Justizminister Bausback über Nazi-Raubkunst Freistaat Bayern will auf Gurlitt zugehen

1400 Bilder hat der Freistaat von Cornelius Gurlitt beschlagnahmt. Im SZ-Interview regt Justizminister Winfried Bausback an, eine gütliche Lösung über die Rückgabe von früherem Eigentum jüdischer Bürger zu finden. Mit Verjährung zu argumentieren, wäre für ihn "schwer erträglich".

Von Frank Müller und Klaus Ott

Der Freistaat Bayern will sich mit Cornelius Gurlitt gütlich über die bei ihm beschlagnahmten 1400 Bilder einigen. Justizminister Winfried Bausback (CSU) sagte in einem Interview der Süddeutschen Zeitung (Freitagsausgabe), es wäre im Interesse aller, "wenn es zu einer einvernehmlichen Lösung käme". Wer sich daran beteilige und damit auch an einer Rückgabe von früherem Eigentum jüdischer Bürger und anderer Verfolgter mitwirke, dem gebühre "Respekt und Anerkennung". Entscheidend sei nicht, wer mit Gurlitt rede, sondern dass mit ihm geredet werde.

Es gehe um Deutschlands Verantwortung für die Aufarbeitung der Verbrechen des Nationalsozialismus, sagte Bausback. Ihm sei wichtig, dass die Erforschung der Herkunft der Bilder "jetzt auf breiter Front mit vereinten Kräften erfolgt". Geklärt werden müsse, welche Bilder "Nazi-Raubkunst" seien und den Eigentümern im Zusammenhang mit der Verfolgung durch die nationalsozialistische Terrorherrschaft entzogen worden seien. "Es geht doch maßgeblich auch darum, dass diese ihre Eigentumsrechte geltend machen können."

Wenn den betroffenen Eigentümern von Bildern, die in der nationalsozialistischen Terrorherrschaft faktisch enteignet worden seien, jetzt Verjährung entgegengehalten werden könnte, dann wäre das schwer erträglich. "Wir schauen uns deshalb genau an, ob für den Fall der Enteignung von Kunstwerken durch das NS-Unrechtsregime jedenfalls für bösgläubige spätere Erwerber eine Berufung darauf ausgeschlossen werden sollte", sagte Bausback zu einer möglichen Verjährung und deutete damit eine Gesetzesnovelle an.

Das vollständige Interview lesen Sie in der Freitagsausgabe der Süddeutschen Zeitung und in der SZ-Digital-App auf iPhone, iPad, Android und Windows 8.

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