Eine Klasse für sich: Anke Engelke und Bastian Pastewka zeigen in neuen Folgen ihrer Comedy-Serien, wie gut Fernsehen sein kann. Selbst ohne Pflicht zur finalen Pointe.
Beim Deutschen Fernsehpreis waren Anke Engelke und Bastian Pastewka die Retter in der Not. Nachdem die von den großen Sendern ausgerichtete Verleihungszeremonie jahrelang nicht den Muff einer zweitklassigen Verbandsvertretertagung abschütteln konnte und längst die Hoffnung geschwunden war, dass die Branche jemals in eigener Sache etwas Glänzendes auf die Bühne bringen könnte, kamen die beiden im September als Wolfgang und Anneliese auf die Bühne, um zu zeigen, dass doch noch was geht.
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Sie lässt's wieder krachen: Anke Engelke in der fünften Staffel "Ladykracher". (© Foto: dpa)
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Als volkstümelndes Moderatorenpaar in der Tradition von Marianne und Michael platzierten sie feine Bosheiten gegen die Kollegenschaft und karikierten die anwesenden Fernsehmacher so treffend, dass sie der Kenntlichkeit verteufelt nahe kamen. So perfekt geriet der Auftritt, dass man sich nicht gewundert hätte, wäre über den beiden beim Finale ein Heiligenschein aufgegangen. "Das war das pure Glück", erinnert sich Anke Engelke, die nach vier Probetagen und dem üblichen Lampenfieber schnell ahnte, wohin der Hase läuft. "Nach zehn Sekunden wussten wir: Das klappt", berichtet sie und freut sich vor allem, dass sie nach dem Auftritt nicht zur Aftershowparty musste, sondern gleich heim durfte.
Das war bezeichnend, wie die beiden einen großen Auftritt mit einem unglamourösen Abgang kombinierten, denn beiden ist gemeinsam, dass sie das Fernsehen mehr lieben als das Drumherum. Nicht das Fernsehen, das täglich über die Sender geht, sondern das, was möglich ist.
"Wir wollen anderes Fernsehen machen." Anke Engelke sagt es sehr deutlich und demonstriert, wie sehr sie sich unabhängig gemacht hat von Sendern oder Sendeplätzen. "Man merkt, wie egal uns das ist, wo das läuft. Wir ziehen das durch", sagt sie und meint vor allem die wilde Entschlossenheit, sich nicht reinreden zu lassen.
Wenn Engelke redet, merkt sie gar nicht, wie sehr sie aus dem Rahmen fällt, wie wenig ihre Leistung auf dem Schirm noch zu tun hat mit dem Rest vom Fest, mit all den Möchtegernkomikern und randbegabten Billigunterhaltern. "Ich habe das Beste gegeben, und nun muss es raus. So bin ich und bumms", sagt sie. Bumms. Da ist die neue Staffel ihrer "Ladykracher"-Reihe. Und bumms, es sind wieder viele kleine und ein paar große Filme dabei, die so fein geschrieben, inszeniert und gespielt sind, dass es die pure Freude ist, zuzusehen. Engelke und ihre Mannschaft scheuen dabei nicht das Derbe. Einmal ist sie eine Tennislehrerin, deren Vagina wie eine Maschine Bälle übers Netz schießt und den Schüler zu Verzweiflung treibt, ein anderes Mal besucht sie als Prostituierte einen Kunden und bringt eine Praktikantin mit, von wegen Ausbildung.
Wie die Engelke und ihre Kollegen das spielen, wie da auf jede Kleinigkeit geachtet und schließlich auch noch ein opulentes Insolvenz-Musical inszeniert wurde, das ist schon eine Klasse für sich und eigentlich viel zu schade für einen Sender wie Sat 1. Dort regiert vorher bei der Schillerstraße der pure Klamauk und am späteren Abend droht noch die Oliver Pocher Show, deren Quoten zu Recht zu wünschen übrig lassen, obwohl der Gastgeber in allen vier Ausgaben bisher seine nackte Haut zu Markte getragen hat.
