"Kofelgschroa - Frei. Sein. Wollen." im Kino Oberammergauer Eigensinn

Irgendwie anders: Sechs Jahre lang hat die Regisseurin die Musiker von Kofelgschroa begleitet.

(Foto: Movienet)

Barbara Weber hat eine Doku über das bayerische Musiker-Quartett Kofelgschroa gedreht. Das ist einfühlsame Porträtkunst, die zum Glück nichts gemein hat mit handelsüblichen Band-Präsentationen.

Von Rainer Gansera

Moderatorin Silke hebt munter an: "Also euer Plan ist: Ihr kombiniert bayrische Mundart mit osteuropäischer. . ." Schon wirft Martin ein: "Des is koa Plan! Unser Plan ist kein Plan!" Das Kofelgschroa-Quartett 2013 beim Radio-Interview in Berlin. Ein herrlicher Kultur-Clash: preußische Formelhaftigkeit versus Oberammergauer Eigensinn.

Silke, leicht nervös, klammert sich an ihr Manuskript und nimmt einen neuen Anlauf: "Okay, das ungeplante Resultat ist die Kombination von bayrischer Mundart mit osteuropäischem Rhythmus und valentinesken Texten!" "Wieso 'osteuropäischer Rhythmus'?", fragt Matthias zutiefst verwundert, Maxi übernimmt: "Wir mögen den Siebenachteltakt, weil der schön rollt, aber das ist nix speziell Osteuropäisches."

Silke, leicht angefressen, ermahnt die Musiker, ihre Homepage besser zu gestalten. Jetzt gewinnt das Interview valentineske Züge.

Kofelgschroa: vier Musiker aus Oberammergau mit ihrer einzigartigen Mischung aus Stubenmusik, hypnotischem Trance-Sound und raffinierter Dada-Poesie. 2007 finden sie zusammen, 2012 veröffentlichen sie ihr Debütalbum (produziert von Notwist-Bassist Micha Acher), die Fangemeinde wird größer und kann die rätselhaft verzwirnten Refrains mitsingen, etwa: "Die Wäsche trocknet an der Sonne / Die Wäsche trocknet auch am Wind / Die Wäsche trocknet auch am Licht / Wie schön ist das eigentlich?"

2013 wird Kofelgschroa mit dem Förderpreis für Musik der Stadt München ausgezeichnet, im November soll das zweite Album erscheinen.

Die Widerspenstigkeit der vier Musiker bei Interviews ist keine Attitüde. Sie geben sich, wie sie sind, Barbara Weber lässt sich wunderbar darauf ein. Ihr "Film ist einfühlsame Porträtkunst, hat nichts gemein mit der Plakativität handelsüblicher Band-Präsentationen.

Sich selbst treu bleiben

Lust am Experiment

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Über sechs Jahre hinweg hat sie das Quartett begleitet und zeichnet ein spannendes, vergnügliches, durch seine Intimität auch ergreifendes Gruppenbild. Alltag und Auftritte, Melancholie und Glücksmomente. Persönliche und musikalische Krisen müssen gemeistert werden, aber immer wieder findet man zusammen in gemeinsamer Spiellust.

Die erlösende Musik. "Ich hätte ja kein Selbstbewusstsein", sagt Maxi, "wenn ich nicht Musik machen würde. Die ganze Kindheit über war da immer diese Unsicherheit - eine Unsicherheit, die wir alle gemeinsam haben."

Barbara Weber gelingt es , jeden in seiner Eigenart sichtbar zu machen: Matthias (Tenorhorn) in seinem religiösen Ernst, Michael (Flügelhorn und Gitarre) in seinem Willen, durch die Arbeit in der Dorfschmiede geerdet zu bleiben. Maxi (Akkordeon) ringt mit der Angst, die Inspiration könne rasch versiegen. Er besucht die Berufsfachschule für Musik in Altötting, eine enttäuschende Erfahrung, aus der man aber lernen kann. Martin (Helikontuba) bringt Ziegen auf die Weide und bewundert an ihnen "diese Art, dass die nur machen, was sie wollen!" Das Wichtigste: sich selbst treu bleiben.

Kofelgschroa - Frei. Sein. Wollen. D 2014 - Buch, Regie: Barbara Weber. Kamera: Johannes Kaltenhauser. Mit: Matthias Meichelböck, Martin von Mücke, Michael von Mücke, Maxi Pongratz. Movienet, 91 Minuten.