Beliebte Kindernamen Lasse ist nur im Norden hip

Durch die wachsende Zahl der Babygalerien hat er mittlerweile 430 Quellen. Fünf Mitarbeiter helfen ihm bei der Auswertung nach einem komplizierten Schlüssel: "Ich achte darauf, dass ich in allen Bundesländern gleichermaßen suche", sagt Bielefeld, "sonst entstehen regionale Ungleichgewichte." Auch das zeigt ja seine Seite: Wie ungleich Namen über Regionen verteilt sein können. So steht etwa in Schleswig-Holstein Lasse auf Platz acht - deutschlandweit landet Lasse auf Rang 78.

25.000 Leute wollen so etwas jeden Tag wissen. So viele Besucher hat Bielefelds Webseite. Das reicht, um mit Werbung genug Geld zu verdienen, um seine Helfer zu bezahlen. "Aber nicht genug, damit wirklich etwas übrig bleibt", sagt er.

Also warum das alles? "Vielleicht hat es mit meiner Geschichte zu tun", sagt Bielefeld; wenn man Knud heiße, seien Vornamen von klein auf ein Thema. Wobei diese weniger über uns selbst aussagten, als über diejenigen, die sie ausgesucht haben: unsere Eltern. "Wahrscheinlich interessieren wir uns deshalb so dafür", sagt Bielefeld. Er aber habe, als er in den Neunzigern anfing zu suchen, im Internet kaum gute Seiten zu dem Thema gefunden. Also bastelte er etwas Eigenes.

Anfangs war es mühsam, wie eine Schatzsuche. Dann fand er die ersten Perlen. Zum Beispiel? "Einmal hieß ein Baby Shanania", sagt Bielefeld, "als ob man unter der Dusche singt". Noch mehr kann er sich aber über Namen freuen, die heute rar sind: "Wenn ein Baby Stefan heißt, das ist was Besonderes." Bielefeld erzählt mit der Leidenschaft eines Schmetterlingsfängers: Er jagt Namen, zählt und ordnet sie - fertig. In der Wissenschaft macht ihm das nicht nur Freunde.

Seine Tabelle kommt seit Jahren früher heraus als die der professionellen Namensforscher. Sie unterscheidet sich auch seit Jahren von den Listen der anderen. So waren laut Uni Leipzig 2012 Marie und Maximilian die häufigsten Namen - und nicht, wie bei Bielefeld, Mia und Ben. Bielefeld erklärt das damit, dass die Forscher im Gegensatz zu ihm nicht zwischen Erst- und Zweitnamen unterscheiden.

Kritik perlt an ihm ab: "Ich stelle Namen online, und wer nicht will, muss sie nicht lesen. Wer will, kann sie lesen." Es wollen mittlerweile ziemlich viele Menschen. Die einen suchen einen Namen für ihr Kind. Die anderen suchen ihren eigenen Namen - und den Rang, auf dem er geführt wird. Manchmal muss man wissen, wo man im Leben steht.

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