Solidaritätsbekundung, die zwölfte: Meisterhaft gestaltete bronzene Tierköpfe sind am Mittwoch in New York prominent enthüllt worden - doch was fehlte, war der Künstler.
Zur Enthüllung seiner Installation "Circle of Animals/Zodiac Heads" am Mittwoch vor dem Plaza Hotel hatte Ai Weiwei natürlich selbst nach New York kommen wollen. Die Stadt, in der er in den neunziger Jahren gelebt und studiert hat, betrachtet er immer noch als seine zweite Heimat. Doch auch einen Monat nach seiner Festnahme bleibt er im chinesischen Repressionsapparat verschollen. So wurde aus der Veranstaltung an der Südostecke des Central Park eine eindringliche Solidaritätsdemonstration.
Bild vergrößern
Die Köpfe sind vergrößerte Versionen von Figuren einer Wasseruhr, die im 18. Jahrhundert von Jesuiten für den Sommerpalast von Yuanmingyuan gestaltet wurden. (© dpa)
Anzeige
Bürgermeister Bloomberg, der sonst gerne vage bleibt, begann seine Rede: "Es ist beunruhigend, dass wir nicht wissen, wo er ist und wann er freigelassen wird." Und er verurteilte das chinesische Regime dafür, dass es "Meinungsfreiheit nicht wertschätzt und nicht schützt". New York sei schon immer eine Zuflucht gewesen für die, denen "dieses elementarste Menschenrecht" anderswo nicht zugestanden werde.
Kollegen wie Julian Schnabel, Brice Marden und Shirin Neshat verlasen dann Texte des Künstlers. Die seit Jahren geplante Installation, die in New York bis zum 17. Juli und danach in London, Los Angeles, Houston, Pittsburgh und Washington D.C. gezeigt wird, bot indes einen scheinbar antiklimaktischen Kontrapunkt zu Ai Weiweis Schicksal und den Worten aus den Lautsprechern.
Die zwölf meisterhaft gestalteten bronzene Tierköpfe sind vor allem schön anzusehen. Nicht im Bild ist jedoch ihre Vorgeschichte: Die Köpfe sind vergrößerte Versionen von Figuren einer Wasseruhr, die im 18. Jahrhundert von Jesuiten für den Sommerpalast von Yuanmingyuan gestaltet wurden. 1860 wurde der Palast von britischen und französischen Truppen geplündert und sie waren lange verschwunden. Fünf von ihnen gehören heute dem chinesischen Staat, fünf bleiben unauffindbar und zwei weitere befinden sich im Nachlass von Yves Saint Laurent: Bei dessen Versteigerung 2009 gab ein Chinese das höchste Gebot ab, weigerte sich dann aber aus Protest zu zahlen.
Kurz: Die kulturelle Identität und die Eigentümerschaft der Köpfe waren von Anfang an ambivalent. Ai Weiweis New Yorker Installation stellt nun ein weiteres Kapitel ihrer Geschichte dar.
- Im Gespräch: Ai Weiwei "Wir leben im Zeitalter der Verrücktheit" 04.04.2011
- Ausstellung zur Aufklärung in Peking Flaschenpost nach China 14.04.2011
- Der Ursprung der Schönheit Schön genug, um wahr zu sein 02.05.2011
- John Malkovich eröffnet Ruhrfestspiele Mozart für Banausen 04.05.2011
- China, Ai Weiwei und die Aufklärung Die Kritik der reinen Anti-Vernunft 12.04.2011
- Casanova-Ausstellung in Paris Vom Priesteraltar zum Frauenverführer 30.11.2011
- Georg Baselitz über Holz "Ich sehe, träume und denke Tag und Nacht über eine Skulptur nach" 27.11.2011
(SZ vom 06.05.2011/dato/rus)
Venizelos kritisiert IWF-Chefin
Interpretation von Kunst ist nie wirklich simpel, aber in diesem Fall vermute ich war es die Absicht ein Werk zu schaffen, das eben überhaupt nicht ohne Vorkenntnis der Geschichte der Vorlagen korrekt interpretiert werden kann. In diesem Sinne eigentlich doch eine sehr Regime-konforme Aussage ;-)