Vor ihrem Abflug in die Türkei forderte Angela Merkel, die Bundeskanzlerin, nach Deutschland eingewanderte Menschen auf, Deutsch zu lernen. Für dieses Lernen gibt es viele gute Gründe. Und doch - beruhigen kann man sich auch über diese Formel nicht. Zum einen, weil ein großer Teil der Eingewanderten vorzüglich Deutsch spricht und schreibt und sich die Schwierigkeiten derer, die das nicht tun, mit noch größeren gesellschaftlichen Problemen mischen, nämlich vor allem mit der Entstehung einer Unterschicht, die den Anschluss an den Mittelstand in jeder Art und Form verloren hat. Zum anderen, weil man nur schlecht für das Deutsche argumentieren kann, wenn man nicht anzugeben vermag, worin Deutsch (und möglichst: gutes Deutsch) besteht.
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Der Triumph unserer Kultur
Auf die Frage, warum das Grundgesetz einen Passus enthalten solle, in dem Deutsch als Landessprache festgelegt werde, antwortete Peter Ramsauer im vergangenen Sommer: "Die deutsche Sprache aufzunehmen, halte ich für ein bemerkenswertes Anliegen, mit dem man sich auseinander zu setzen hat. Aber genauso wichtig ist es, die deutsche Sprache auch zu praktizieren." Einmal ganz abgesehen davon, dass es sich mit dem Anspruch auf Deutsch im Grundgesetz etwa so verhält wie mit dem Treueversprechen in der Ehe - wer treu sein will, ist es auch ohne Versprechen, und wer es nicht ist, dem helfen auch keine Schwüre: Was ist schon ein "Anliegen", mit dem man sich "auseinanderzusetzen hat", weil es "bemerkenswert" ist? Eine große Tüte lauwarmer Luft?
Über Jahrhunderte hinweg besaß die deutsche Sprache eine große Anziehungskraft für ihre Nachbarn, und zwar nicht zuletzt, weil sie andere Sprachen in sich aufnahm, das Lateinische und das Französische vor allem. So groß war diese Anziehungskraft, dass sich die deutschsprachige Ökumene im achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert über einen großen Teil Westeuropas erstreckte, vom Baltikum bis nach Lothringen, von norwegischen Pfarrhäusern bis zu den Bauernhöfen im Burzenland. Es gab aber, anders als in Frankreich oder England, keinen Staat, der diese Verbreitung gedeckt und gefördert hätte; das Deutsche verbreitete sich aus und mit kulturellen Motiven.
Diese Entwicklung kulminierte im ausgehenden achtzehnten und frühen neunzehnten Jahrhundert, als mit Literatur und Philosophie, also mit der Säkularisation des protestantischen Glaubens, etwas Einzigartiges in der deutschen Sprache entstand, aus dem nicht nur die moderne Universität und Wissenschaft, sondern auch eine unvergleichliche Sprachkultur hervorgingen. Wenn Politiker der noch frühen Bundesrepublik über die deutsche Sprache redeten, erwähnten sie daher Goethe - nicht nur aus Bewunderung für gerade diesen Dichter, sondern auch, um an den Triumph der Kultur zu erinnern, der mit diesem Namen verbunden ist.
Zu manchen Treffen sollte man ruhig weiter "meeting" sagen
Längst gibt es wieder eine Literatur in Deutschland, die sprachlich auf so hohem Niveau ist, dass sie sich mit den Werken der Zeit um 1800 messen kann: die Bücher von Brigitte Kronauer und Sibylle Lewitscharoff, von Georg Klein und Martin Mosebach, von Rainald Goetz und W. G. Sebald, und die Arbeiten von Peter Handke sowieso. Gewiss, die Literatur ist heute nicht mehr die Herrin über das öffentliche Reden und Denken, andere Medien sind neben sie getreten.
Aber es stimmt einfach nicht, es ist eine Lüge, wenn die Deutsche Sprachwelt behauptet, die deutsche Sprache verflache zusehends. Wer so etwas sagt, offenbart nur, dass er nichts liest, und das gilt auch für Politiker. Wie man umgekehrt erwarten müsste, dass in den vielen Anrufungen der deutschen Sprache, die gegenwärtig angestimmt werden, die lebenden Dichter vorkommen.
