Der Gesundheitsfonds erfüllt vor allem einen Zweck: die Wahrheit über die Kosten medizinischer Dienstleistung zu verheimlichen.
Geben Sie Gestaltungsfreiheit - Madame! Möchte man frei nach Friedrich Schiller der Bundeskanzlerin zurufen. Beweist sich Größe doch nicht im Beharren auf einer falschen Entscheidung, sondern in dem Mut, von einer solchen auch wieder abzurücken.
Dietrich Grönemeyer, 56, leitet das GrönemeyerInstitut für Mikrotherapie auf dem Campus der Ruhr-Universität Bochum. (© Foto: Schellnegger)
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Und wann wäre die Gelegenheit dazu gegebener als jetzt, da ohnehin alles neu verhandelt werden muss, kein Grund mehr besteht, Zugeständnisse zu bewahren, die man dem früheren Koalitionspartner glaubte schuldig zu sein. Niemand würde der neuen Bundesregierung eine solche Korrektur vorhalten oder gar nachtragen, nicht, wenn es um die Abschaffung des Gesundheitsfonds geht.
Beendigung eines Schildbürgerstreichs
Der scharfe Schnitt wäre schließlich nicht mehr als die Beendigung eines Schildbürgerstreichs. Oder wie sonst sollte man die Schaffung einer Behörde bezeichnen, an die die Krankenkassen das Geld, das sie einsammeln, abführen müssen, um es dann von ebendieser Behörde wieder zugeteilt zu bekommen, gekürzt und verspätet zumeist. Und niemand soll hier behaupten, dass sich eine solche Bürokratie, wenn sie erst einmal in Gang gesetzt ist, nicht so ohne weiteres abwickeln lässt.
Erschaffen ließ sie sich ja auch sozusagen aus dem Stand heraus, und ohne Not. Zwar stimmt es, dass eine transparentere Struktur des Krankenkassensystems angezeigt ist, doch wann wäre so etwas je durch eine Superbehörde erreicht worden. Derartiges dient doch am Ende bestenfalls ideologischer Selbstbefriedigung, der Rechtfertigung der Politik durch Betriebsamkeit.
Niemand braucht aber eine politische Klasse, die den Charakter einer eigenen Spezies anzunehmen droht und die sich offenbar schon als so speziell empfindet, dass sie sich für die Schweinegrippen-Impfung ein eigenes Serum reservieren wollte, ein anderes als das, das "den Menschen" zur Verfügung stehen sollte.
Diese "Menschen", von denen die Bundeskanzlerin so gern spricht, die sie tituliert, als handle es sich um eine eigene Art, der sie sich selbst schon gar nicht mehr zugehörig fühlt - diese "Menschen" haben zu allererst einen Anspruch darauf, als Bürger ernst genommen zu werden. Sie sind keine Objekte politischen Jonglierens. Niemand darf sie entmündigen, indem er den Eindruck fürsorglicher Betreuung erweckt, so tut, als hätte er Leistungen als Gnadenerweis zu verteilen.
Umverteilung hilft nicht mehr weiter
Bei einem erneuten Milliarden-Defizit der gesetzlichen Kassen scheint es eh müßig zu sein, die Frage nach dem Für und Wider des Gesundheitsfonds überhaupt noch zu stellen. Nicht zu reden von der Fragwürdigkeit eines Verteilungsschlüssels, bei dem am besten wegkommt, wer die meisten Kranken akquiriert.
Jede Verteidigung des Status quo grenzt da schon an Gesundbeterei; da ist mit Umverteilung nichts mehr auszurichten. Allein eine gemeinsame Anstrengung von Ärzten, Kassen und Patienten kann jetzt noch helfen. Nur wird daraus nichts werden, solange die Kontoführung im Gesundheitswesen für den Einzelnen ein Buch mit sieben Siegeln bleibt.
Dabei ließe sich das von heute auf morgen und ohne die Einrichtung neuer Behörden abstellen, wenn auch wir Ärzte uns endlich dazu verstehen könnten, jedem Patienten eine Dokumentation der ärztlichen Leistung auszuhändigen. Wie denn sonst sollen wir eine Vorstellung davon gewinnen, was uns die Gesundheit wert sein muss? Erst wenn jeder weiß, wie viel oder wie wenig wofür aufgewendet werden muss, kann ein wirkliches Kostenbewusstsein auf allen Seiten entstehen.
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67. Jahrestag der Bombardierung
Zum Punkt 1 stimme ich Ihnen bei. Der Rest müsste mit Zahlen belegt werden, weil sich die Argumentation sonst im Ungefähren bewegt.
