Joggingschuhe Ufos für den Fuß
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Obwohl Schuhe immer neue Stützen und Dämpfer bekommen, bleibt die Verletzungsrate bei Läufern gleich hoch.
Läufer brauchen nicht viel, um ihren Sport auszuüben: ein Paar Schuhe, eine schöne Strecke und einen Arzt, der ihnen sagt, dass sie ihre Knie noch nicht ruiniert haben. Und ist es nicht das Knie, dann vielleicht das Sprunggelenk oder die Achillessehne. Seit Jahrzehnten sind die Verletzungsraten unter Hobby-Läufern konstant hoch.
Daran haben viele Jahre Schuhentwicklung nichts verändert, in denen aus unscheinbaren Sportartikeln überdrehte Fuß-Ufos geworden sind. Mit Pronationsstütze, Crash-Pad, Cushlon-Mittelsohle, Torsion-System, Gel, Air, Heel-Clutching-System, Biomorphic-Konzept. Es ist Zeit, Fragen zu stellen: Steckt mehr als heiße Luft hinter diesen Marketing-Begriffen? Schonen moderne Joggingschuhe mit dieser Austattung die Gelenke und schützen sie Läufer vor Verletzungen? Die Antwort lautet: Nein.
"Die Rate laufinduzierter Verletzungen ist seit etwa 30 Jahren konstant", sagt Gert-Peter Brüggemann, Leiter des Instituts für Biomechanik und Orthopädie an der Deutschen Sporthochschule Köln. Wie viele Läufer sich tatsächlich verletzten, ist aber nur schwer zu sagen. Niemand registriert jeden einzelnen Meniskusschaden übermotivierter Wochenend-Jogger.
Bei einer Auswertung medizinischer Studien zu Verletzungen von Ausdauerläufern erhielten die Ärzte um Marienke von Middlekoop vom Erasmus-Krankenhaus Rotterdam Daten von enormer Streubreite. Der Anteil der verletzten Jogger in den einzelnen Studien, lag zwischen 19 und mehr als 90 Prozent, schrieben sie vor drei Jahren im British Journal of Sports Medicine. Immerhin eine Aussage ließ sich exakt treffen: Am häufigsten war das Knie beeinträchtigt.
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Mediziner um Craig Richards von der australischen Universität Newcastle schreiben im gleichen Fachblatt, dass sich 37 bis 56 Prozent der Hobbyläufer wenigstens einmal im Jahr eine Verletzung zuziehen. Diese Leiden sind selten akut, sondern entstehen meist durch chronische Belastungen. Ein verletzter Jogger ist in der Regel nicht gestürzt, sondern zu viel gerannt. Stefan Grau, Biomechaniker von der Universität Tübingen, sieht auch eher die Hobbysportler selbst als Ursache. "Heute laufen ganz andere Leute als früher. Früher waren die meisten Jogger in einem besseren körperlichen Zustand, bevor sie mit dem Laufen angefangen haben."
Das Marketing rund um Jogging-Schuhe suggeriert allerdings, dass die meisten Verletzungen durch den richtigen Schuh vermeidbar seien. Das schiebt die Verantwortung ebenfalls dem Kunden zu: Knirscht es im Gelenk, hat er eben die falschen Schuhe gekauft.
Um das zu vermeiden, braucht man inzwischen fast schon einen Termin im Sportgeschäft. Der Läufer soll sich dabei fragen, ob er zur Pronation oder Supination neigt - ob sein Sprunggelenk also beim Aufsetzen nach innen oder nach außen dreht. Ob er mit dem Vor-, dem Mittelfuß oder doch mit der Ferse zuerst aufsetzt.
Und beim Fußgewölbe: Hohlfuß? Spreizfuß? Dieses Wissen muss der Sportler dann zusammen mit einem Verkäufer interpretieren und unter Aufsicht auf einem Laufband joggen, um Antworten auf weitere Fragen zu finden: Ist ein besonders stark gedämpfter Schuh nötig? Oder sollte der Kunde zum Wohle seiner Beine mehr Wert auf Stabilität legen?
Am Ende seines Kaufmarathons hat er ein buntes Statussymbol erworben und stürzt sich in der Überzeugung ins Training, seine Gelenke seien bestens geschützt - zum Teil offenbar mit negativen Konsequenzen. In Versuchen haben kanadische Forscher beobachtet, dass Jogger ihren Laufstil verändern, wenn sie von der Qualität ihrer Schuhe besonders überzeugt sind. Je stärker die Schuhe vermeintlich gedämpft waren, desto fester rammten die Probanden ihre Füße auf den Boden.
Wohin der Trend beim Schuhdesign geht, warum barfuß laufen gesünder sein soll und ob weiche Schuhe das Verletzungsrisiko steigern.