Kriegerdenkmal in London "Etwas, das Mussolini hätte errichten können"

Mit einer hochemotionalen Kampagne haben konservative Medien versucht, die Briten einzustimmen. Nun ist es soweit, am Donnerstag wird in London ein "Bomber Command Memorial" für die gefallenen Kampfpiloten des Zweiten Weltkriegs eingeweiht. Doch nicht alle empfinden diese Vergangenheit als glorreich.

Von Alexander Menden, London

Als vor fünf Jahren Jörg Friedrichs - auch in Deutschland nicht unumstrittenes - Buch "Der Brand" auf Englisch erschien, fiel das britische Urteil weitgehend negativ aus. Friedrichs Darstellung alliierter Bombenangriffe auf Deutschland im Zweiten Weltkrieg setze auf "Melodramatik" und verrate eine "weinerliche Opfermentalität", hieß es in den Kritiken. Immer noch gelten die Piloten der Royal Air Force (RAF) als Helden, die unter höchster Lebensgefahr alles taten, um die Freiheit der Welt zu verteidigen und den Feind in die Knie zu zwingen.

67 Jahre nach dem Ende des Krieges wird nun am Donnerstag in London ein "Bomber Command Memorial" für die mehr als 55.000 RAF-Gefallenen eingeweiht, durch Königin Elisabeth II. persönlich, im Beisein von 5000 RAF-Veteranen. Eine hochemotionale Kampagne konservativer Medien, allen voran Daily Mail und Daily Telegraph, hat das Projekt von Beginn an begleitet. Die Bomber-Harris-Statue am Strand und das RAF-Denkmal am Themseufer genügten offenkundig nicht.

Der Tory-Peer Lord Ashcroft, der neben dem jüngst gestorbenen Bee-Gees-Sänger Robin Gibb ein Gutteil der sechseinhalb Millionen Pfund für die Errichtung des Denkmals spendete, feiert in der Mail denn auch das Einweihungsdatum als Tag, an dem die "Ungerechtigkeit" eines fehlenden Denkmals endlich richtiggestellt werde. Die Besatzungen der Bomber, so Ashcrofts Argument, dürfte man für das Leiden deutscher Zivilisten im Übrigen nicht verantwortlich machen: "Sie führten nur Befehle von oben aus, und die Folgen ihres Bombardements sollten nicht von ihrer unnachgiebigen Tapferkeit ablenken."

Nicht unpatriotisch wirken

Bei einem Besuch in London vor zwei Jahren hatte die Dresdner Oberbürgermeisterin Helma Orosz im Gespräch mit Bürgermeister Boris Johnson erklärt, diese Art des Gedenkens sei aus Dresdner Sicht "schwer zu verstehen".

Auch in England herrscht keineswegs einhellige Freude, eine Minderheit von Kommentatoren sieht das Denkmal durchaus zwiespältig. Doch die meisten Gegner wollen weder unpatriotisch wirken noch den Eindruck erwecken, sie versagten den Gefallenen die Anerkennung.

Argumente kommen also meist im Gewand stadtplanerischer Erwägungen daher. Das neue Denkmal an der Ecke von Piccadilly und Hyde Park Corner versperre den letzten Blick auf den Park selbst, meint Simon Jenkins, Journalist und Vorsitzender des für Naturschutz und Denkmalpflege zuständigen National Trust. Hyde Park Corner sei ja bereits von diversen monumentalen Kriegsdenkmälern umstellt und verschandelt. In seinem Artikel für den Evening Standard geht er auch auf die "Ziele des Bomber Command und das fürchterliche Gemetzel, das es entfesselte" ein: "Sie sollten uns zu etwas Demut in unserem kollektiven Gedenken veranlassen."

Der triumphalistische Gestus des Denkmals passt zur Stimmung

Der nicht gerade demütige Entwurf ist von Liam O'Connor, einem Architekten aus dem neoklassizistischen Lager der Prinz-Charles-Schule. Flankiert von zwei dorischen Kolonnaden, präsentiert sich das Gebäude als wuchtiger Kasten aus Portland-Stein. Reliefs diverser Bomber-Modelle zieren die Wände. Im Zentrum steht eine drei Meter hohe bronzene Figurengruppe des königlichen Bildhauers Philip Jackson - eine siebenköpfige Bomber-Besatzung bei der Rückkehr von einem Einsatz. Über dem Eingang das Churchill-Zitat: "Die Kampfpiloten sind unsere Rettung, aber allein die Bomber haben die Mittel, den Sieg zu erringen." Die Times verglich das Werk mit "etwas, das auch Mussolini hätte errichten können".

Der triumphalistische Gestus des Denkmals passt zur Stimmung im Land, das seit Hereinbrechen der Wirtschaftskrise noch intensiver Trost im verklärenden Blick auf die eigene, als glorreich empfundene Vergangenheit sucht. Dagegen bezeichnet der Historiker Richard Gott im Guardian die Bombardierung deutscher Städte rundheraus als "Kriegsverbrechen".