Neuer Asterix-Band "Asterix in Italien" wirkt schon jetzt wie ein Klassiker

"Asterix in Italien" ist eine Verbeugung vor den Ideen der genialen Erfinder Uderzo und des früh verstorbenen René Goscinny.

(Foto: dpa)

Der neue Band der berühmten Comic-Reihe führt Asterix und Obelix auf einer Rallye durch ganz Italien. Und kommentiert nebenbei Dieselaffäre und europäische Separatisten-Bestrebungen.

Von Martina Knoben

Das Maggi der Römer spielt eine entscheidende Rolle im neuen "Asterix". "Garum Lupus - die Würze der Sieger" wirbt die Firma mit dem schwarzen Wolfskopf für ihre herzhafte, imperiale Fischsoße und sponsert auch die Rallye, um die es im neuen, dem nunmehr 37. Band der Reihe geht.

Da tritt der gallische Hahn, der den Boliden von Asterix und Obelix als Kühlerfigur ziert, gegen den römischen Adler, aber auch den russischen Bären, einen Totenkopf der Goten und einen auffallend müde blickenden britischen Löwen an. Cäsar hatte den Wettstreit der Völker persönlich in Auftrag gegeben: Das Image der Straßen in seinem Reich wurde durch zahllose Schlaglöcher schwer beschädigt und soll nun aufpoliert werden. Zudem wirkt die behauptete Einheit der Völker auf der italienischen Halbinsel reparaturbedürftig.

Dass das Rennen durch Italien führen würde, von Monza nach Neapel, hatten die Verlage, die an diesem Donnerstag den Band in einer weltweiten Startauflage von fünf Millionen Exemplaren auf den Markt werfen, schon vor dem Verkaufsstart enthüllt. Wie ein Geschenk an den inzwischen 90-jährigen Miterfinder der Reihe, Albert Uderzo, wirkt dieser rote Faden. Schließlich ist Uderzo Sohn italienischer Einwanderer, außerdem Autonarr und Ferrari-Sammler.

Mit den bekannten Nationenklischees liebevoll orchestriert

Die Verantwortung für "Asterix" hatte Uderzo schon 2013 an den Szenaristen Jean-Yves Ferri und den Zeichner Didier Conrad abgegeben, die mit "Asterix in Italien" nun ihren dritten Band vorlegen. Darin geht es naturgemäß rasant zu - wobei die Geschwindigkeit, die dieses Album kennzeichnet, keine der Datenautobahn ist wie im Vorgängerband "Der Papyrus des Cäsar". In "Asterix in Italien" (aus dem Französischen von Klaus Jöken, Verlag Egmont Ehapa, Berlin 2017. 48 Seiten, 6,90 Euro) rollen die Räder, galoppieren die Pferde und jagen die Wagen über gepflasterte Römerstraßen wieder rein analog. Conrad hat das souverän gezeichnet, im Stil Uderzos, nur noch ein wenig dynamischer! Da spürt man den Einfluss auch des Kinos, das seine Actionfilme ebenfalls immer schneller schneidet.

Dass dem Comic bei so viel Tempo nicht die Luft ausgeht, liegt am Rhythmusgefühl des Zeichners, der immer wieder gekonnt Zäsuren setzt: etwa wenn auf der Via Appia den Rennpiloten ein gemütlich dahinrollendes älteres Ehepaar entgegenkommt, das sich prompt über den üblen Wochenendverkehr beschwert. Grandios auch das Panel, in dem Obelix mit dem gallischen Wagen eine Vollbremsung hinlegt, woraufhin eine "Karrenbolage" aller Rennwagen entsteht.

Die einzelnen Gefährte und ihre Lenker sind mit den bekannten Nationenklischees liebevoll orchestriert. So marschieren sogar die gotischen Pferde im Gleichschritt und schlürfen die britischen Wagenlenker ihr gewohntes Fünf-Uhr-heißes-Wasser (diesmal mit Garum). Die Piraten gehen wie immer baden, in einer originellen Variation des Themas. Und es versteht sich von selbst, dass Obelix sein Carpaccio nicht hautzart geschnitten, sondern buchstäblich en bloc verzehrt.

So wird diese "Transitalique", wie der Band im Original heißt, in jeder Hinsicht zur Verbeugung vor den Ideen der genialen "Asterix"-Erfinder Uderzo und des früh verstorbenen René Goscinny, die Conrad und Ferri in deren Sinne fortführen. "Asterix in Italien" wirkt schon jetzt wie ein Klassiker. Der frische Wind, den das neue Autorenduo im "Papyrus des Cäsar" in die Saga gebracht hatte, wo es vor Nachrichtentauben und anderen Anspielungen auf die digitale Welt nur so wimmelte, wurde zum Lüftchen gedimmt. Dass Obelix beim Wagenrennen die Zügel in der Hand hält und so angeblich zum ersten Mal die Hauptrolle spielt - geschenkt. Dieselaffäre und Feinstaubalarm spielen in diesem hochtourigen Abenteuer jedenfalls nur am Rande eine Rolle. Ein germanisches Team trickst, immerhin. Und auch die Römer spielen mit gezinkten Karten.

Der Fahrer des römischen Rennwagens ist der große Unbekannte des neuen Comics, über dessen Identität von den Fans schon heftig spekuliert wurde. Klar war nur: Er ist ein Großmaul. Eine goldene Maske mit Augenschlitzen und riesigem Lachschlitz darunter lassen ihn wie einen breit grinsenden Smiley aussehen. Es hat schon charismatischere, interessantere Gegenspieler der gallischen Helden gegeben. Dass diesem Grinse-Gegner nicht zu trauen ist, legt schon sein Name nahe. Coronavirus - so heißt der Widersacher der Gallier im französischen Original - ist ein "beliebter" Erkältungerreger. In der - wieder einmal gelungenen - deutschen Übersetzung von Klaus Jöken wurde Caligarius daraus. Das lässt nicht nur an den berüchtigten römischen Kaiser Caligula denken, sondern auch an den früheren deutschen Ferrari-Piloten Michael Schumacher (Caligarius heißt auf Lateinisch Schuhmacher). Die französische Rennfahrerikone Alain Prost, die sich tatsächlich unter der Maske verbirgt, ist eine dann harmlose Auflösung.

Auch die aktuellen Separatisten-Bestrebungen in Europa klingen im Comic eher dezent an, wenn das eine oder andere Volk auf dem "Stiefel" lieber die Gallier unterstützt als den römischen Wagenlenker. Wie schon im Asterix-Band "Tour de France" (1963), in dem eine Verfolgungsjagd durch Frankreich führte, geht es am Ende vor allem um die Sammlung regionaltypischer Spezialitäten. Dass in dieser Sammlung die Mona Lisa mehr oder weniger gleichberechtigt neben Pizza und Spaghetti steht - das ist eben "Asterix".

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