Bei den X-Alps kämpfen sich Athleten zu Fuß und mit dem Gleitschirm von Salzburg bis nach Monaco an der Côte d'Azur.
Für 50 Cent ist man dem Watzmann mit einem Schlag ganz nahe, fühlt sich mittendrin in den frisch gezuckerten Schneefeldern des gewaltigen Massivs. Doch dann macht es klick, der Blick durchs Aussichtsfernrohr ist wieder schwarz und der Watzmann doch knapp 40 Kilometer entfernt.
Kein Spazierflug: Je nach Wetterlage kann der Flug und Lauf nach Monaco zum zweiwöchigen Höllentrip werden. (© Foto: oh)
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Die Sportler, die hier oben am Gaisberg, gut 800 Meter über Salzburg, den berüchtigten Berg ins Visier nehmen, haben keine Zeit für den Blick durchs Fernrohr. Der am Horizont thronende Watzmann ist für sie nur eine Durchgangsstation auf einem verdammt langen Weg.
Ihr Ziel ist Monaco, mehr als 800 Kilometer entfernt. Ihr Fortbewegungsmittel: ein Paraglidingschirm - und die eigenen Beine. Sonst nichts.
Klingt schräg, irgendwie nach Selbsterfahrung, ist aber ein sportlicher Wettstreit namens X-Alps, initiiert - natürlich - vom Extremsport-Chefsponsor Red Bull. Alle zwei Jahre machen sich 30 Athleten aus aller Herren Länder auf den je nach Witterung gut zweiwöchigen Höllentrip.
Nur fünf kamen an
Die Regeln sind übersichtlich: fliegen, wenn man fliegen kann, ansonsten muss man laufen. Wer will und kann, gerne auch in der Nacht, mit Stirnlampe. Fliegen ist erst von sechs Uhr morgens an erlaubt. Ein Begleiter sorgt vom Auto aus für Verpflegung und für ein paar Stunden Nachtquartier.
Es herrscht freie Routenwahl, bis auf die sogenannten Turnpoints an Watzmann, Großglockner, Marmolada, Matterhorn, Mont Blanc und Mont Gros kurz vor Monaco. Tunnels dürfen nicht genutzt werden. 48 Stunden, nachdem der erste Athlet das Ziel erreicht hat, ist das Rennen zu Ende - egal, wo sich die Konkurrenz gerade befindet. Bei der letzten von mittlerweile vier Veranstaltungen schafften es nur fünf Athleten bis ans Meer.
Michael Gebert, der 28-jährige Fluglehrer aus Oberstdorf, gehörte noch nie dazu. Vor vier Jahren war er Fünfter, einen halben Tag vom Ziel entfernt; beim letzten Mal musste er nach sechs Tagen aufgeben, kurz vor Bozen: eine Entzündung im Knie.
"Überlastung, ich hab vorher zu viel gemacht", erklärt das 70-Kilo-Leichtgewicht. Das soll nicht noch einmal passieren. Von einem Sportarzt hat er sich beraten lassen, wie er besser trainieren und mehr auf seinen Puls achten kann. Im richtigen Leben organisiert Gebert neben seinem Fluglehrer-Job Flugreisen nach Brasilien, Venezuela, Portugal, Island und Norwegen.
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