Es gibt ja auch kein Strick-Gen: Thilo Sarrazin politisiert mit seinen Aussagen über erbliche Intelligenz wissenschaftliche Ungewissheiten. Und was ist überhaupt Intelligenz?
Wenn man in diesen Tagen vor einer Münchner Waschstraße eine recht umgangssprachliche Diskussion über Genetik und Bildungswesen verfolgen kann, dann geht es natürlich um: "Sarrazin". Um den Polemiker, der wie ein Popstar keinen Vornamen mehr braucht. Und deswegen sind solche volkstümlichen Debatten kein Bildungserfolg, sondern ein Problem. Thilo Sarrazin hat in seinem Buch "Deutschland schafft sich ab" ein rhetorisches Minenfeld betreten. Er führt die Naturwissenschaften als Zeugen für seine gesellschaftspolitischen Thesen vor.
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Die umstrittenen Aussagen Sarrazins lösen eine neue Debatte über Intelligenz und Geneinflüsse aus. Sarrazin begründet seine Thesen mit genetischer Grundlagenforschung aus dem 19. Jahrhundert. Dass Psychologen sich bis heute schwertun, Intelligenz zu definieren, stört ihn nicht. (© dpa)
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Der liberale Ekelreflex, der sich da einstellt, wurzelt sicherlich im frühen 20. Jahrhundert, als die Eugenik die Grundlagen für Rassenlehren begründete. Doch die biologischen Erklärungen für Intelligenz beschränken sich nicht nur auf die Herrenrassen-Ideologie der Nazis. Vom akademischen Rassismus in der "Belle Curve"-Theorie der Harvard-Wissenschaftler Charles Murray und Herrnstein bis zum philosemitischen Biologismus des Anthropologen Gregory Cochran haben die Debatten doch immer wieder dahin geführt, dass die Naturwissenschaft nicht ausreicht, um Mensch und Gesellschaft zu erfassen.
Das Perfide an Sarrazins Argumentation: Viele Details sind korrekt, nur das Gesamtbild stimmt nicht. Das Problem beginnt bereits damit, dass Psychologen sich bis heute schwer damit tun, Intelligenz überhaupt zu definieren. Eine Minderheit von Forschern zweifelt deshalb sogar am Sinn eines einheitlichen IQs. Der Harvard-Psychologe Howard Gardner schlug vor, mindestens sieben Intelligenzarten zu unterscheiden, darunter auch musikalische, körperlich-kinästhetische oder emotionale Intelligenz. Seine Hypothese fand viel Zuspruch in der Öffentlichkeit, auch deshalb, weil sich nun jede gesellige Runde für ihre schlechten Mathematik-Noten entschuldigen konnte: Man verfüge ja immerhin über soziale Kompetenz. Gardners Konzept wurde jedoch nie empirisch geprüft; zudem bezweifeln die meisten Fachkollegen, ob man Fähigkeiten wie Kompetenz beim Umgang mit anderen Menschen als kognitive Leistung werten sollte.
Viele Psychologen flüchten sich deshalb achselzuckend in eine Scheindefinition. Sie sagen: "Intelligenz ist, was Intelligenztests messen." Das klingt absurder, als es ist, denn der IQ-Wert prognostiziert nämlich tatsächlich relativ zuverlässig schulischen und beruflichen Erfolg. Der Persönlichkeitspsychologe Jens Asendorpf von der Berliner Humboldt-Universtität geht deshalb einen Schritt weiter und definiert in seinem führenden Lehrbuch: "Intelligenz ist, was Intelligenztests messen, die so konstruiert wurden, dass sie das Bildungsniveau möglich gut vorhersagen." Oder kurz: "Intelligenz ist die Fähigkeit zu hoher Bildung." Und da Abitur und gute Uni-Abschlüsse letztlich auch zu Sozialprestige und hohen beruflichen Status führen, verwundert es nicht, dass auch der Streit um die Herkunft von Intelligenz-Unterschieden immer wieder unerbittlich geführt wird.
Einig ist man sich heute in der Wissenschaft zumindest, dass Intelligenzunterschiede sowohl durch Vererbung als auch durch die Umwelt zu erklären sind. In einem vor kurzem erschienenen Überblicksartikel eines Psychologenteams um Ian Deary von der University of Edinburgh wird der Einfluss der Gene auf die Intelligenz in der Tat auf 30 bis 80 Prozent geschätzt - relativ niedrig sei er in der Kindheit, während er beim Erwachsenen auf 70 bis 80 Prozent ansteigt. Die entscheidende Frage ist allerdings: Was bedeutet diese Aussage?
Lesen Sie weiter auf Seite 2, welche Umweltfaktoren und welche genetischen Faktoren eine Rolle spielen.
