US-Künstler Richard Prince Instagram-Bilder für 90 000 Dollar

Für seine Serie "New Portraits" bediente sich Richard Prince auf Instagram. Ist es in Ordnung, dass der Künstler für fremde Fotos Unsummen aufruft?

Von Catrin Lorch

Das Mädchen trägt kurze Shorts und posiert mit breit geöffneten Schenkeln auf dem Sattel ihres Motorrads. "Ich kann mich so gut daran erinnern", schreibt Richard Prince unter das Bild, das allerdings kein Souvenir aus seinem Album ist. Der Künstler hat es auf Instagram gefunden, wie auch den Schnappschuss einer Pummeligen im engen Badeanzug, unter das er: "Süß. Lass uns nächste Woche zusammen kommen", geschrieben hat.

Man kann das als literarisches Surplus zu einem zeittypischen Ready-Made verstehen - aber die knappen Formulierungen klingen vor allem wie Gedankenblasen, mit denen sich ältere Männer in solche Szenen hineinträumen.

Die knappen Reverien wirbeln derzeit die Kunstszene gewaltig auf. Aber nicht wegen ihres offensichtlichen Voyeurismus'. Richard Prince, einer der größten Sammler von Erstausgaben des "Lolita"-Autor Vladimir Nabokov, ist in den vergangenen Jahren schon oft für seinen Sexismus kritisiert worden. Diesmal allerdings vergreift er sich tatsächlich an Aufnahmen, die von vielen als "privat" empfunden werden.

Er hat sie auf Instagram gefunden, abfotografiert, gesammelt, kommentiert - um sie in seinem Studio als Inkjet-Druck auf eine Leinwandgröße von knapp zwei Metern Höhe zu bringen und auszustellen. Komplett mit dem Namen desjenigen, der sie hochgeladen hat, und den Kommentaren. Wobei es die Öffentlichkeit weniger entsetzt, dass Richard Prince das eigentümliche Verhältnis zwischen privat und öffentlich - wie es auf Instagram gepflegt wird - aus der Balance bringt, indem er einen Seitenpfad über Galerien und Museen öffnet, sondern dass er daran verdient.

Der Künstler hatte schon härtere Gegner in Sachen Urheberrecht

Dass die Motive von der Gagosian- Gallery - die sie im vergangenen Herbst erstmals als "New Portraits" in der New Yorker Filiale an der Madison Avenue präsentierte - mit einem 90 000 Dollar-Preisschild versehen wurden, erregt die Kritiker vor allem. Was rechtfertigt den Preis der farblich und im Schärfegrad leicht vermanschten Motive (Richard Prince fotografiert sie schlicht mit seinem i-Phone ab und lässt sie im Studio vergrößern)?

Seit Larry Gagosian der Serie jedenfalls auf der Frieze Art Fair in New York komplett seinen Stand frei räumte, ist die Szene in Aufruhr. Nicht nur, weil außer einem Motiv, das ein schwules Paar zeigte, alle sofort ausverkauft waren, sondern auch weil eine Abgebildete dem Künstler antwortete, via Instagram: "Ja, es ist ein Screenshot (kein Gemälde) meines originalen Posts. Nein, ich habe meine Erlaubnis nicht gegeben und ja, der kontroverse Künstler Richard Prince hat es trotzdem ausgestellt."