Im übrigen gilt: Für "Besprechungen", in denen man sich mit "bemerkenswerten Anliegen" "auseinanderzusetzen" hat, sollte man ruhig weiter "meeting" sagen.
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- Jahr der deutschen Sprache Mann spricht deutsch 27.02.2010
- Zur deutschen Sprache Für Liebhaber 25.02.2010
- Deutsche Bahn: Call a Mietrad Bahn spricht deutsch 16.02.2010
- Thesen zur deutschen Sprache Schlecht geredet 03.07.2008
- Jutta Limbach: "Hat Deutsch eine Zukunft?" Zumutungen 27.05.2008
(SZ vom 29.3.2010/kar)
Brasiliens Präsidentin Roussef
1. In dem Artikel werden der "Verein Deutsche Sprache" (Dortmund) und die "Deutsche Sprachwelt" (Erlangen) verwechselt bzw. gleichgesetzt. Der Artikel basiert demnach auf mangelhafter Recherche und/oder Schlampigkeit, oder auf bewußter Irreführungsabsicht.
2. Da die SZ relativ viele Leser hat, wird es die unsere Sprache verteidigenden Mitglieder des "Vereins Deutsche Sprache" wie auch die Leser der "Deutschen Sprachwelt" freuen, dass die SZ mit solchen Artikeln - allerdings wohl unfreiwillig - Werbung für diese Bürgerbewegungen macht.
3. Viele Redakteure der SZ scheinen in einer Art von Wir-verbessern-die-Welt-Vorgabe gefangen zu sein. Daher fällt es schwer, Themen anzupacken, die auch nur entfernt mit unserer nationalen Identität oder nationalen deutschen (oder süddeutschen) Interessen zu tun haben. Um bei solchen Themen gegen die immense Konkurrenz der Internet-Blogs und Zielgruppen-Zeitschriften wie der "Deutschen Sprachwelt" mitzuhalten, werden offensichtlkich diese auch den "klassischen SZ-Leser" interessierenden Informationen dort abgegriffen - und zu solchen Artikeln verwurstelt. Dieser Schuss dürfte jedoch nach hinten losgehen, weil damit auch die Themen des "Vereins Deutsche Sprache" (VDS) und ähnlicher Organisationen in eine größere Öffentlichkeit getragen werden.
-gängen vergleicht.
Was bleibt ist, dass Sprachkritik lediglich die Äußerung eines Geschmackes ist und nichts, dessen Gegenstand man objektiv messen könnte.
*Diese Zeilen setzen meinen letzten Beitrag fort, dessen Ende durch die 2500-Zeichen-Beschränkung abgeschnitten wurde. An die Programmierer der Seite: Wie wäre es mit einer Anzeige der noch verfügbaren Zeichen?
Zunächst mal erfreut es mich, dass nicht alle Autoren auf den Zug Anglizismen-Bashing aufspringen und das Thema Sprachkritik (im weitesten Sinne) selbst kritisch betrachten.
Dennoch bin ich der Meinung, dass es wesentlich bessere Argumente gegen Sprachpurismus ála Deutsche Sprachwelt gibt, die man zum Festigen einer sprachkritik-kritischen Position heranziehen könnte, auch ohne in Punkte Godwin zu investieren.
Zum Einen wäre da die Beobachtung, dass Sprache dort grundsätzlich auf das Lexikon beschränkt wird. Sehen wir von einigen wenigen Ausnahmen ab, sind es fast ausschliesslich einzelne Wörter und idiomisierte Phrasen, die im Deutschen übernommen werden. Diese jedoch passen sich in die Grammatik, die einen wesentlich größeren Anteil an einer Sprache ausmacht, an. Das von meinem Vorkommentator erwähnte Handy hat z.B. die Pluralform Handys, das -s am Ende wird im Deutschen standardmäßig an alle Wörter gehängt, die auf einen Vokal enden; man sagt, dass das Plural-s produktiv ist, im Gegensatz zu anderen zu anderen Pluralendungen. Oder betrachtet man das Verb downloaden in der Perfektform, so sagt man nicht "ich habe downloaded" sondern man verwendet das dem Deutschen eigene ge: gedownloadet oder downgeloaded. Nur zwei Beispiele.
