Kritiken zu "Der Hobbit" Gerade mal okay, aber genial

Magisch und meisterhaft oder platschfüßig und nervtötend? Die Kritiker sind sich bei dem Film "Der Hobbit - eine unerwartete Reise" uneins.

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Also was nun? Neuseelands Kritiker sind von Peter Jacksons "Der Hobbit" begeistert, in den USA hingegen wird der Film verrissen. Die Spanne reicht von "nervtötend" bis zu "spektakulär".

Es hätte eine so schöne Woche werden können für Warner Brothers. Der mit Spannung erwartete Hobbit-Film beigeisterte in Neuseeland, dem Dreh- und Heimatland des Regisseurs Sir Peter Jackson, die Kritiker. Ein Meisterwerk, waren sich die Experten sicher. Laut äußern durften sie ihre Lobeshymnen aber nicht. Der Grund: Die Marketing-Experten der Filmgesellschaft verpassten ihnen einen Maulkorb, bis auch die Kritiker in den USA den Film gesehen und ihr Urteil abgegeben haben - was sich im Nachhinein nicht gerade als kluger Schachzug herausstellt.

Denn die amerikanischen Filmkritiker können die Begeisterung ihrer neuseeländischen Kollegen nach der Premiere von "Der Hobbit - eine unerwartete Reise" nicht so recht teilen. "Der Film hat zwar etwas von dem, was 'Herr der Ringe' so unwiderstehlich gemacht hat - die bunten Charaktere auf einer epischen Reise in der atemberaubenden neuseeländischen Landschaft", schreibt Peter deBruge in der Zeitschrift Variety. "Aber er hat nicht annähernd genug Neuigkeitswert, um eine Trilogie zu rechtfertigen, zumindest nicht, wenn man nach dem überlangen ersten Teil urteilt."

Einen langatmigen Beginn bemäkelt auch Todd McCarthy vom Hollywood Reporter: "Vieles ist platschfüßig und nervtötend." Jordan Hoffmann vom Screen Crush ist auch nicht besonders angetan. "Wer einen großartigen Film erwartet, wird natürlich enttäuscht", schreibt der Kritiker. "Trotz der vielen Mätzchen ist der Film gerade mal okay."

Bei den Neuseeländern hingegen lautet das Urteil: magisch, majestätisch, mystisch, meisterhaft. Darren Bevan, der Filmkritiker des neuseeländischen Fernsehens, überschlägt sich fast vor Begeisterung über den Hobbit-Film. "Ein erstaunliches und bahnbrechendes Stück Filmgeschichte", schreibt er. "Eine packende, fesselnde, nicht zu verpassende Rückkehr zur Mittelerde." So heißt die Fantasiewelt des Autors J.R.R. Tolkien, die Jackson schon in der höchst erfolgreichen Film-Trilogie "Herr der Ringe" zum Leben erweckt hat. Der Hobbit ist die Vorgeschichte. Tolkien hatte das Buch 1937, fast 20 Jahre vor "Herr der Ringe", geschrieben.

Russell Baillie vom New Zealand Herald beschreibt den Film als Mittelerde-Achterbahn - spannend und knackig. Nur die Filmmusik fand er eintönig. Jule Scherer von der Webseite stuff.co.nz war vor allem von den Spezialeffekten begeistert, auch im Vergleich zu "Herr der Ringe": "Was für einen Unterschied zehn Jahre machen: Die Tiefe und Details im Hobbit haben bislang höchstens Computerspiele auf kleinen Bildschirmen gezeigt." Graeme Tucket von der Zeitung Dominion Post spricht von einem "riesigen beeindruckenden Spektakel".

In Deutschland kam übrigens auch schon Kritik am Hobbit-Film auf - allerdings betraf die eher die Dreharbeiten als den Inhalt des Films: Am Set waren mindestens 27 Tiere gestorben.

"Der Hobbit - eine unerwartete Reise" läuft hierzulande am 13. Dezember an.