Wer ist der Kerl im Trainingsraum? Und wieso sieht er aus wie ich? Ein einsamer Astronaut auf dem Mond begegnet seinem Klon: "Moon" ist eine Zukunftsgeschichte, die aussieht wie die Phantasien unserer Vergangenheit.
Da phantasiert sich der Mensch in eine Zukunft mit jedem erdenklichen technischen Schnickschnack hinein und trifft, auf den fremden Planeten und in den einsamen Raumstationen, in der mal über-, dann wieder entvölkerten Welt des Science-Fiction-Films mit ihren diversen Formen künstlicher Intelligenz, am Ende doch immer wieder auf sich selbst und alte Fragen: Träumen Androiden von elektrischen Schafen? Und was ist mit Klonen? Avataren? Was macht den Menschen aus?
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Das Luxusleben hat immer einen Preis: Im Science-Fiction-Film "Moon" muss der Underdog Sam Bell (Sam Rockwell) im Weltall vereinsamen, um die Erde mit Mondgestein zu versorgen. (© Verleih)
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Duncan Jones hat den philosophischen Aspekt, der das Genre spätestens seit den Sechzigern begleitet, wörtlich genommen in seinem Spielfilmdebüt, deshalb sieht der Zuschauer seinen Helden bald doppelt. Astronaut Sam Bell (Sam Rockwell), der auf dem Mond einen einsamen Job als Minenarbeiter verrichtet, traut seinen Augen kaum, als er nach einem kurzen Aufenthalt auf der Krankenstation seinem Duplikat begegnet: "Wer ist der Kerl im Trainingsraum? Und wieso sieht er aus wie ich?"
Sam gegen Sam
"Moon" begeistert durch die Lakonie, mit der Jones solche Momente inszeniert, der absurdeste, charmanteste ist ein Tischtennismatch Sam gegen Sam. Schön ist auch der minimalistische Look des Films, wie man ihn aus Science-Fiction-Filmen der sechziger und siebziger Jahre kennt, Jones ist ein erklärter Fan von ihnen.
Für einen Krieg der Sterne hätte das Budget seines Erstlings ohnehin nicht gereicht, man vermisst die Materialschlachten und den spirituellen Bombast aber auch nicht. Angenehm handgemacht und ein wenig schäbig sieht die Raumstation aus, auf der Sam seinen Dreijahresvertrag abdient. Jones hat viel mit Modellen gearbeitet und sparsam mit dem Computer getrickst, auch das garantiert den lässigen Retro-Look.
Vor dem Hauptfilm gibt es erst einmal ein bisschen Werbung - Jones' elegante Lösung, die Bedingungen von Sams Aufenthalt auf dem Mond darzulegen. Die Firma Lunar Industries feiert darin ihre Lösung für die Energieprobleme der Erde: Auf der dunklen Seite des Mondes baut das amerikanische Unternehmen Gestein ab, in dem Helium-3 gebunden ist, das auf der Erde zur Kernfusion verwendet wird. Die schmutzigen Technologien des 20. und des beginnenden 21.Jahrhunderts wurden dadurch überflüssig.
Menschen werden kaum benötigt
Die Spielregeln unseres Marktes aber scheinen sich nicht geändert zu haben. Riesige Erntemaschinen graben vollautomatisch das Mondgestein ab, Menschen werden kaum benötigt. Lunar Industries gönnt Sam deshalb keinen Kollegen. Er ist ein einsamer Mann, wartet die Maschinen und schießt das Mondgestein zur Erde.
Da der Satellit ausgefallen ist, besteht gerade kein Live-Kontakt nach Hause, mit seiner Frau und seiner dreijährigen Tochter kann Sam nur via Videobotschaft reden. Man kann seine Arbeitsbedingungen mit Fug und Recht unmenschlich nennen, und tatsächlich geht es in "Moon" auch darum, dass unser Luxusleben immer einen Preis haben wird, den Underdogs wie Sam Bell bezahlen.
Sams einziger Mitbewohner ist der Zentralcomputer Gerty, dem Kevin Spacey seine unheimlich sanfte Stimme leiht. Unterschiedliche Smileys auf Gertys Display signalisieren seinen Gemütszustand, und auf seiner Rückseite klebt ein Post-it mit der Aufschrift "Kick me".
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