Karl-Theodor zu Guttenberg Das Abitur des "Ausredenbarons"

Während die einen nach Guttenbergs Rücktritt Trauer tragen, wird woanders an Spott nicht gespart: Ein Magazin druckte nun Guttenbergs Abi-Zeitung - und bereichert den Leser um die Erkenntnis, dass schon der junge Freiherr ein kreatives Verhältnis zur Wahrheit hatte.

Von K. Riehl

Vielleicht ist es an dieser Stelle richtig, mal ein kleines Sprichwort zu bemühen. "Der, der den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen", heißt es redensartlich. Der, bei dem es also nicht so gut läuft, kann sich sicher sein, dass es die Schadenfreude der anderen auf jeden Fall noch obendrauf gibt.

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(Foto: sde)

Dass der ehemalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg derzeit einigen Schaden zu bewältigen hat, ist überall zu lesen. Der Shootingstar der Politik, der Liebling des Boulevards, der Kanzler der Herzen ist tief gefallen. Seine Doktorarbeit ist in Teilen abgeschrieben, und so sehr er und Kanzlerin Merkel sich auch bemühten, das nicht weiter ernst zu nehmen - am Ende musste er sich der heftigen Kritik beugen und zurücktreten.

Man kann nicht behaupten, dass es seit dem Tag des Rücktritts ruhig geworden wäre um die Causa Guttenberg. Während die ihm gewogenen Medien seit Tagen Trauer tragen und sich seine Fans im Internet zu Protesten verabreden, macht sich an anderen Orten die Schadenfreude breit. Und der Spott.

Gleich nach seinem Rücktritt kursierte im Internet das zugegebenermaßen wunderbare Gerücht, bei Guttenbergs Rücktrittsrede könnte es sich teilweise um ein Plagiat gehandelt haben. Der letzte Satz seiner Erklärung ("Ich war immer bereit zu kämpfen, aber ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht.") sollte aus dem zweiten Star-Trek-Film Der Zorn des Khan stammen, ein anderer Ausdruck von Schiller. Das war natürlich Unfug - mit welcher Stimmung die weniger großen Guttenberg-Freunde sich in die Diskussion einbrachten, konnte man daran aber trotzdem gut erkennen.

Wohl belegt ist dagegen das, was der Stern in seiner aktuellen Ausgabe ausgegraben hat. Innerhalb der großen Titelgeschichte "Guttenbergs später Rücktritt - Der schmerzlichste Schritt meines Lebens" taucht ein Ausschnitt aus Karl-Theodors Abi-Zeitung aus dem Jahr 1991 auf - jener Publikation also, in der sich Abiturienten zum Abschied noch mal ein paar mehr oder weniger schmeichelhafte Dinge mit auf den Weg geben.

In diesem Dokument der Zeitgeschichte heißt es nun also: "Karl hätte neben seiner echten freiherrlichen Würde ohne weiteres zum Ausredenbaron gekürt werden können. Dem aufmerksamen Leser seiner jeweiligen Entschuldigungsgründe müßte daher aufgefallen sein, daß zum Beispiel seine Mutter innerhalb von zwei Monaten etwa fünf Kinder bekam."

Das allein ist - um wieder auf die Sache mit dem Spott zurückzukommen - schon ein großartiger Fund. Doch nicht nur das, was man in den vergangenen Tagen über Guttenberg und sein Lavieren um die Frage nach Betrug oder nicht Betrug lesen konnte, wird in der Veröffentlichung quasi vorweggenommen. Auch für die Zeiten seines steilen Aufstiegs lassen sich beinahe prophetisch klingende Einlassungen finden: "Seinen Reden nach zu schließen, war er mit keiner noch so abwegigen Situation unvertraut und setzte überall Superlative."

Auch schön. Der Text endet mit einem Ausspruch, offenbar dem eines Lehrers: "Zitat Hamberger: Sie arroganter Schnösel."

Kommende Woche findet ziemlich sicher jemand einen bisher unbekannten Bruder Guttenbergs, vielleicht heißt er Nepomuk. Der wird dann erzählen, wie sehr er daheim immer leiden musste, unter dem selbstbewussten Bruder. Und wie für seine Doktorarbeit dann kein Geld mehr da wahr.

Wir warten das mal ab.

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