Der Ball muss übers Netz
Glücklicherweise haben die Sat-1-Strategen hinter Engelke und vor Pocher noch das andere Kleinod des Kommerzkanals gesetzt: Bastian Pastewka. Der startet die vierte Staffel seiner nach ihm benannten Serie, und auch er beweist, wie gut das tut, wenn jemand etwas von sauberem Spiel, exzellenten Büchern und präziser Regie versteht. Zum Start der neuen Staffel wird Pastewka erst von einem kleinen Mädchen überfallen und nimmt dann seiner Nichte einen Beutel Marihuana ab. Der Beutel macht ihn zur begehrten Adresse für seine Kollegen. Oliver Pocher, Hugo Egon Balder, Oliver Welke und auch der Sänger der Höhner, alle stehen vor seiner Tür und wollen von ihm Gras kaufen. Dabei entzieht sich Pastewka wie auch Engelke häufig der Pflicht zur finalen Pointe. Er zieht seine Qualität nach wie vor lieber aus dem Humor, den eine Situation gebiert, wenn man sie nur lange genug bierernst nimmt.
Die Tatsache, dass Engelke und Pastewka beim Fernsehpreis so ein wunderbares Paar ergaben, ist natürlich auch der Tatsache geschuldet, dass sie oft auf die gleichen Kräfte zurückgreifen. So schreibt Chris Geletneky an beiden Büchern mit, auch der höchst bemerkenswerte Schauspieler Matthias Matschke arbeitet in beiden Projekten. Zur Krönung kommt irgendwann Christoph Maria Herbst, der früher bei Engelke begann, als "Stromberg" von Pro Sieben bei Pastewka vorbei. Da schließen sich die Kreise und die Spitzenakteure der neuen Kölner Komikschule vereinen sich im guten Geiste.
So bilden Engelke und Pastewka eine Insel der Glückseligkeit in der durch Sparwut und Einfallslosigkeit aufgequirlten Belanglosigkeit. Wer die beiden gesehen hat, kann eine ziemliche Weile nicht mehr behaupten, das deutsche Fernsehen sei schlecht.
Ladykracher, Sat 1, freitags, 21.15 Uhr, Pastewka, Sat 1, freitags, 21.45 Uhr.
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(SZ vom 30.10.2009/iko)
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... hier geht es nicht um intellektuell oder nicht intellektuell, sondern um primitiv oder nicht primitiv und dies ist durchaus vom Intellekt unabhängig. Vielleicht muss man es etwas deftiger ausdrücken, damit auch Sie es verstehen können: Menschen, die sich solch einen Schei.. anschauen und dann auch noch gut finden, stehen auf meiner Skala auf der untersten Stufe der Primitivität - mehr ist dazu nicht zu sagen.
werden halt zu wenig gezeigt und machen wohl zuwenig und keine Quote bei den "Massen"
deshalb werden die einen zum Futter fürs Volk und die anderen müssen mit ihrem Anspruch halt ihr Dasein fristen und übrigens ... Qualität im Fern-seher , die wird es nicht umsonst geben .. das soll nicht heissen das ich die GEZ Variante gut finde!
Die andere kommerzielle Art ist aber auch nicht besser , eher im Gegenteil, sie hat was vom Börsenkapitalismus , Rendite und Quote auf Deivel komm raus!
Krise ist da vorprogrammiert..
Pastewka ist großartig, Engelke nicht so mein Geschmack, zumindest bei "Ladykracher", "Blind Date" mit Olli Dietrich war hervorragend...
ansonsten für die "Mega-Intellektuellen" unter uns: Lest doch einfach Proust,aber hört bitte damit auf, allen zu erzählen wie wahnsinnig intellektuell Ihr doch seid...Ihr seid es nicht...
.. dito"... billiger Klamauk unterhalb der Gürtellinie .. wenn sei's denn braucht !
Anscheinend kann sie nicht anders.. es muss ja nicht gleich super anspruchsvoll sein das verlangt keiner .. aber nun wird sie wieder mal einfach nur "tollgeredet!" , dabei fehlt ihr etwas elementares die Idee zum guten Sketch wie sie der Dieter Krebs hatte..
Schauspielern kann sie ja , das stimmt vielleicht sollte sie es mal konsquenter damit versuchenl !
"Einmal ist sie eine Tennislehrerin, deren Vagina wie eine Maschine Bälle übers Netz schießt und ...." Dies scheint mir doch eher etwas für schlichtere Geister zu sein - Unterschichtenfernsehen eben. Dabei fällt mir auf, der Weg vom Unterschichtenfernsehen zur Unterschichtenzeitung ist doch kürzer als man denkt.
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