Internet-Leitfaden für Jugendliche Das Netz, wie Google sich's wünscht

Internet-Leitfaden für Jugendliche, herausgegeben von Klicksafe, Google und Unitymedia

(Foto: dpa)

50 Seiten auf Papier: Eine Broschüre soll jungen Leuten das Internet erklären, mit Lückentexten und Comic-Sprechblasen. Mitfinanziert hat den Leitfaden der Konzern Google - darum gibt es auf die Frage nach Datenschutz wohl keine Antwort.

Von Andreas Glas

Eine Broschüre soll den jungen Leuten also das Internet erklären. Auf 50 Seiten, Papier wohlbemerkt. Eine Broschüre wie eines dieser Workbooks, das man aus dem Englisch-Unterricht kennt. Mit Lückentexten und Comic-Sprechblasen. Aber: "Es gibt keine Lösungsbogen, es gibt also kein richtig oder falsch", sagt Sabine Frank, die bei Google Deutschland für Jugendschutz zuständig ist.

Klingt erst mal so, als mache es Google den Jugendlichen leicht, sich mit den Tücken des Internets zu befassen. "Auf die Frage nach Datenschutz hat die Broschüre aber keine Antwort", sagt Stephan Groschwitz von der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend. Das klingt schon ganz anders. Eher so, als mache es die Broschüre vor allem ihrem Financier leicht: Google selbst.

Am Montagabend hat Google die Broschüre "Das Web, wie wir's uns wünschen" in Berlin vorgestellt. Und nicht nur Jugend-Vertreter Stephan Groschwitz, auch die anderen Gäste fragten sich, wer mit "wir" eigentlich gemeint ist. Die Eltern? Die Jugendlichen? Google?

Kein Konsens gesucht

Eine klare Antwort brachte der Abend nicht. Das liegt daran, dass hinter dem Heft nicht allein Google steckt, sondern auch der Netzbetreiber Unitymedia Kabel BW, Bildungsministerien aus ganz Europa und Klicksafe, die EU-Initiative für mehr Sicherheit im Internet. Außerdem folgt das Projekt einem Peer-to-peer-Ansatz, es richtet sich also nicht nur an Jugendliche, sondern hat die Jugendlichen auch an der inhaltlichen Gestaltung beteiligt. Und weil Pädagogen, Konzerne und Jugendliche unmöglich einig sein können, wie sie sich das Web wünschen, haben sich die Macher erst gar nicht die Mühe gemacht, einen Konsens zu finden.

Also listet die Broschüre vor allem Fragen auf: Glaubst du, dass es in der heutigen Zeit noch möglich ist, anonym zu bleiben? Wie behältst du die Kontrolle über die Inhalte, die du oder deine Freunde online stellen? Welche Fotos lädst du hoch und welche deiner Freunde markierst du? Dazu gibt es Übungen, bei denen sich die Jugendlichen selbst Antworten überlegen sollen. "Wir haben wundervolle Rückmeldungen von Jugendlichen, die uns bestätigen, dass es genau das ist, was sie wollen: nicht bevormundet werden", sagt Google-Jugendschützerin Sabine Frank.

Fragen über Fragen

Klingt vernünftig, die Generation der Digital Natives lässt sich das Netz ungern von denjenigen erklären, die im Vor-Internet-Alter aufgewachsen sind. Die Broschüre gesteht den Jugendlichen also Medienkompetenz zu und regt zum Reflektieren an statt nur Vorschriften zu machen.

Andererseits könnte dieser Ansatz auch Strategie sein: Indem die Broschüre nur Fragen stellt, geht Google Antworten zur eigenen Datensammel-Praxis aus dem Weg. Dass ausgerechnet Google das Heft sponsert, hat für die Politik pragmatische Gründe: "Richtig guter Jugendschutz", sagt Jacqueline Kraege, Chefin der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz, "kostet eben Geld".