23. Januar 2013, 12:02 Schmachtwort von Lothar Matthäus "Diesmal ist es ganz ungefährlich"

Lothar Matthäus glaubt fest daran, dass bei der nächsten Frau alles anders wird. Und begeht immer wieder den gleichen Fehler. Manche Menschen sind eben einfach von Natur aus optimistisch - man könnte auch sagen: beratungsresistent.

Eine Kolumne von Violetta Simon

Es gibt Erfahrungen, die muss man nur einmal machen - schon ist man im Bilde und weiß mit absoluter Sicherheit: Das war eine dämliche, ganz und gar beknackte Idee.

Dazu gehören Dinge wie: im Hochsommer ohne Sonnenschutz mit der Luftmatratze auf einen See hinauspaddeln und dort einschlafen. Als Erster eine jungfräuliche Schlittenschanze ausprobieren. Auch nicht gerade schlau ist es, die Lieblingsweste aus Cashmere bei 60 Grad waschen. Ebensowenig wie mit einem Haufen hyperaktiver Kleinkinder seinen Jahresurlaub in einem Fünf-Sterne-Hotel zu verbringen. Aber selbst die haben bereits aus ihren Erfahrungen gelernt. Zum Beispiel wissen sie, dass es keine gute Idee ist, die Hand auf eine heiße Herdplatte zu legen.

Nur Lothar Matthäus nicht. Der scheint gar nicht genug davon zu bekommen, sich die Patscher zu verbrennen. Nach vier Ehen und einem Dutzend Beziehungen, so möchte man meinen, dürfte auch der 51-Jährige ein wenig sensibilisiert sein. Von wegen. Seine neue Freundin Anastasia, davon ist er überzeugt, ist gaaanz anders als die anderen. Auf die Frage, ob die 28-Jährige nicht ebenfalls nur durch ihn berühmt werden wolle, antwortete der Ex-Trainer diverser Fußballteams dem Magazin Closer: "Nein, diesmal ist es ganz ungefährlich und bestimmt nicht so wie in den vorherigen Fällen." Klar doch. Wenn der Loddar das sagt, muss es stimmen.

Wer verschleißt hier wen?

Der ehemalige Nationalkicker ist berüchtigt für seine Beratungsresistenz - und seinen Frauenverschleiß: In regelmäßigen Abständen taucht er mit einer neuen Trophäe auf. Man schaut kurz hin und denkt: "Ach Gott, die sieht ja aus wie die letzte und vorletzte." Egal wie oft sie ihm den Laufpass geben: Im nächsten Moment treibt er die nächste Gefährtin auf, jederzeit bereit, ihr seine Prominenz, seine Kreditkarte und seine Würde zur Verfügung zu stellen. Man fragt sich, wer hier eigentlich wen verschleißt.

Der bayerische Kabarettist Günter Grünwald hat sich selbst einmal als "Deppenmagnet" bezeichnet. Stehe er zum Beispiel bei McDonald's in der Schlange, erklärte er auf der Bühne, könner er sicher sein, dass der Mensch vor ihm sich nach langem Studieren der Karte erkundige: "Sie ham ned zufällig a Knöcherlsulz?" So ähnlich ist es bei Lothar und den Frauen. Es gibt so viele verschiedene Frauentypen: Karrierefrauen, häusliche Frauen, Sportskanonen, Kumpeltypen, damenhafte, intellektuelle, dicke, dumme, witzige. Aber an ihm bleibt fast immer der gleiche Typus hängen: anschmiegsame Osteuropäerinnen mit einem Faible für Publicity, einem geringen Wortschatz und viel Dekolleté.

Dass deren Körbchengröße in Opposition zum IQ steht, ist übrigens ein folgenschwerer Trugschluss, dem Lothar jedes Mal aufs Neue erliegt. Und wenn er endlich kapiert hat, dass ihn das vermeintliche kleine Dummchen an seiner Seite wieder nur als Sprungbrett benutzt hat, ist er wieder um eine Erfahrung reicher. Nur schlauer ist er nicht.

Lothar, bereit für den nächsten Waschgang

Wie gut, dass Lothar nun die Anastasia hat. Und dass sie so anders ist. Wie hat sie das eigentlich gemacht, die Anastasia? Hat sie beteuert: "Ich will nur deinen Körper!"? Hat sie ihm versichert, es sei seine Souveränität, seine Lässigkeit, sein Niveau, dem sie erlegen ist? Schwärmt sie von seinen schauspielerischen Fähigkeiten, die er bei seinem "Verzeih-mir-Joanna"-Video unter Beweis stellte und dessen Selbsterniedrigungsfaktor sogar noch die Jackass-Filme in den Schatten stellt? Loddar jedenfalls ficht all dies nicht an - er schwört auf die Sprache der Bilder: "Man muss sich doch nur die Fotos anschauen, um zu wissen, was zwischen uns los ist", sagte er. Ja, in der Tat - das weiß man sofort. Auf einem Foto kann die Erde ja auch eine Scheibe sein.

Wer schützt diesen Mann eigentlich vor sich selbst? Wie viele Marijanas, Lolitas, Lilianas, Ariadnes, Joannas und Anastasias muss er eigentlich noch ausprobieren, damit er kapiert: Irgendwas läuft hier schief. Damit er endlich versteht: Diese Frauen tun ihm ungefähr so gut wie eine Waschmaschine einem Cashmere-Jäckchen. Wenn sie mit ihm fertig ist und es ausspuckt, bleibt nur noch ein verfilztes Knäuel übrig.

Doch der Lothar rappelt sich wieder auf, schüttelt sich kurz und macht sich bereit für den nächsten Waschgang. Wer weiß, vielleicht wird er uns noch alle überraschen, der Loddar. Irgendwann, in fünf, zehn oder hundert Jahren, bei der übernächsten oder überüberübernächsten Frau, muss es ja mal klappen. Dann wird er seine Videokamera auf sich richten und die Botschaft in die Welt hinaussenden: "Seht ihr, ich hab's ja gesagt: Diesmal ist es ganz anders."