Kunst gegen ÜberwachungGeheimdienst-Chefs ganz privat - und plötzlich öffentlich

Ein Selfie mit dem amerikanischen Topspion hängt auf einmal in Berlin. Der Künstler Paolo Cirio sammelt private Fotos von US-Geheimdienstlern und stellt sie an öffentlichen Plätzen aus.

Von Hannah Beitzer, Berlin

Selfies, Hochzeitsfotos, Schnappschüsse: Der Künstler Paolo Cirio stellt in seiner Aktion "Overexposed" private Fotos von US-Geheimdienstlern, die er im Internet gesammelt hat, in Großformat an öffentlichen Plätzen aus. Damit will er gegen die Massenüberwachung von Diensten wie der amerikanischen NSA protestierten, die durch den Whistleblower Edward Snowden bekannt wurde.

Cirio hat sich zum Beispiel am Facebook-Account von Caitlin Hayden bedient, ehemalige Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates der USA. Hayden hatte diesen Posten inne, als unter anderem Spionageangriffe auf deutsche Politiker bekannt wurden. Ihr Facebook-Profilfoto zeigt sie bei ihrer Hochzeit, lachend und mit Schleier vor dem Gesicht. Ein privater Moment, den Cirio nun in die Öffentlichkeit zieht. Er sprayt Bilder wie diese mit Hilfe einer Schablone auf Poster, die er an öffentlichen Plätzen in New York, London und Berlin anbringt. Seine Botschaft: Überwachst Du mich, überwache ich dich. Wie die Geheimdienste durchforscht er das Internet nach privaten Bildern ihrer Vertreter. "Das ist eine Form von Protest, natürlich auch eine Form, sie bloßzustellen", sagt er.

Bild: Courtesy of Paolo Cirio 23. Mai 2015, 11:062015-05-23 11:06:16 © Süddeutsche.de