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Aus der FAZ: Zwei Entwicklungspsychologen haben Sarrazins Buch auf Herz und Nieren geprügt. Hier ein kurzes Fazit:
"Sarrazins Thesen sind, was die psychologischen Aspekte betrifft, im Großen und Ganzen mit dem Kenntnisstand der modernen psychologischen Forschung vereinbar. Hier und da ließe sich sicher eine abweichende Gewichtung vornehmen. Massive Fehlinterpretationen haben wir aber nicht gefunden. Sarrazin macht auch Vorschläge zur Förderung von Kindern aus bildungsfernen Elternhäusern. Seine diesbezüglichen Anregungen sind vernünftig und unterscheiden sich wenig von denen, die in der aktuellen bildungspolitischen Diskussion auch von anderen geäußert werden (z. B. mehr Krippen; mehr und bessere Kindergärten; intensivierte Sprachförderung; Ganztagsschulen)."
Ich denke das sollte reichen um klar zu machen, dass sich eine ganze Reihe Leute bei T.S. entschuldigen müssten.
Dass Thilo Sarrazin Mitglied der deutschen Elite ist, beweisen seine diversen Funktionen, die ihm für seine bisher geleistete herausragenden Leistungen zugebilligten Apangen in wohl mehrfacher Millionenhöhe und sein Zugehörigkeit zur Noske-Fraktion der SPD.
Wer sich diese Elite, also all die in Deutschland heute herummarodierenden und brandschatzenden Söldnertruppen der Leistungsträger, Alphatiere, Führungs-, Lenkungs- und Leitungskräfte ganz genau analysiert und deren "reale" Leistungsergebnisse mit der Akrebie eines hamburgischen Kaufmanns bilanziert, der kommt an einer Einsicht gar nicht mehr vorbei. "Tilo Sarrazzin hat RECHT!".
Allerdings in einer ganz anderen Weise. Deutschland schafft sich tatsächlich selbst ab. Aber das ist nicht dass Verdienst der sich in Deutschland nicht oder nicht mehr selbst disziplinierenden und organisierenden bildungsfernen Schichten (früher Unter@menschen genannt).
Nein, dieses Verdients gebührt der heutigen deutschen Elite, die sich in einer Art und Weise inszeniert, wie wir das von den überragenden Eliten des wilhelminischen Militärfeudalstaates, des rassistisch-herrenmenschlichen 3. Reiches und des stalinistischen Kaderfunktionärsregimes der SED kennen.
Die friesische Weisheit, dass der Fisch stets am Kopf zuerst zu stinken beginnt, sollte eigentlich auch den heutigen massenmedialen Journaillenschreibern bekannt sein. Die Anwendung dieser Grundwahrheit zur Analyse unserer desolaten Gesellschaftszustände sollte unseren Damen und Herren Journalisten empfohlen sein, damit es endlich ein Ende hat mit der bisherigen obrigkeitshörigen Hofberichterstattung im Stile des Neuen Deutschland zu Zeiten der DDR-Diktatur.
Ansonsten schafft die heutige deutsche Elite Deutschland wirklich noch selbst ab und wir schauen nur traurig dabei zu, statt uns darüber zu entrüsten und dagegen Widerstand zu leisten.
Kleiner Nachtrag. Der relevante Satz lautet natürlich
"Sie sind falsch, weil sich die Menschheit (oder gar ein Volk) N I C H T in zwei Arten aufteilt, von denen die einen immer Intelligenter "übermenschlicher" werden und die andere immer dümmer "affenähnlicher". "
@am19, 15:55
Mit unbekannten Beispielen läßt sich schwer diskutieren. Aber gerade die bedeutenden Menschen zeigen, daß die Elite fluktuiert und sich ihre Zugehörigkeit nicht vererbt. Unbekannte Beispiele sind allerdings die Kinder, Eltern und Ahnen der bekannten Persönlichkeiten.
Wer wie Sarrazin oder der Bericht von einer prozentualen Vererbung spricht, der sollte wenigstens mitteilen, ob er eine reale (biologische) Vererbung meint - oder dieses Wort im übertragenen Sinne meint (psychologisch).
Sarrazins Thesen sind dumm und falsch. Sie sind falsch, weil sich die Menschheit (oder gar ein Volk) in zwei Arten aufteilt, von denen die einen immer Intelligenter "übermenschlicher" werden und die andere immer dümmer "affenähnlicher". Und dumm sind sie, weil T.S. genau diese Falschheit als Slogan seines Buches gewählt hat und in Interviews vertritt.
ist ein biologisches Mängelwesen (A. Gehlen) und das nicht festgestellte Tier (F. Nietzsche), so dass er z.B. auch sozialisiert werden muss. Genetische Prädispositionen nützen gar nichts bei einer fehlgeschlagenen Sozialisation. Ferner kann Intelligenz richtig und falsch genutzt werden (das perfekte Verbrechen u.a.).
Sarrazin Buchs und sein Massenerfolg sind typisch für eine gespaltene, entsolidarisierte Gesellschaft, ebenso die Emotionalität in der Debatte. Massenarbeitslosigkeit und ihre vielen schlimmen Folgen sind die mit weitem Abstand größte Quelle der Desintegration. Soll davon abgelenkt werden?
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