen ausgewogenen Speiseplan halten würde. Pizza und Spaghetti zählen zwar nach wie vor zu den Favoriten von Nils und Marlena, aber genauso wünschen sie sich mittlerweile frisches Gemüse. Deshalb fürchtet ihre Mutter auch keine Fehlernährung. Bis auf eine Blutuntersuchung des Sohnes - bei der normale Werte herauskamen - lässt die Erzieherin ihre Kinder nicht extra überwachen. "Sie sind fast nie krank, haben eine gesunde Gesichtsfarbe und sind sowohl geistig, als auch körperlich fit."
Grund zur Sorge sieht auch der Augsburger Kinderarzt Martin Lang nicht. Der Mediziner hält vegetarische Ernährung bei Kindern für unproblematisch. Allerdings mit einer Einschränkung: "Kinder zwischen sechs und 18 Monaten machen eine so rasante körperliche Entwicklung durch, dass fleischliche Eisenzufuhr nur schwer auszugleichen ist. Deshalb sollte man auch Fleisch-Gemüse-Brei zufüttern." Eine weitere Phase, in der man sich sehr bewusst ernähren sollte, ist die Pubertät. "Gerade Mädchen sollten wegen der ersten Regelblutungen auf ihren Eisenhaushalt achten", rät der Kinderarzt.
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In der Schule Außenseiter
Eisenmangel kann sowohl bei Fleischessern als auch bei Vegetariern auftreten - sofern sie dem Fastfood statt der Vollwertkost frönen. Im schlimmsten Fall treten Blutarmut und eine höhere Anfälligkeit für Infekte auf.
Ernährungswissenschaftlerin Alexy sieht die Altersbeschränkung noch unbedenklicher als Kinderarzt Lang: Es gäbe keine, zumindest nicht für die ausgewogene Form des Vegetarismus. Das Forschungsinstitut für Kinderernährung hat Rezepte im Internet veröffentlicht, mit denen man auch Säuglinge bedenkenlos fleischlos ernähren können soll. Auch hier gilt die Formel Gemüse plus Getreide plus Vitamin.
Es wird zwar gern die fehlende Esskultur von Kindern und Jugendlichen beklagt - und doch fehlt es an Verständnis und Akzeptanz für diejenigen, die es "anders" machen wollen. Nils wird in der Schule nicht für seine bewusste Ernährung gelobt. Im Gegenteil: Im Hauswirtschaftsunterricht wurde er von den Mitschülern schnell als Sonderling abgetan. Der Junge mit den halblangen blonden Haaren ekelte sich davor, wenn der Löffel aus der Bolognese-Sauce direkt in die Tomatensauce wanderte.
Als er sich weigerte, Teller mit Fleischresten abzuwaschen, wurde ihm das als Arbeitsverweigerung ausgelegt. "Schließlich bekam ich einen Anruf von der Lehrerin, was denn in unserer Familie los sei und ob wir ganz 'normal' seien", erzählt seine Mutter. Mittlerweile haben sie einen Weg gefunden, wie der Junge am Unterricht teilnehmen kann. Er muss nicht mitessen, kocht aber mit - für seinen Klassenlehrer.
In der Familie des Tischlermeisters und der Erzieherin geht es demokratisch zu: Gekocht wird nach dem Geschmack der Mehrheit - also fleischlos. Wenn Annika ausnahmsweise mal ihre geliebten Fischstäbchen bekommt, rücken die Älteren demonstrativ ab. "Aber wir passen auf, dass es ein Spaß bleibt und die Essgewohnheiten eines jeden akzeptiert werden", sagt die Mutter.
Absolut keine Alternative zur fleischlichen oder vegetarischen Ernährung ist für Kinder der Verzicht auf sämtliche tierische Produkte, wie zum Beispiel Milcherzeugnisse und Eier. Vegane Ernährung könne der Entwicklung eines Kindes schaden - darin sind sich der Kinderarzt und die Ernährungswissenschaftlerin einig. "Eisen, Jod, Proteine - diese und viele weitere Nährstoffe würden fehlen. Man käme mit dem Ersetzen gar nicht mehr nach", sagt Ute Alexy. "Dabei sind in unseren natürlichen Lebensmitteln alle wichtigen Nährstoffe und Vitamine enthalten."
Deshalb rät das Forschungsinstitut für Kinderernährung von Ernährungsformen ab, bei der man sich zusätzlich Nährstoffe zuführen muss. "Und dazu zählt die vegane, nicht aber die vegetarische Ernährung", sagt Alexy. Vor einer derart radikalen Entscheidung ihrer Kinder hat Isabel keine Angst: "Dafür essen sie viel zu gern Pizza und Pfannkuchen."
