TV-Kritik: Promi-Singles "Stopp! Ich habe eine Schnitte!"

Was gruselig anfängt, wird richtig amüsant. Désirée Nick als perfekter Promi-Single steckt beim Speeddating alle in die Tasche. Eine kleine Nachtkritik.

Von C. Matthäus

Es beginnt, wie es bei solchen Sendungen immer beginnen muss. Drei Traumfrauen werden in schneller Bildfolge vorgestellt, die so prominent und so beschäftigt sind, so begehrt und so erfolgreich, dass sie überhaupt keine Zeit haben, den Mann fürs Leben zu finden. Sie beklagen mit traurigem Augenaufschlag kurz ihre Unnahbarkeit und wünschen doch nichts mehr als den Richtigen.

Maja Prinzessin von Hohenzollern (v. l.), die Sängerin Sabrina Setlur und die Kabarettistin Desirée Nick: Die "Promi-Singles".

(Foto: Foto: dpa)

Der soll ganz normal sein und einfühlsam und tierlieb und gesunde Zähne haben und keine Katzenallergie und Stil und Humor und einer fürs gemeinsame Einschlafen und Aufwachen. Das total normale Traummann-Programm eben.

Um die Abschreckung perfekt zu machen, stehen diese Frauen allein oder mit Hund in viel zu großen, blitzsauberen Küchen oder sitzen in überladen kitschigen Salons.

Die Bissige, die Ernste und die Tiernärrin

Mit kleinen Variationen gerieren sich Désirée Nick (die Bissige), Sabrina Setlur (die Ernste) und Maja von Hohenzollern (die Tiernärrin) zunächst auch als die Sorte Prominente, die die Welt nicht braucht. Aufgebrezelt treffen sie sich zur Vorselektion ihrer männlichen Bewerber in Majas Wohnung, Küsschen hier, Küsschen da. Sie kreischen ein wenig bei kleinen Katzen und Hunden und finden die Bewerbungen der Männer nicht weniger possierlich. Manch einer wird den anderen präsentiert wie ein Freak aus dem Gruselkabinett, ein anderer ist so süß.

Wer jetzt nicht abschaltet, braucht Stehvermögen oder muss einen Text über die Sendung schreiben. Doch er wird belohnt, denn mit dem Ausruf von Désirée: "Stopp! Ich habe eine Schnitte!" wird die Sendung plötzlich zu richtig guter Unterhaltung.

Dating im Minutentakt

Nun geht es nämlich ans Speed-Dating. Je zehn Männer dürfen mit ihrer Traumfrau jeweils allein fünf Minuten reden. Auch wenn das alles etwas großkotzig in Schloss- und Design-Hotels inszeniert ist, wird Wohl und Wehe dieser ersten gemeinsamen Minuten sehr kurzweilig aufgefangen.

Maja setzt ihre Männer auf die Bewerbercouch - und wer nicht gleich ihre Hunde anfasst, ist sowieso schon durchgefallen. Manch einer macht ihr aber galant den Hof und sieht dabei gar nicht mal lächerlich aus. Bei Sabrina machen die Männer Punkte, die sie einfach mit ihren blauen Augen fixieren und vor laufender Kamera schon in fünf Minuten deutlich aus dem Konzept bringen. Irgendwie werden die Promi-Singles doch langsam sympathisch.

Großes Kino sind aber die Auftritte von Désirée Nick. Sie spielt mit ihren Männer-Bewerbern und kommentiert das Ganze mit einem Arsenal freundlicher Grimassen, die von ehrlicher Begeisterung bis zu gerade noch höflicher Verachtung reichen. Und sie trifft messerscharf. Als ein 58-jähriger Bewerber auf dem Sofa etwas anzüglich wird, fragt sie nach dem Treffen mit bewusst höher gelegter Stimme: "Zieht man sich in so einem Alter noch an wie ein Toy-Boy?"

Als sie dann auch noch einen anderen Bewerber dazu bringt, angezogen Trockenübungen in Kama-Sutra vorzuführen, ist es wie bei guten Episoden der "Versteckten Kamera" - mindestens einer bekommt nicht mit, dass gerade etwas ganz falsch läuft. Désirée und der Zuschauer sind es nicht.

Der Mann mit "Top-Favoriten-Potenzial"

Aber auch Frau Nick bleibt nicht immer Herrin der Lage. Als die "Schnitte", der 43-jährige Michael, zur Audienz gerufen wird, wird sie plötzlich ganz lieb. Sie lächelt, herzt ihn, stellt nur noch freundliche Fragen und schaut ansonsten entzückt in seine treuen Augen. Sie ruft ihn am Schluss gleich nochmal hinein und legt die Sanduhr zur Seite. Über ihren Michael, den Mann mit "Top-Favoriten-Potenzial", macht Désirée keine Scherze mehr, will nur noch gepflegt ein Glas Sekt mit ihm trinken.

Im Gegensatz zu den abgrundtiefen TV-Kuppel-Shows wie "Giulia in Love", bei denen sich alle Bewerber langsam, aber sicher zum Deppen machen, sind die drei "Promi-Singles" zumindest in der ersten Folge glaubwürdig geblieben. Sie haben ihre Bewerber (fast immer) höflich behandelt und sie haben die nötige Distanz bewahrt, die bei einem ersten Treffen geboten ist. Selbst wenn das Interesse am Gegenüber und die ersten großen Gefühle für die Kamera inszeniert gewesen sein sollten, es hatte wenigstens Stil.

Die acht Folgen "Die Promi-Singles - Traumfrau sucht Mann" sind ab 24. August immer montags um 20.15 Uhr auf Sat1 zu sehen.

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