Kino: Die Relativitätstheorie der Liebe Möglichkeiten der Maske

Kein Meilenstein der Filmgeschichte, aber ziemlich lustig: Katja Riemann und Olli Dittrich spielen in "Die Relativitätstheorie der Liebe" fünf Frauen und vier Männer gleichzeitig.

Von Susan Vahabzadeh

Die romantische Komödie als Episodenfilm, in dem sich die Handlungsstränge kreuzen, Johnny-loves-Jenny-but-Jenny-loves-Joe - kann man eigentlich nicht mehr machen. Der Ansatz ist arg abgenutzt. Der Regisseur Otto Alexander Jahrreiss aber hatte zur Wiederbelebung des Genres eine richtig hübsche Idee - die fünf Frauen spielt Katja Riemann, und die vier Männer, plus Yogi Swami Helmut, gibt der kostümierungserprobte Olli Dittrich.

Nur eine Möglichkeit: Katja Riemann als Galeristin Maria Hansen mit Frieder von Rade (Olli Dittrich) bei einer Vernissage.

Das ist sozusagen das Prinzip von Sir Alec Guinness' achtfaltigem Auftritt in "Adel verpflichtet/ Kind Hearts and Coronets", der legendären Ealing-Comedy von 1949. Die Möglichkeiten der Maske, das kann man bei Eddie Murphys "Doolittle"-Filmen sehen, sind seither ausgebaut worden.

Was im Fall von "Die Relativitätstheorie der Liebe" dabei herauskommt, ist vielleicht kein Meilenstein der Filmgeschichte, aber ziemlich lustig. Dittrich und Riemann machen ihre Sache wirklich gut, die Figuren sind ulkig, und das Prinzip der Mehrfachrollen nimmt das Bäumchen-wechsel-dich-Genre schon mal von vorneherein auf die Schippe.

Wir lernen also kennen: den Fahrlehrer Paul, Shampoo- und Höflichkeitsverweigerer, und seine auch im fortgeschrittenen Alter noch heißblütige und streitbare Gattin Gabriela; beider Tochter Alexa, Star einer Seifenoper und vom Kinderwunsch besessen; den Lebenskünstler Stevie, den coolen Frieder, der eine Werbeagentur leitet und in seiner Freizeit, seit Jahr und Tag schon, seine Frau mit ihrer Schwester betrügt; schließlich die linkische Peggy vom Gesundheitsamt, die nach einigem Zögern mit dem Libanesen Youssef anbandelt, statt sein verdrecktes Restaurant zu schließen.

Die Relativitätstheorie der Liebe, erklärt Stevie Alexa, das ist, dass die Liebe einem Verhältnis von Raum und Zeit unterliegt: Zwei Menschen müssen zum richtigen Zeitpunkt im selben Raum sein, damit sie sich verlieben können, sonst wird's nix. Und was ist mit der Gravitation und den schwarzen Löchern? Na macht nichts, zu kompliziert für einen etwas flachen Titelwitz.

Aber der Film hat andere Qualitäten - zum Beispiel die, dass Otto Alexander Jahrreiss, der vor inzwischen zwölf Jahren mit der Martina-Gedeck-Komödie "Alles Bob!" angefangen hat, ein paar Enden lose hängen lässt und nicht alles bis zum Erbrechen auserzählt. Das ist eigentlich ganz schön.

Katja Riemann und Olli Dittrich tragen zwar manchmal dick auf, aber dazwischen wird der Film immer wieder mal ganz leise und besonnen, und beiden nehmen sich ein wenig zurück. Und sie bekommen Raum, ihre Figuren zu entwickeln. Hätten sie den nicht, würden der ölige Fahrlehrer und der zynische Werber, vor allem aber zwei von Riemanns Frauenfiguren, Gabriela und Peggy, einfach nur vorgeführt. Es müssen ja nicht alle Charaktere einen doppelten Boden haben, manche aber schon.

Am besten funktioniert das bei Peggy, die zunächst einmal hinter ihrer dicken Brille darauf besteht, dass Spritzschutzvorrichtungen auch Spritzschutzvorrichtungen genannt werden. Dann durchläuft sie, einsam und selbstmitleidig, eine Phase als lächerliche Figur; und letztlich ist sie, im Überschwang ihrer Verliebtheit, richtig niedlich. Da wagt sie zwar kaum mehr als ein vorsichtiges Kichern - aber auch für den Überschwang gilt wahrscheinlich eine Art Relativitätstheorie.

DIE RELATIVITÄTSTHEORIE DER LIEBE, Deutschland 2011 - Regie und Drehbuch: Otto Alexander Jahrreiss. Kamera: Hannes Hubach. Szenenbild: Sabine Rudolph. Musik: Martin Todsharow. Mit: Olli Dittrich, Katja Riemann, Leonard Carow. Verleih: Universal, 96 Minuten.