Politainment auf Pro Sieben: Bei der "TV total Bundestagswahl 2009" lässt Showmaster Raab die Fernsehzuschauer schon einmal abstimmen - mit deutlichen Ergebnissen.
Fast drei Stunden Liveshow, zwei Moderatoren, ein Ziel: Die "TV total Bundestagswahl 2009" auf Pro Sieben war vor allem eine Werbung für das Wählen selbst - das Konzept dafür aber erschreckend transparent.
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Werben für das Wählen: N24-Moderator Peter Limbourg und Showmaster Stefan Raab. (© Foto: dpa)
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Ein bisschen Bespaßung, dazu politische Prominenz und eine Abstimmung, an der jeder Zuschauer ab 14 Jahren teilnehmen darf - so einfach ist Verständnis von Gastgeber Stefan Raab vom Sieg über die Politikverdrossenheit.
Die Voraussetzungen für einen politischen Abend waren günstig. Die großen Parteien hatten Spitzenleute in die Showarena geschickt, um ihre Positionen darzulegen: Christian Wulff (CDU), Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und Franz Müntefering (SPD) als Vertreter der großen Koalition sowie Guido Westerwelle (FDP), Jürgen Trittin (Bündnis 90/Die Grünen), und Gregor Gysi (Die Linke) als Oppositionsvertreter. So war alles bereit für die von Raab großspurig angekündigte "Politschlacht".
Doch schon die Vorstellung der Spitzenpolitiker ließ erahnen, was noch folgen sollte: Viel Klamauk, scharfe Wortsalven und viele Publikumsreaktionen am Vorabend der Wahl. Die Leute im Publikum waren mit T-Shirts und Fahnen in Parteifarben artig aufgereiht, die Protagonisten stolzierten über die Showtreppe zu triumphaler Musik hinein (Gysi kommt zu "Go West") und dann platzierte Meister Raab die Politiker in zwei Lager. Sein von konstruierten Unterhaltungelementen überladenes Sendekonzept stellte er so vor: "Politik und Spaß, das passt gut zusammen." Zumindest da war er noch selbst davon überzeugt.
Der Gang zur digitalen Urne
"Wenn es heute gut läuft, können wir uns das morgen sparen", freute sich Raab gleich zu Beginn im Hinblick auf die reale Bundestagswahl. Vor vier Jahren sagte das Ergebnis der Hochrechung in seiner Show die große Koalition voraus und natürlich will er dieses Mal einen ähnlichen Erfolg vorweisen. Denn darum geht es letztendlich: Um Raabs Einfluss in der jungen Zielgruppe.
Seine Wahlshow war keinesfalls schlechter als viele der offiziellen politischen Debatten im Fernsehen. Sie war immerhin ein gesellschaftlicher Gegenentwurf: Bei Raab darf jeder wählen, gleich welcher Nationalität er angehört, wichtiger ist der Besitz eines Festnetzanschlusses.
Der Gang zur digitalen Urne ist auch per SMS möglich. "Bei uns dürfen Sie sogar zweimal wählen", frohlockte er angesichts der Verbindungspreise von 50 Cent pro Minute oder Kurznachricht. Der ganz normale Wahl-Wahnsinn eben. Und der Sender freut sich über die Einnahmen.
Wer allzu Politisches erwartete, hatte aber prinzipiell das falsche Programm gewählt. Zwar kam eine Debatte über die gängigen Wahlkampfthemen wie Mindestlohn, Steuern und Bildung dann doch in Gang. Aber viel Zeit blieb nicht für die komplexe Materie. Klar wurde, dass die anwesenden Politiker bei den dominierenden Themen der Jugend - freies Internet und viel Bildung - nicht viel mehr als guten Willen zeigten.
Was der Wähler neben den einminütigen Einzelstatements seiner Politiker wirklich bekam, war bunte Unterhaltung. "Herr Müntefering, Sie sind ja eine ganz schöne Quasselstrippe - aber dafür sind Sie ja auch hier", sagte Raab, der sich ganz groß Respektlosigkeit vor den hohen Herren aufs Panier geschrieben hatte. Gregor Gysi revanchierte sich, indem er das Sakko des Hauptmoderators genüsslich richtete.
Wen Stefan Raabs Zuschauer wählten, erfahren Sie auf der nächsten Seite.
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