Buch zum Berliner Flughafen "Die Herrschaften da oben sind immer noch oben"

Im Klappentext wird Ihre Satire als Geschichte beschrieben, "die jedem Wutbürger des Landes Freudenschreie entlockt". Sind Sie selbst Wutbürger?

Bei mir ist das eine Wut, die mittlerweile in Ohnmacht umgeschlagen ist. Ich ärgere mich zwar unglaublich über ein solches Projekt wie den BER, stelle aber auch fest, dass man nur sehr wenig bewegen kann. Man protestiert und protestiert, am Ende wird der Flughafen doch gebaut, die Herrschaften da oben sind immer noch oben, und wir hier unten sind vielleicht 20 Zentimeter weitergekommen.

War der Protest also vergebliche Liebesmüh?

Völlig umsonst waren die Demonstrationen nicht. Wir haben schon etwas erreicht, aber viel weniger als wir erreichen wollten. Meine Meinung bleibt dennoch: Der Standort ist völlig ungeeignet für diesen Flughafen. Schauen Sie sich doch nur mal die Bahnverbindung an, eine Katastrophe! Der Zug fährt entweder über Osten oder über Westen eine riesige Schleife, damit er überhaupt zum BER kommt.

Ihr Buch endet mit einer kleinen Überraschung: Familie Ungerath darf ihr Grundstück behalten, bekommt sogar die zehnfache Fläche vom Flughafendirektor geschenkt - allerdings unterirdisch. Die Landebahn wird einfach über ihre Köpfe gebaut.

Für die Familie ist das bestenfalls ein Pyrrhus-Sieg. Sie haben viele Opfer für ihren Protest gebracht, am Ende werden sie quasi in den Untergrund abgeschoben. Ich finde jedenfalls nicht, dass in meiner Geschichte am Ende beide Seiten, Flughafenbetreiber und die Familie, zufrieden sein können.

Und das, obwohl die Hauptprotagonisten Ihrer Erzählung den Protest schon im Namen tragen. Oder ist "Ungerath" etwa kein sprechender Nachname?

Das ist er definitiv. Der Name sollte symbolisieren, dass hier jemand gewillt ist, nicht den einfachen, geraden Weg zu gehen. Die "Ungeraths" basieren allerdings nicht auf einer real existierenden Familie, sondern sind ein Produkt meiner Phantasie.

Apropos Phantasie: Bei der Gattung Ihres Werkes haben Sie sich offensichtlich vertan - im Buch wird der Flughafen am Ende tatsächlich eröffnet. Vergleicht man das mit der Realität, klingt Ihre Geschichte eher nach Science-Fiction.

Da hat mich die Realsatire überholt, aber geplant war das natürlich nie. Eigentlich hätte der Flughafen längst eröffnet sein sollen, wenn mein Buch herauskommt. Aber vielleicht liefert mir die jetzige Situation ja Stoff für einen zweiten Band.

Helmut Uwer: 20 Quadratmeter Startbahn oder Wie ich den Flughafen verhinderte. Satire. Eulenspiegel Verlag, Berlin 2013. 96 Seiten, 5,99 Euro.