Etwas anderes ist die, auch von einem Vorkommentator angesprochene, Rechtschreibung: Diese ist kein Bestandteil der Sprache, auch wenn jeder Deutschlehrer etwas anderes behaupten würde. Sie ist vielmehr eine willkürliche Festlegung. Wenn man sich also über die Schreibung eines Wortes wie download beschweren möchte, dann sollte man das bei der Duden-Redaktion tun und nicht bei den Sprechern bzw. Schreibern der deutschen Sprache.
Zum Zweiten könnte man anmerken, dass keiner auf die Idee kommen könnte, das Englische als verflacht zu betrachten, auch wenn etwa 60% seines Wortschatzes aus dem Französischen entlehnt sind.
Zum dritten könnte man aufklären, woher der Begriff Affensprache in diesem Zusammenhang kommt. VDS-Chef Krämer hat dieses Bild m.W. in einem Fernsehinterview geprägt, als er von einer befürchteten Pidginisierung des Deutschen sprach. Pidginsprachen an sich sind aber keinesfalls etwas primitives, vielmehr bezeugen sie die enorme Leistungsfähigkeit des menschlichen Sprachvermögens. Alternativ könnte man zeigen, dass das Deutsche von einer Pidginisierung mit dem Englischen meilenweit entfernt ist, wenn man das (all)gegenwärtige Entlehnen von Fremdwörtern mit realen Pidginisierungsvor
Zunächst einmal möchte ich den beiden Nutzern Jurij Jens und floppy01 für ihre jeweiligen Beiträge danken. Zu floppys Bemerkung kann ich - leider nur ein Beispiel unter zu vielen - noch etwas aus meinem unmittelbaren Umfeld beisteuern:
Meine brasilianische Freundin belegt momentan, ganz ohne direktes Zutun meinerseits, an der Universität nebenher einen Deutschkurs (müsste dies nicht unbedingt, da wir uns in Portugal befinden und miteinander Portugiesisch sprechen). Aber natürlich habe ich sie, als sie mich nach meiner Meinung fragte, darin bestärkt. Nur leider werfen sowohl Lehrkraft als auch Lehrbuch oftmals mehr Fragen auf als zu beantworten; so wundert sie sich, wieso niemals Flughafen aber immer Airport, nie (und damit meine ich in manchen Texten nicht ein einziges Mal, aber immer mehrmals das Neudeutsche) Beruf oder bei anderer Bedeutung z.B. Stelle aber immer Job gesagt wird, weshalb man in Deutschland - bzw. auf deutsch - ausschließlich Parties und kein einziges mal eine Feier/Fete veranstalten darf usw. usw....
Als sie mich einmal so fragte, was denn bitte nochmal das deutsche Wort für Mobiltelefon sei, sagte ich: Mobiltelefon. Dann musste ich mich erst einmal fünf Minuten rechtfertigen, wieso ich denn jetzt bitte schön nicht Handy sage (die dümmsten Wörter lasse ich, wie Gott sei Dank anscheinend immer noch ein paar andere Menschen auch, weg), weil es laut der deutschen Dozentin (!) obligatorisch (!) sei, diesen Term zu verwenden...das sagt noch nicht 100%ig alles, aber doch schon ganz schön - oder weniger schön - viel über uns aus...
Den ständigen pseudo-Englisch-Globalisierung-wichtig-sonst-nix-mehr-anderes-Unkenrufern sei gleich gesagt: Auch ich plädiere selbstverständlich für Fremdsprachenkenntnisse, und spreche selbst auch Englisch (und Französisch), es geht mir nur darum, denjenigen, die nur oberflächlich über den Tellerrand blicken, zu zeigen, dass wir uns eben grade im Ausland schön lächerlich machen und dies doch endlich mal auch hier zulande einsehen sollten.
Also, wenn wir hier ueber 'Affensprache' diskutieren wollen, dann: OETTINGER. Das beste Beispiel fuer jemanden, der nicht mal deutsch, geschweige denn englisch parlieren (franz.!!) kann (und ich bin Schwabe und hasse ihn).
Da war mal ne Untersuchung ueber Dialekt in der Schule. Dialekt erleichtert sogar das Erlernen einer Fremdsprache, da die erste 'Fremdsprache' bereits im Deutschunterricht gelernt wird (Deutsch).
Liebe Schulaemter, mal drueber nachdenken (meine Mutter kriegte im Staatsexamen Abzug, da sie Faecher wie Erdkunde, nicht Deutsch, im Dialekt unterrichtet hat)
Paging