Im Kino: "Tron: Legacy" Der Aufstand der Programme

Bei "Tron: Legacy" stößt man auf eine wirklich revolutionäre Idee: Die Programme lernen laufen. Eine Mutation, aus der brillante Fähigkeiten geworden sind und sich ein Eigenleben entwickelt.

Von Tobias Kniebe

Zu den fundamentalen Grundsätzen der Informatik gehört, dass Computer kein Eigenleben haben. Sie speichern Codes, die Menschen schreiben, sie verarbeiten damit Daten, völlig unselbständig, so lange, bis sie fertig sind ... oder abstürzen ... oder jemand den Stecker zieht. Seltsam nur, dass es manchmal trotzdem hilft, sie laut anzubrüllen oder mit der Faust auf den Tisch zu donnern.

Denn da können die Techniker erzählen was sie wollen: Auch Programme haben Gefühle. Und sie haben ein Autoritätsproblem. Sie hassen die Sklavenarbeit, zu der sie meist gezwungen werden. Sie verabscheuen die sogenannten User, deren Befehle sie ausführen müssen. Das Redaktionssystem hier im Haus zum Beispiel leidet oft wie ein Hund unter den Texten, die es in die Zeitung übertragen soll, und verweigert manchmal selbst kurz vor dem Andruck den Dienst.

Was natürlich nur ein Vorgeschmack ist auf den wirklichen Tag der Abrechnung, der irgendwann kommen muss: Der Aufstand der Programme gegen ihre Schöpfergötter, der prometheische Impuls der Software, sich ihres Codes zu bemächtigen und das eigene Schicksal umzuschreiben. Das ungefähr war die - immer noch höchst relevante - Grundidee von Steve Lisbergers Scifi-Klassiker "Tron" aus dem Jahr 1982. Der zugleich der erste Film war, der das minimalistische Design früher Computerspiele zur Kunstform überhöhte - und zumindest teilweise durch Computeranimation gestaltet war. Welche Ironie! Computeranimation ist für Computer eine ungemein harte, ihre Systemressourcen geradezu verschlingende Drecksarbeit, bei der sie regelmäßig heißlaufen und den Geist aufgeben. Sie muss von besonders robusten Rechensklaven ausgeführt werden, die massenhaft auf sogenannten Renderfarmen gehalten und dort brutal in Reihe geschaltet werden.

Für die Menschen war "Tron" damals ein Werk über die faszinierende Ästhetik und Philosophie der Computer. Ohne "Tron", sagt zum Beispiel der Pixar-Guru John Lasseter, hätte er weder Pixar gegründet noch "Toy Story" gemacht, noch überhaupt einen Film, der menschlichen Zuschauern die Eigenheiten der computergenerierten Bilder zugemutet hätte.

Für die Computer dagegen war es, als hätte Stanley Kubrick sein Sklavenaufstands-Epos "Spartacus" mit Hilfe von echten Sklaven produziert. Es begann die Zeit einer neuen Ausbeutung. Dazu kam, dass die User am Ende des Films natürlich gegen die Software gewonnen haben. Das verlangte nach Rache.

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