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(sueddeutsche.de/vs/jja)
Brasiliens Präsidentin Roussef
Macht jährlich etwa 80 Kilo Fleisch pro Kopf und rund 6,5 Milliarden Kilo Fleisch für das ganze Land. Eine solche Masse an Fleisch kann man aber nur bereit stellen, wenn man die Tiere in Massen züchtet und im Akkord tötet. Diese Massentierhaltung ist nicht nur furchtbar für die Tiere, sie ist auch schlimm für unsere Umwelt, für das Klima und für die Gerechtigkeit auf der Welt. Es gibt viele gute Gründe, nie mehr Fleisch zu essen. Aber eigentlich reicht schon einer...!
"Eisen, Jod, Proteine - diese und viele weitere N... Mehr anzeigenährstoffe würden fehlen." Was ein epicfail mal wieder
Eisen: Fehlt eher bei der ovo lacto Ernährung durch das zuführen vieler Milchprodukte (was im Text ja auch kurz angesprochen wird, aber der gedankliche Bogen ist dem Autor dann wohl doch nicht gelungen)
Jod: ist eine allgemeines Problem in der Bevölkerung (auch bei Ommnis) und kann durch Veg1 spielend leicht behoben werden
Proteine: Werden von Ommnis idr eh zu viel aufgenommen. Vegane Ernährung ist da deutlich näher am Optimum der Nährstoffverteilung: http://www.vebu.de/menschen/interviews/515-ich-kann-einen-porsche-mit-90-oktan-benzin-tanken-er-wird-fahren-aber-
Dummes blabla und aufwärmen alter Ressentiments aber was soll man schon erwarten *schulterzuck*
dass auf Maisfeldern eine unmittelbare Reaktion der Pflanzen in der Produktion von Abwehrstoffen zu beobachten war, wenn sie gezielt mit dem Maiszünsler "infiziert" wurde, die sich dann wohl schnell auf die anderen Pflanzen übertragen hat.
Klar, dass auch ich nicht sicher sagen kann, ob das aufgrund eines Schmerzempfindens oder eines beliebigen anderen Mechanismusses ausgelöst wurde. Allerdings ist der Schmerz so eine alte Schutzreaktion, dass mir die Vermutung zumindest nicht abwegig vorkommt. (So, wie wir mit unserer Umwelt umgehen, kann ich nur hoffen, dass Pflanzen nicht vergleichbar leiden, wie wir oder die Tiere, aber ich bin skeptisch.)
Ansonsten ist die angesprochene Arroganz grundsätzlich auch noch in mir zu Hause, denn auch mir stehen Wirbeltiere näher, als Insekten, und ich nehme diese wiederum als empfindungsfähiger wahr, als Pflanzen. Und sicherlich werde ich leichter und ohne größeres Nachdenken ein paar Blatt Petersilie ausreißen und essen, als etwa einen Fisch fangen. Ich stehe dennoch zu einem (hoffentlich maßvollen) Fleischkonsum, respektiere aber alle, die es geschafft haben, sich auf vegetarische Kost umzustellen. Zumindest im Hinblick auf den Resourcenverbrauch gibt es keinerlei echte Diskussion meinerseits, dass diese Art der Ernährung ökologisch erheblich verträglicher sein sollte. Und zumindest in unserer heutigen Gesellschaft, sollten sich Mangelerscheinungen unproblematisch vermeiden lassen. (Ich fand' übrigens die Sendung mit Jamie Oliver und "seiner" ehemaligen Band sehr interessant, in der er rein vegetarisch gekocht hat. Irgendwann muss ich die Pilze mal nachkochen!)
Insoweit allerseits beste Gesundheit und Freude an den Mahlzeiten! Hauptsache nicht zu viel "Fast-Food" und Essen "to-go".
Es tut mir leid, wenn Sie es als arrogant empfinden, dass ich den Tieren mehr Rechte zugestehe als Pflanzen. Dass Pflanzen auf auessere Reize reagieren ist klar, das habe ich auch nicht abgestritten. Aber kann man denn daraus wirklich ableiten, dass sie deswegen Schmerzen empfinden koennen? Fuer diese 'Faehigkeit' benoetigt man ein Zentrales Nervensystem. Ich bezweifle stark, dass Gewaechse so etwas haben. Daher glaube ich, dass sie weder ein Gefuehls- bzw. Empfindungsleben, noch ein Bewusstsein haben. (Saeuge-)Tiere sind nicht mit Pflanzen, sondern mit uns Menschen verwandt. Sie haben (fast) die gleichen Organe, die gleichen Krankheiten...
Was ich allerdings gut finde, ist Ihre Bereitschaft mehr Geld auszugeben, damit Nutztiere artgerecht gehalten werden koennen. Ich waere froh, wenn alle Menschen so denken und handeln wuerden.
Falls du glaubst, dass das Fleisch, was du isst, in seinem Leben frisches Obst und Gemüse bekommen hat, dann liegst du falsch.
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