Reise-Film "München in Indien" im Kino Maler der Maharadschas

Walter Steffen hat den Enkel des Künstlers Fritz-München, Konstantin Fritz, nach Indien auf den Spuren des Großvaters begleitet.

(Foto: Walter Steffen/oh)

Fernweh und Sinnsuche, lange bevor das Mode war: Der Porträtmaler Hannes Fritz reiste in den zwanziger Jahren durch die Welt, um schließlich in Indien sein Traumland zu finden. Dort wurde er zum gefragten Porträtisten der Maharadschas. Die Dokumentation "München in Indien" begleitet den Enkel des Künstlers auf dessen Spuren nach Indien.

Von David Steinitz

Eine Chronik des Fernwehs und der Sinnsuche, Jahrzehnte bevor Jugendkultur und Esoterik diese Sehnsüchte zu Lebensgefühlen erklärten. Der Münchner Porträtmaler Hannes Fritz, der unter dem Künstlernamen Fritz-München firmierte, wurde in der Pfalz geboren, arbeitete als Bankier in Heidelberg und gab schließlich Mitte der zwanziger Jahre das sichere Leben zugunsten eines Kunststudiums in München auf, reiste von Europa bis nach Feuerland, um schließlich in Indien sein Traumland zu finden.

Doch wer die zwanziger Jahre im wilden München verbracht hat, in den brodelnden Kneipen, den Kunstzirkeln, dem Fasching und den Schwabinger Künstlerbällen, den kann nichts Exotisches mehr schockieren. So wurde Fritz-München, der entgegen jeder Mode seiner Zeit weiterhin naturalistisch arbeitete, in Indien zu einem gefragten Porträtisten der Maharadschas mit ihren bunten Kleidern, in ihren prächtigen Palästen und riesigen Gartenanlagen.

Eine Geschichte des Verfalls

Für seinen Film "München in Indien" hat Walter Steffen den Enkel des Künstlers, Konstantin Fritz, nach Indien begleitet auf den Spuren des Großvaters. Es ist eine Geschichte des Verfalls, viel ist von der alten Schönheit nicht übrig geblieben, die Prachtanlagen vermodert, verwachsen, zerbröckelt. Sehr viel aufregender sind ohnehin die Aufzeichnungen und Dokumente des alten Fritz: Briefe, Gemälde, Fotografien - und vor allem seine 16mm-Aufnahmen, vom Münchner Viktualienmarkt bis zum indischen Prunkpalast. Einmal gelang ihm sogar ein Treffen mit Mahatma Gandhi, den er beim Spaziergang filmen durfte.

Fritz-München ist bis 1937 noch fünfmal nach Indien gereist - jedes Mal kontrastieren die Bilder heftiger, die ferne exotische Pracht mit den Aufzeichnungen der Fackelmärsche in Deutschland. Bald untersagten die englischen Kolonialherren den Maharadschas, Deutsche zu beschäftigen. Um wenigstens daheim arbeiten zu können, trat er in die NSDAP ein. Nachdem er sich negativ über die Partei geäußert hatte, wurde er 1943 als Hilfskraft an die Ostfront geschickt.

Auch in der Nachkriegsarmut musste er Exotik gegen Pragmatismus eintauschen und porträtierte in seiner pfälzischen Heimat Winzer, um die Familie ernähren zu können. Bis zu seinem Tod 1981 ist Fritz-München nie wieder nach Indien zurückgekehrt. Seine Schwarz-weiß-Bilder vom fernen Asien aber leuchten farbiger und prächtiger, als es jede Digitalkamera heute einzufangen vermag.

München in Indien, D 2012 - Regie, Buch: Walter Steffen. Kamera: Christoph Ißmayer. Mit: Hannes Fritz-München, Konstantin Fritz. Konzept+Dialog, 90 Minuten.