José Saramago ist tot Der moralische Angreifer

Als der bekennende Athetist und Sozialist José Saramago im Jahr 1998 den Literaturnobelpreis gewann, protestierte der Vatikan - nun ist der Schriftsteller im Alter von 87 Jahren verstorben.

Er zählt zu den meistgelesenen und meistübersetzten portugiesischen Schriftstellern, 1998 gewann er den Nobelpreis für Literatur: Jetzt ist José Saramago im Alter von 87 Jahren verstorben.

Immer politisch: Der Literaturnobelpreisträger José Saramago ist tot.

(Foto: ag.ap)

Saramago, der in kleinen Verhältnissen in einem Dorf in der portugiesischen Provinz aufgewachsen war und das Gymnasium aus finanziellen Gründen verlassen musste, hatte sich seinen Lebensunterhalt zunächst als Maschinenschlosser und Büroangestellter verdient.

Erst mit etwa 40 Jahren fand er zur Schriftstellerei. Im Alter von 44 Jahren brachte Saramago seinen ersten Gedichtband Os poemas possíveis (deutsch: "Die möglichen Gedichte") heraus, später arbeitete er als politischer Kommentator und Literaturkritiker für verschiedene Zeitungen. Der Durchbruch gelang ihm 1980 mit dem Roman Levantado do Chão ("Hoffnung im Alentejo"), einer Familienchronik aus dem kargen Alentejo. Sein nächster Roman, Memorial do Convento (1982; "Das Memorial"), sicherte ihm endgültig die internationale Anerkennung und gilt heute als ein Meisterwerk der portugiesischen Literatur des 20. Jahrhunderts.

Saramago war seit 1969 Mitglied der Kommunistischen Partei und äußerte sich höchst kritisch gegen das autoritäre Regime von António de Oliveira Salazar. Nach der Nelkenrevolution im Jahr 1974 arbeitete er im Ministerium für Kommunikation und wurde 1975 stellvertretender Chefredakteur der Zeitung Diário de Notícias.

1998 wurde der bekennende Atheist als erster Portugiese und unter öffentlichem Protest des Vatikans mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. In der Begründung der Schwedischen Akademie hieß es, er habe "mit Gleichnissen, getragen von Phantasie, Mitgefühl und Ironie, ständig aufs Neue eine entfliehende Wirklichkeit greifbar gemacht".

Bis zum Ende seines Lebens blieb Saramago politisch: So zählte er im Januar 2002 zu den Hauptrednern bei der Präsentation des Attac-Manifests und plädierte dabei für neue Gerechtigkeit und ethisches Handeln. Lange Zeit hatte er als prominentester Fürsprecher Kubas gegolten hatte, im April 2003 kündigte er mit einem Artikel in der Zeitung El País seine Gefolgschaft auf, nachdem drei Bootsentführer in Kuba hingerichtet worden waren. Bei den Europawahlen am 13. Juni 2004 kandidierte er für die Kommunistische Partei seines Landes.

Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte Saramago auf der Insel Lanzerote, wo er nun auch verstorben ist.