"Beautiful Creatures" im Kino Hexen haben es leicht

Tief im amerikanischen Süden liegt Gatlin, ein langweiliges Kaff. Hexen haben es leicht hier mit lasziven Auftritten. Der Film "Beautiful Creatures" macht da weiter, wo die "Twilight"-Vampir-Filme endlich aufhörten, in den Herzen der Teenager und an den Kinokassen. Doch das Ergebnis ist lustvoller und subversiver.

Von Fritz Göttler

Lena kommt und nichts ist mehr, wie es war. Die Kids in der Schule wissen, wer sie ist, wollen ihr gleich klar machen, was sie von ihr halten. Lena reagiert - ein Sturm zieht plötzlich auf, lässt die Scheiben des Klassenzimmers bersten in tausend winzige Splitter, so dass die bösen Zicken in der Klasse genug davon abbekommen. Bei Ethan hat es dagegen heftig gefunkt, ein veritabler coup de foudre. Er findet sich dann mit Lena im Regen wieder, wo sie das Ende von "Titanic" diskutieren, Lena meint, das hätte gar nicht tragisch sein müssen, wenn die beiden Liebenden sich nur abgewechselt hätten auf dem Brett im eisigen Meer.

Lena (Alice Englert) ist pragmatisch, das muss sie sein, denn in Wirklichkeit ist sie eine Zauberin, sie gehört zur Familie der zurückgezogenen, verrufenen Ravenwoods und residiert bei ihrem Onkel Macon, verkörpert von Jeremy Irons Ein Gutsherr ganz in der Tradition des amerikanischen Südens, dem die ganze Stadt gehört, Gatlin in South Carolina. Lustvoll spielt Irons, der eben noch eher desorientiert durch die Verfilmung des "Nachtzugs nach Lissabon" trottete, die Lächerlichkeit dieser Figur aus und auch ihre Grandeur. Die Dekadenz, die Müdigkeit, die Verachtung gegenüber den Kleingeistern der Stadt.

"Beautiful Creatures" soll da weitermachen, wo die Twilight-Reihe - endlich - aufhörte, in den Herzen der Teenager und an den Kinokassen. Noch einige weitere Folgen der Romanserie von Kami Garcia und Margaret Stohl liegen bereit. Es gibt komplexe unterirdische Wurzelwerke der Magier- und Hexensippe, komplizierte Erklärungen und moralische Konstruktionen, die Regisseur Richard LaGravenese eher beiläufig filmt. Er hat die Drehbücher zu Eastwoods "Bridges of Madison Country" und Redfords "Pferdeflüsterer" geschrieben, ein Spezialist für ungewöhnliche Sensibilitäten, für abseitige Wege, die Liebe gehen kann, durch Raum und Zeit. Wenn man das klassische südstaatliche Herrenhaus der Ravenwoods betritt, ist alles im Innern neusachlich weiß, mit einer weit geschwungenen Treppe - so unvermittelt wie in "The Black Cat", dem genialen Schauerstück von Edgar Ulmer.

Gatlin ist ein langweiliges Kaff, die Hexen haben es leicht mit ihren lasziven Auftritten hier, Emma Thompson und Emmy Rossum, in der Tradition der femme fatale Gilda - war die, verkörpert von Rita Hayworth im gleichnamigen Film, am Ende eine von ihnen? Am subversivsten ist hier das Lesen und die Angst davor - die Zauberbücher natürlich, die sich auf wunderbare Weise erst unter dem Blick des Lesenden materialisieren, mit Zeichen füllen, aber auch die Literatur an sich.

In der Schule wird "To Kill a Mockingbird" gelesen, aber die Klassenzicke weigert sich, ihre Mutter hat ihr verboten, ein Buch zu lesen, das von der Kirche verboten sei. Ethan (Alden Ehrenreich) identifiziert sich mit Billy Pilgrim (bei Kurt Vonnegut) und verständigt sich mit Lena über Bukowski: Ist der gut? Definitiv gut. Die wilden Großstadtschreiber der Sechziger, in diesem Film scheinen sie Wurzeln zu haben tief im alten Süden, im Land des Bürgerkriegs. Die gleiche Unbedingtheit, die gleiche Rebellion und Anarchie, eine große amerikanische Traditionslinie.

Beautiful Creatures, USA 2013 - Regie, Buch: Richard LaGravenese. Nach dem Roman von Kami Garcia und Margaret Stohl. Kamera: Philippe Rousselot. Musik: Thenewno2. Mit: Alice Englert, Alden Ehrenreich, Jeremy Irons, Emmy Rossum, Emma Thompson, Viola David. Concorde, 124 Minuten.

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