Pop Neues Rihanna-Album: Die Königin kann alles

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(Foto: afp)

"Anti" ist da, es ist kostenlos und ziemlich fad. Egal: Rihanna setzt sich die Krone des Pop einfach selbst auf.

Von Julian Dörr

"Anti" ist da. Endlich. Rihanna hat tatsächlich ihr neues Album veröffentlicht. Das ist großartig, vor allem weil es bedeutet, dass diese dämliche pseudo-virale Hashtag-Schnitzeljagd vorbei ist, die irgendjemand für eine gute Marketing-Kampagne gehalten hat. Ein neues Rihanna-Album bedeutet aber auch: neue Melodien für Millionen. Für diese Musikvideokanäle in Fast-Food-Ketten, für jeden Radiosender von Altötting bis Neu-Delhi, für Töchter, Mütter, Väter, Söhne.

"Anti" ist das erste Album seit "Unapologetic" von 2012 - die längste Pause ihrer Karriere. Kurz vor Weihnachten sah es schon einmal danach aus, als würde "Anti" erscheinen. Doch die große Social-Media-Werbemaschine von Rihanna und Samsung lief einfach weiter, mit Instagram-Street-Art und merkwürdigen Videoschnipseln, die an die Schlussszene von "2001: A Space Odyssey" erinnerten. Gestern war dann plötzlich eine neue Single da - und für kurze Zeit auch das ganze Album. Als Reaktion auf den Leak - Absicht oder nicht, wer weiß das schon - gibt es das Album nun sogar zum kostenlosen Download, bei Jay-Zs Streamingdienst Tidal, wo es eine Woche lang auch exklusiv zu hören sein wird.

Krude Veröffentlichungspolitik hin oder her. Jetzt ist "Anti" also in der Welt. Und man muss feststellen: Wie gut es tatsächlich ist, ist eigentlich ziemlich egal. Rihanna setzt sich die goldene Krone des Pop einfach selbst auf.

1988 wurde Robyn Rihanna Fenty auf der Karibikinsel Barbados geboren. Heute, eine Entdeckung durch Jay-Z, acht Grammys und acht Studioalben später, hat sie mehr als 200 Millionen Platten verkauft - was sie zu einer der erfolgreichsten Künstlerinnen aller Zeiten macht. Drei Singles hat Rihanna im vergangenen Jahr veröffentlicht: "American Oxygen", "Bitch Better Have My Money" und "FourFiveSeconds", die Kollaboration mit Paul McCartney und Kanye West. Allesamt wunderbare Pop-Songs. Und was macht die Königin? Packt sie gar nicht erst auf das Album drauf. Das muss man sich erst einmal trauen: Einfach mal Paul McCartney und Kanye West weglassen, der eine der größte Popstar des 20. Jahrhunderts, der andere der größte Popstar des 21. Jahrhunderts.

Auf "Anti" finden sich nur zwei Kollaborateure. Einer davon ist Drake, der ja auch ganz oben mitspielt. Aber selbst er ist auf "Anti" irgendwie egal. Seine Audienz bei der Königin, die Single "Work", ist netter Dancehall-Pop - nett, aber langweilig. Im Vorfeld war von Kanye West als Produzent die Rede, von Rapper und Rihanna-Boyfriend Travis Scott als Song-Partner. Die selbstgekrönte Königin braucht - abgesehen von ihren Co-Songwritern - niemanden mehr. Sie kann das alles alleine. Und alles bedeutet wirklich alles.

Rihanna zieht sich mit "Anti" von der Tanzfläche zurück und fächert ihren Stil auf, der vielfältiger nicht sein könnte. "James Joint" erinnert an die jazzigen Produktionen von Thundercat, "Kiss It Better" wickelt sich um eines dieser phallischen Anfang-Neunziger-Gitarrensolos - man denke an Bon Jovis Richie Sambora auf einem verschneiten Berggipfel. "Woo" stolpert durch zerschossene und verzerrte Sounds - so wie es Hiphop nach Kanye Wests "Yeezus" eben tut. "Love On The Brain" ist astreiner Soul. Schon toll, aber das haben andere auch schon spannender hinbekommen.

Rihannas neues Musikvideo "Bitch Better Have My Money"

Wie weit Rihannas Königreich heute wirklich reicht, zeigt ihre Coverversion von Tame Impalas "Same Ol' Mistakes" - psychedelischer Weirdo-Pop vom australischen Multiinstrumentalisten Kevin Parker. Das ist eine schöne Idee und klingt ganz herrlich - so wie aber auch schon das Original. "I know it's hard to digest, but maybe this story ain't so different from the rest", singt Rihanna in der Bridge. Wie wahr. Ja, die Königin kann alles. Was sie anfasst, wird gold-glitzernder Pop. Dass "Anti" als Album trotzdem fad bleibt, ist klar: Eine Welt nur aus Gold ist eben total langweilig.