Im Kino: Karate Kid Kampfsport im Kindergarten

Wen soll der denn das Fürchten lehren? "Karate Kid" erzählte ursprünglich vom Erwachsenwerden eines jungen Mannes. In der Neuverfilmung wirkt der Kämpfer nur klein und niedlich - eine etwas alberne Angelegenheit.

Von Doris Kuhn

Das Grundmuster ist schnell erzählt: Ein Teenager kommt an einen fremden Ort, wird dort von seinesgleichen gemobbt, findet einen asiatischen Lehrer, der ihm alte Kampfkunst und neues Selbstbewusstsein beibringt, lernt Demut und Respekt und bewegt sich durch diese Erfahrungen aus der Adoleszenz heraus. Diese Geschichte, 1984 von John Avildsen verfilmt, gilt als Klassiker unter den Coming-of-Age-Stories.

Die Kämpfe des neuen "Karate Kid" (Jaden Smith) sind inszeniert, als träte der alte Haudegen Chuck Norris gegen die All-Star-Fighters an - nur das diese Fighter allesamt das Bartwuchsalter noch nicht erreicht haben.  

(Foto: dpa)

Jetzt gibt es wieder einen Film namens Karate Kid, gedreht von Harald Zwart, produziert unter anderem vom Ehepaar Will und Jada Smith. Er heißt Karate Kid wie das Original, auch hier kommt ein Teenager an einen fremden Ort - aber der Ort ist diesmal China, und der Kampfsport, um den es geht, heißt Kung Fu. Müsste der Film dann nicht "Kung Fu Kid" heißen? Ach, egal.

Ein zartes Kind

Das "Kid" wiederum ist Jaden Smith, der Sohn von Will und Jada. Er war elf Jahre alt, als er den Part des Kampfkunst-Lehrlings übernahm, er ist zudem ein zartes Kind, man sieht ihm seine Jugend an. Im letzten Fünftel des 142 Minuten langen Werkes bestreitet er einen Showdown mit seinen Gegnern, ähnlich jungen Bürschchen, im Rahmen eines großen Wettkampfes.

Hier soll es mehr oder weniger um Leben und Tod gehen, aber man muss keinen Funken Verständnis für Kampfsport haben, um zu sehen, dass das bei elfjährigen Jungs nicht funktioniert. Die Kämpfe sind inszeniert, als träte der alte Haudegen Chuck Norris gegen die All-Star-Fighters an, aber diese Fighter sind klein und niedlich, das macht die Sache höchstens albern. Im Original war der Held sechzehn, das ist eine glaubwürdigere Liga, nicht nur physisch.

Von der Einsamkeit zum Amüsement

Dafür gibt es in diesem Karate Kid exotische Einsprengsel, man sieht viel China und viel Training in Schulen, Hinterhöfen oder Klöstern, manchmal mit magischem Flair versehen, manchmal mit dem eines Zirkusauftritts. Vorgestellt wird all das ausgerechnet von Jackie Chan, dem Kampfkunst-Komödianten, der hier den bedeutungsschweren Part des Kung-Fu-Lehrers übernommen hat. Sein Schüler versteht zwar wenig von dem, was er ihm anbietet, aber es führt ihn immerhin von der Einsamkeit zum Amüsement.

Denn Jaden Smith gibt sich der Fremde und einer ersten Liebe mit fröhlicher Selbstverständlichkeit hin, und man ahnt, dass er den Kampfsport am Ende gar nicht braucht. Er sollte besser das tun, was schon sein Vater Will immer am besten konnte - sich mit frechem Mundwerk aus jeder Schwierigkeit herausreden.

KARATE KID, USA 2010 - Regie: Harald Zwart. Buch: Christopher Murphy. Kamera: Roger Pratt. Mit Jaden Smith, Jackie Chan. Sony Pictures , 142 Min.