Shia LaBeouf und Lars von Trier auf der Berlinale Ein Rüpel zu viel

Wir haben uns daran gewöhnt, dass Lars von Trier ab und zu unangenehm auffällt. Doch dass seine Aufmerksamkeitserheischungsstrategie inzwischen von jüngeren Kollegen wie Shia LaBeouf übernommen wird, ist mehr als ärgerlich.

Von Paul Katzenberger

Wir haben uns daran gewöhnt, dass Lars von Trier ab und zu unangenehm auffällt. Doch dass seine Strategie zur Erheischung von Aufmerksamkeit inzwischen von jüngeren Kollegen wie Shia LaBeouf übernommen wird, ist ärgerlich.

Dieser Eintrag im Berlinaleblog ist nicht leicht gefallen. Denn er wird genau das bewirken, was der Autor eigentlich kritisieren will: Dass es in der modernen Mediengesellschaft eine wirkungsvolle Strategie ist, durch Pöbeln und Rüpeln Aufmerksamkeit zu erzeugen. Andererseits: Nicht zu kritisieren, was kritisiert werden muss, kann auch nicht der richtige Weg sein.

Im Pöbeln ist inzwischen kaum einer so sehr ein Meister wie Lars von Trier. Der Regisseur ist seit einer Pressekonferenz vor knapp drei Jahren in Cannes beleidigt - er will sich zu seiner Arbeit nicht mehr gegenüber Journalisten äußern. Er redete damals Quatsch ("Okay, ich bin ein Nazi") - vielleicht auch, weil er durch die Journalistenmeute in die Enge getrieben worden war. Daraus Konsequenzen zu ziehen, ist sein gutes Recht, doch einige Anschlussfragen stellen sich bei dieser Berlinale schon.

Warum zum Beispiel kommt er zum Fototermin seines Berlinale-Wettbewerbsfilms, um gegen Cannes Front zu machen, indem er ein provokantes T-Shirt in die Kameras hält? Die Berlinale kann da nix dafür, bitte an der Croisette aushandeln, Herr von Trier!

Warum kommt der Mann überhaupt zum Fototermin, wenn er bei der anschließenden Pressekonferenz nicht mehr für Fragen zu seinem Film zur Verfügung steht? Wohl doch nur aus Marketinggründen, die aus seiner Sicht nachvollziehbar sind, nicht aber aus Sicht der Berlinale-Macher. Die sollten von Trier erst gar keinen Zutritt zum Pressebereich gewähren, wenn er nichts sagen will. Oder sind Festivals eine reine PR-Angelegenheit und nicht auch ein Forum zur Auseinandersetzung über Filme zwischen deren Machern und ihrem Publikum?

"Da müssen Sie Lars von Trier fragen"

Doch Lars von Trier stehen die Türen offen, auch bei deser Berlinale. Er kann machen, was er will - jeder Festivaldirektor nimmt ihn mit Kusshand, je mehr Unverschämtheiten desto besser, könnte man glauben. Der Maestro kann seine Bedingungen diktieren.

Die haben zur Folge, dass über die Filme von Lars von Trier nur noch ein sehr rudimentärer Gedankenaustausch zwischen den Beteiligten und ihren Zuschauern zustande kommt. Auf der Berlinale gestaltete sich das so: Eine kanadische Kollegin stellt Darsteller Stellan Skarsgård eine Frage zur weiblichen Sexualität, die bestimmt nicht nur ein Randthema von "Nymphomaniac" ist. Und wie antwortet Skarsgård? "Da müssen sie Lars von Trier fragen. Aber der wird Ihnen keine Antwort geben."

Wunderbar! Brauchen wir überhaupt noch eine Pressekonferenz zu diesem Film, wenn es so läuft? Wenn es nach "Nymphomaniac"-Darsteller Shia LaBeouf geht, sicher nicht. Der junge Mann empfand es bereits als Zumutung, überhaupt persönlich angesprochen zu werden. Auf die Frage, wie es war, Sexszenen mit Stacy Martin zu drehen, sagte er genau Folgendes: "Die Möwen folgen dem Fischkutter, weil sie denken, dass Sardinen ins Meer geschmissen werden." Sagte es, stand auf und stürmte aus dem Saal. Zum Gang auf den Roten Teppich hatte er sich dann bei der Premiere am Abend eine Papiertüte über den Kopf gestülpt, auf der geschrieben stand: "Ich bin nicht mehr berühmt."

Sein Verhalten scheint sich Shia LaBeouf von Lars von Trier abzuschauen. Damit haben wir im Bereich "Nymphomaniac" inzwischen einen Rüpel zu viel. Lars von Trier wird man mit seinen 57 Jahren nicht mehr ändern können, lassen wir ihn also, wie er ist - zumal seine Verdienste für's Kino unbestritten sind. Doch als Vorbild für die nächste Generation ist er untauglich.