Hamburger Konzerthaus Elbphilharmonie soll weitere 200 Millionen mehr kosten

Die Baustelle der Elbphilharmonie vor der Skyline von Hamburg

(Foto: dpa)

Seit Jahren explodieren die Kosten, an diesem Samstag will der Hamburger Senat über die Zukunft des Prestigeprojektes Elbphilharmonie entscheiden. Berichten zufolge werden für die Fertigstellung des Konzerthauses weitere 200 Millionen Euro nötig sein.

Die Hamburger Elbphilharmonie wird offenbar nochmals knapp 200 Millionen Euro teurer als bisher geplant. Ob das Konzerthaus mit oder ohne den Baukonzern Hochtief fertiggebaut werden soll, will der Hamburger Senat am Samstagvormittag in einer Sondersitzung entscheiden. Beide Varianten würden Berichten zufolge Mehrkosten in Höhe von jeweils rund 200 Millionen Euro bedeuten.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa kalkuliert die Stadt für das komplette Gebäude mit Hotel und Tiefgarage inzwischen Gesamtkosten von 575 Millionen Euro ein. Fertiggestellt werden solle das Konzerthaus nach neuer Planung im Jahr 2016; die Eröffnung wäre dann für Frühjahr 2017 vorgesehen.

Der Radiosender NDR 90,3 berichtete online, Hochtief habe im Streit "offenbar in letzter Sekunde eingelenkt". Das Unternehmen wolle demnach alle Risiken übernehmen, alle Rechtsstreitigkeit beenden und sich verpflichten, das Konzerthaus bis zum 1. Juli 2016 schlüsselfertig an die Stadt Hamburg zu übergeben - etwa ein Jahr früher, als es ohne Hochtief zu erwarten wäre. Im Gegenzug müsste die Stadt 198 Millionen Euro zusätzlich zahlen.

Grüne und Linke äußerten am Abend Bedenken über das angebliche neue Angebot. "Nach erster Draufsicht auf das Hochtief-Papier ist Skepsis angebracht, ob auf dieser Grundlage alle Risiken für die Stadt ausgeschlossen wären", erklärte Grünen-Fraktionschef Jens Kerstan. Der Linken-Abgeordnete Norbert Hackbusch meinte: "Dass das endlich das versprochene Ende des Theaters um die Philharmonie wird, das bezweifle ich sehr."

"Teuer wird es in jedem Fall"

Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) hatte Anfang des Monats angekündigt: "Es wird vor Weihnachten Entscheidungen darüber geben, wie wir das weitermachen - teuer wird es in jedem Fall, entweder allein oder mit Hochtief". Fest stehe aber, dass das Gebäude fertiggestellt werde. "Den Dilettantismus vom Anfang werden wir nicht fortsetzen." Die SPD werde das "verfahrene Projekt" mit "Ruhe, Klarheit und absoluter Entschiedenheit" in die Zukunft führen.

Kritiker machen den ehemaligen Hamburger Bürgermeister Ole von Beust (CDU) für viele Fehlentwicklungen bei dem Vorhaben verantwortlich. Der CDU-Politiker hatte erklärt, er trage zwar politisch die Verantwortung, habe aber weder "vorsätzlich noch fahrlässig" gehandelt.

Bereits im April 2007 wurde der Grundstein für das spektakuläre Konzerthaus gelegt. Die Stadt und Hochtief streiten sich seit Jahren wegen Kostenexplosionen und Bauverzögerungen. Ursprünglich sollte die Elbphilharmonie 77 Millionen Euro kosten und 2010 fertig sein, bevor dann schrittweise neue Zahlen genannt wurden. Als Eröffnungstermin war zuletzt das Frühjahr 2016 genannt worden.