SZ: Mit 10,8 Prozent in der Zielgruppe, wie schon 2008.

Anzeige

Bartl: Es war kein schwaches Jahr. Klar sind wir mit dem Ergebnis des einen oder anderen Programms nicht zufrieden. Doch insgesamt haben wir als Gruppe die Marktanteile gesteigert, weil ProSieben leicht nach oben gegangen ist und Kabel1 ein hervorragendes Jahr hingelegt hat. Die übergeordnete Verantwortung für die Geschicke der Senderfamilie trage ich, aber nicht jede Detailentscheidung treffe ich unmittelbar. Mit meiner Tätigkeit, die ich nun bei Sat1 antrete, trifft dann auch das zu.

SZ: Die Konstruktion ist kurios: Sie müssten nach unten wie nach oben ständig mit sich selbst diskutieren.

Bartl: Ja, ich werde wohl mehr Zeit für mich selbst veranschlagen müssen.

SZ: Sind Sie mit den Quoten der Fußballübertragungen, also mit der Verwertung der kostspieligen Champions-League- und Europa-League-Rechte zufrieden?

Bartl: Sehr zufrieden, sowohl mit der Präsentation der Marke ran, als auch mit den Quoten.

SZ: Jährlich zahlt der Konzern circa 75 Millionen Euro, um die Spiele zu zeigen. Ist Sat1, ist die Sendergruppe mit der Last dieser Summe nicht sehr festgelegt, weil kaum Mittel für Programminvestitionen zur Verfügung stehen?

Bartl: Ich kommentiere diese Zahlen nicht. Nein, billig waren die Rechte nicht, aber sie sind es wert, und der Preis ist ein wirtschaftlich realistischer Preis. Es ist richtig, dass ein bestimmter Posten im Budget von Sat1 anfällt, aber er macht den Sender nicht handlungsunfähig.

SZ: Pocher und Kerner sind sicher auch kein billiger "bestimmter Posten".

Bartl: Sie werden sehen, wir werden 2010, nicht nur bei Sat1, eine Programmoffensive starten und stark in die Entwicklung gehen.

SZ: Aber zu Pocher und Kerner stehen Sie fest?

Bartl: Ja, das sind Top-Moderatoren. Wir arbeiten an den Formaten, wir sehen eine positive Entwicklung.

SZ: Was soll Sat1 für ein Sender werden oder sein?

Bartl: Sat1 braucht mehr starke Programm-Marken, Sat1 muss attraktiver werden, Sat1 hat ein unheimliches Potential, das wir auf die Straße bringen werden.

SZ: Können Sie die Frage auch konkret beantworten?

Bartl: Heute noch nicht. Wir haben viele Ideen, und einige sollen noch dieses Jahr realisiert werden.

SZ: Herr Bartl, Sie sind jetzt nicht nur Geschäftsführer von Sat1, Fernsehvorstand der Gruppe und Boss aller Sender, sondern auch zuständig für den Verkaufsprozess ihrer Nachrichtensparte N24, den die Deutsche Bank begleitet. N-24-Geschäftsführer Rossmann will den Kanal mit dem früheren Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust übernehmen. Wie viele Interessenten gibt es noch?

Bartl: Die Variante mit Torsten Rossmann und Stefan Aust ist interessant, beide stehen für journalistische Kompetenz, und das ist mir als Chef der German Free TV wichtig. Als Vorstand stehe ich der Sache jedoch neutral gegenüber. Wir werden alle Optionen, die sich bieten, bewerten. Unsere Sender Pro Sieben, Sat1 und Kabel1 sollen und werden weiter qualitativ hochwertige Nachrichten zeigen - unabhängig davon, wie der Prozess mit N24 ausgeht.

Der 47-jährige gebürtige Heidelberger ist seit vielen Jahren für ProSiebenSat1 tätig. Nach einem Studium der Amerikanistik, Kommunikationswissenschaften und Politologie in München fing Bartl 1990 als freier Mitarbeiter bei ProSieben an. Zehn Jahre später ging er als stellvertretender Programmdirektor und wechselte zum Schwestersender Kabel1. Dort folgten fünf erfolgreiche Jahre, ehe er 2005 als Geschäftsführer zu ProSieben zurückkam. 2008 wurde Bartl ,,Managing Director German Free TV'', also Chef von ProSieben, Sat1, Kabel1 und N24. Er gilt als begabter Fernsehmanager; unter seiner Führung entstanden einige der erfolgreichsten Formate der vergangenen Jahre, etwa Germany's next Topmodel oder Schlag den Raab.

Die Sendergruppe ProSiebenSat1 machte 2009 im ersten bis dritten Quartal 1,9 Milliarden Euro Umsatz, bei einem Konzernergebnis von 31,1 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 2,2 Milliarden Euro Umsatz und 40,9 Millionen Euro Gewinn.

Sie sind jetzt auf Seite 2 von 2

  1. "Es ist Zeit für neues Fernsehen"
  2. Sie lesen jetzt Mehr starke Programm-Marken
Leser empfehlen 

(SZ vom 14.01.2010/iko)