Kameramann Gordon Willis gestorben Der Alchimist

Kameramann Gordon Willis ist im Alter von 82 Jahren gestorben

(Foto: Getty Images)

In seinen Bildern ist mehr zu verbergen als zu zeigen: Gordon Willis, der große Kameramann des dichten Lichts, ist im Alter von 82 Jahren gestorben. Berühmt wurde der "Prince of Darkness" durch seine Zusammenarbeit mit Francis Ford Coppola und Woody Allen.

Ein Nachruf von Fritz Göttler

Sepiatönung und schwere schwarze Schatten, das war die Mixtur, die ihn weltberühmt gemacht hat, in den drei "Godfather"-Filmen von Francis Ford Coppola, 1972, 1974, 1990. Gordon Willis schuf ein Licht um den alten Paten Corleone, das mit der Schwerfälligkeit und dem Nuscheln des alten Marlon Brando korrespondierte und das Heimelig-Brutale anzeigte, das Erinnerungen haben.

Ein Gangsterstück, das sich in den Händen des Filmemachers und seines Kameramanns zum Mythos Amerikas im 20. Jahrhundert verwandelte. Ein hochartifizielles, immer gefährdetes Projekt. Diesen Film zu drehen, erinnerte sich Willis, das war wie ein langes Dinner servieren an Bord der Titanic.

Von allen großen Kameraleuten Hollywoods hat Gordon Willis, geboren am 28. Mai 1931, wohl am stärksten die Aura eines Alchimisten, seine Bilder scheinen in ein dichtes Licht gebadet, es ist mehr zu verbergen in ihnen als zu zeigen.

Vor dem ersten "Godfather" hat er "Klute" gedreht, einen Krimi aus dem New Yorker Nuttenmilieu, mit Jane Fonda. Von diesem Film führt ein direkter Weg zu "Windows", dem einzigen Film, in dem Willis Kamera und Regie zusammen machte, eine Stalkergeschichte unter Frauen, eine ist Talia Shire, Coppolas jüngere Schwester.

"Klute" wiederum war sein erster Film für Alan J. Pakula - der zuverlässige Chronist der amerikanischen Paranoia der Siebziger und Achtziger, von Willis eingefangen in Bilder von lakonischer Klarheit und kraftvoller Konsistenz.

Auch Woody Allen brauchte seine visuelle Melancholie

Gemeinsam machten sie auch "The Parallax View/Zeuge einer Verschwörung", 1976, und natürlich "All the President's Men", mit Robert Redford und Dustin Hoffman, die Apotheose des amerikanischen Willens zur Aufklärung, in großflächigen, großzügigen Bildern.

Ein Jahr später hat dann Woody Allen seine Zusammenarbeit mit Willis begonnen, mit "Annie Hall/Der Stadtneurotiker", die schließlich in "Manhattan" kulminierte, dem Hohelied der Stadt New York. Woody wusste wohl, dass er mit seinen Neurosenspielchen allein nicht reüssieren konnte, er brauchte Licht und Leuchtkraft, visuelle Melancholie.

Am Sonntag ist Gordon Willis, den man gern Prince of Darkness nannte und der doch einmal den Traum vom reinen Kino, aus Musik und Farben, realisieren durfte, in "Pennies from Heaven", kurz vor seinem 83. Geburtstag gestorben.