Das allermeiste geht für die stationäre Behandlung drauf, die ja nun wirklich nicht jedem ständig passiert. Sie sollten sich zwei Dinge klarmachen:
1. Ein Krankehausaufenthalt kann mehr kosten als hunderte Versicherter in einem Jahr einzahlen.
2. Es gibt keine "jährliche Normaldosis". Im Schnitt verursacht jeder Mensch die Hälfte seiner lebenslänglichen Gesundheitskosten in seinen zwölf letzten Monaten auf Erden. Alles bis dahin ist als eine Art Ansparen.
Um aber auf Ihre Frage zu kommen: Die Krankenkassen veröffentlichen nur einen Teil ihres Kostenaufwands. Deshalb ist letztlich ungeklärt, wieviel im Verwaltungsaufwand hängen bleibt. Gleiches gilt für die meisten Krankenhäuser. Die einzigen Verwalter, die einigermaßen transparent abrechnen, sind die Kassenärztlichen Vereinigungen (die sich allerdings bei den Ärzten und nicht bei den Kassen bedienen).
Zitat "Deshalb muß man das System überwinden, sonst bleibt die profitgierige grundeinstellung erhalten. "
Sowas klingt immer gut, aber interessant würde es, wenn man erfahren könnte, wie das nachfolgende bessere System aussehen soll ?!
Theoretisch hat heute schon jedes Kassenmitglied ein Recht auf die Darlegung der an ihm erbrachten Leistungen. Die interessiert nur kaum Jemanden, weil er ja seine "Flatrate" schon bezahlt hat.
Die "soziale" Krankenversicherung sorgt doch nicht nur durch ihre Intransparenz, sondern vor allem durch ihre idealistsche "Allefür Einnen"-Aufstellung, dass der Einzelne frei wählen kann zwischen sozialem Verhalten, das die Kosten der Gemeinschaft dämpft, und persönlicher Kosten-Nutzen-Optimierung, also Schauen, dass er für seine Beiträge ein Maximum an Gegenwert herausschlägt. Viel zu Vielen ist die zweite Alternative instinktiv die Liebste.
Deshalb halte ich eine Abrechnung allein für untauglich, zu echtem "Kosten"-Bewusstsein anzuregen. Dafür bedarf es einer echten Selbstbeteiligung an dem, was da abgerechnet wird, und die darf nicht nach dem Flatrate-Prinzip funktionieren wie die jetzige Quartalsgebühr, sondern sie muss aufwandsabhängig sein.
Ob man das in Form eines gedeckelten Selbstbehalts oder einer nur teilweise Erstattung der Rechnungen durch die Kassen macht, ist wohl eine Frage der individuellen Entscheidung. Wichtig aber ist, dass es entweder keine Flatrates mehr gibt oder sie wirklich so teuer werden, dass sie sich selbst tragen, und nicht von den meist gesünderen Selbstbehaltswilligen quersubventioniert werden müssen.
Eine soziale Finanzierung für Leute, die sich nichts davon leisten können, darf ebenfalls nicht zu Flatrates führen, sondern sollte auf Tarife beschränkt bleiben, die zumindest eine minimale Selbstbeteiligung verlangen.
Zitat "Das "wirtschaftliche" gesundheitssystem will doch nicht besser sondern profitabler werden. "
Wer ist denn "das Gesundheitssystem" ?
Klar, alle Anbieter wie Ärzte, Krankenhäuser, Pharmaindustrie, Apotheker, Versicherungen, Verbände, Kassenärztliche Vereinigungen, usw.
Ist das alles ? Nein, wir Bürger und Patienten gehören doch auch dazu. Das Grundproblem ist aber, dass wir, die wir alles bezahlen sollen und müssen, so gut wie nichts zu sagen haben. Normalerweise heisst es: "Wer zahlt, schafft an". Nicht so im Gesundheitssystem. Wenn derjenige, der zahlt, auch - wenigstens etwas mehr als bisher - anschaffen würde, dann könnten WIR auch dafür sorgen, dass eben nicht allein die Interessen der Anbieter berücksichtigt werden, sondern auch unsere. Und WIR wollen eben doch, dass das Gesundheitssystem besser wird - oder nicht ? Also müssen WIR auch dafür sorgen, dass es besser wird. Die anderen, egal ob Anbieter oder Politiker machen das nämlich nicht, wie die letzten Jahrzehnte bewiesen haben !
Paging