Popsängerin Taylor Swift Wunderkind von nebenan

Country-Sängerin Taylor Swift ist eine der erfolgreichsten Künstlerinnen Amerikas. In Europa ist der Erfolg der 22-Jährigen mit ihren eher braven Hits noch überschaubar. Aber nach den MTV Europe Music Awards könnte sich das ändern.

Von Jens-Christian Rabe

Taylor Swift, eine amerikanische Popsängering, schreibt alle Texte zu ihren Songs selbst. Dies ist auch ihr Schlüssel zum Erfolg.

(Foto: Getty Images)

Echte Popstars sind weltberühmt, sonst wären sie keine Popstars. Sie werden zwar in einzelnen Ländern bekannt, bislang also noch immer meist zuerst in England oder den USA, aber dann doch meist auch schnell auf der ganzen Welt. Es gilt die Faustregel: Je erfolgreicher sie in ihren Heimatländern sind, desto schneller setzen sie sich auch international durch. Populäre, also auf den Massengeschmack gerichtete, englischsprachige Musik arbeitet schließlich an der maximalen Universalisierbarkeit ihrer Botschaften, Stimmungen und Tonspuren. Und auch wenn kein einzelner Musiker oder Produzent die Zauberformel dazu ewig in der Hand hat, irgend einem fällt sie doch immer wieder zu. Und dann ist er ein Weltstar oder er hat die Macht, jemand anderen zum Star auf wenigstens der halben Welt zu machen.

Gewinnerin der meisten Preise bei den MTV EMAs

Interessanter sind allerdings die Superstars, denen es wundersamerweise nicht gelingt, bestimmte Grenzen zu überschreiten, die für sie eigentlich keine sein sollten. Der britische Sänger und Entertainer Robbie Williams ist so ein Superstar - in Amerika wird dem großen Ironiker der Stadionunterhaltung der ganz große Erfolg wohl ewig erspart bleiben. Ob es der 1989 in Reading, Pennsylvania geborenen amerikanischen Sängerin Taylor Swift in Europa auch so gehen wird, ist natürlich noch nicht ausgemacht.

Am Sonntag hat sie in Frankfurt immerhin schon drei und damit die meisten Preise der diesjährigen European Music Awards des Musiksenders MTV bekommen. Kein Thema waren da erstaunlicherweise die eigentlich regierenden First Ladys der zeitgenössischen internationalen Popmusik von Lady Gaga und Pink bis Beyoncé, Katy Perry, Rihanna und Madonna. Der Ruhm Swifts außerhalb Amerikas ist nämlich bislang noch überschaubar. In England ist ihr Ende Oktober erschienenes viertes Album "Red" ihr erstes Nummer-Eins-Album. In Deutschland ist sie mit "Red" zum ersten Mal in den Album-Top-Ten. Eine Nummer-Eins-Single hatte sie in beiden Ländern noch nicht.

Von Liebeskummer und sonstigem Leid

Die Washington Post gab ihr den schönen Titel "Poet Laureate of Puberty" - Lorbeergekrönte Dichterin der Pubertät. "Lorbeergekrönt" werden sonst nur noch die königlichen Hofdichter in England. Der amerikanische Erfolg der jungen Sängerin ohne Allüren ist mittlerweile so gigantisch, dass auch der Rest der Welt nicht mehr allzu lange widerstehen dürfte: 2011 war sie laut dem Branchenmagazin Billboard mit Einnahmen von über 35 Millionen Dollar die bestverdienende Popkünstlerin der Welt. Auch sechs Grammys, die wichtigsten Pop-Preise, hat die Tochter eines Managers der Investmentbank Merrill Lynch bereits gewonnen. Als Wunderkind von nebenan galt sie schon, als sie in Nashville mit 14 von Sony als Country-Songwriterin unter Vertrag genommen wurde. Bis heute schreibt sie ihre nicht uncharmanten, aber musikalisch doch sehr braven Hits, in denen es meist um Liebeskummer und sonstiges frühes Leid geht, tatsächlich selbst.