Interview mit Armin Thurnher "Fesch und Faschismus ergaben den Feschismus"

Austrian far right Freedom Party presidential candidate Hofer addresses a news conference in Vienna Austrian far right Freedom Party (FPOe) presidential candidate Norbert Hofer addresses a news conference in Vienna, Austria, April 26, 2016. Slogan reads 'Forever Austria'. REUTERS/Leonhard Foeger

(Foto: REUTERS)

"Falter"-Herausgeber Armin Thurnher über den Burschenschafts-Hintergrund von FPÖ-Kandidat Norbert Hofer - und dessen Anziehung auf das Bildungsbürgertum.

Interview von Alex Rühle

SZ: Herr Thurnher, nach dem Sieg von Norbert Hofer in der ersten Runde der österreichischen Präsidentschaftswahl ist allerorten von "feschen" FPÖ-Politikern zu lesen. Sie haben um das Jahr 2000 herum den Begriff des Feschismus geprägt. Was meinten Sie damit?

Armin Thurnher: Das war auf Jörg Haider und seine Entourage geprägt. Haider kokettierte fortwährend mit Anspielungen auf den Nationalsozialismus, die er jedes Mal sofort zurücknahm. Mit diesem Katz-und-Maus-Spiel hat er seine Nazi-Altwähler angesprochen. Zugleich gab er sich das Image eines Popstars. Meine These war, dass zum Popstar eine Unterströmung von Gefährlichkeit gehört, zu der im Falle Haiders eben diese Anspielungen auf das Nazitum beigetragen haben. Drittens war dieser Popstarkult extrem mode- und körperbetont, nackter Oberkörper, Sonnenbräune . . . Fesch und Faschismus ergaben dann den Feschismus.

Das erwähnte Spiel mit dem Tabu, die kalkulierte Provokation samt eingeplantem Dementi, über die Haider-Fans dann feixen konnten, weil er es dem politisch korrekten Establishment wieder mal gezeigt hatte - ist all das noch zentral in der Inszenierung der aktuellen FPÖ-Politik?

Nein. Schon Haider hat das Altnationale bald ad acta gelegt und den Austro-Chauvinismus ausgerufen. Das Paradoxe ist aber, dass die Generation Strache, die in der FPÖ 2005 ans Ruder kam, die alten deutschnationalen Burschenschaftler sind, von denen sich Haider 2005 mit seinem Bündnis Zukunft Österreich abgespalten hat. Heinz-Christian Strache, der Parteichef der FPÖ, hat nach außen auf die austrochauvinistische Karte gesetzt, der burschenschaftliche Hintergrund ist aber nach wie vor da.

Armin Thurnher, Jahrgang 1949, ist Mitgründer und Chefredakteur der Wiener Wochenzeitung Falter. Im Sommer erscheint von ihm "Die Wahrheit über die Lügen der Medien" (Zsolnay).

(Foto: Irena Rosc)

Norbert Hofer ist Ehrenmitglied der Burschenschaft Markomannia-Germania Pinkafeld, die sich zum Deutschtum bekennt und "die Fiktion einer österreichischen Nation" ablehnt. Kann dieses Großdeutschtümelnde nicht zum Problem für einen Anwärter auf das Amt des österreichischen Präsidenten werden?

Sollte man meinen. Bei einer Fernsehdebatte vor dem Wahlabend wurde aber gar nicht näher nach dieser Mitgliedschaft gefragt, sondern nur danach, ob das eine schlagende Verbindung ist. Dabei wäre es schon interessant zu erfahren, wie der potenzielle zukünftige Präsident zu Österreich steht.

Wie wichtig sind die sogenannten Identitären, die nach eigenen Angaben für die Aufrechterhaltung einer nationalen, von einer "Islamisierung" bedrohten Identität kämpfen, innerhalb der FPÖ geworden?

Innerhalb der Partei sind sie nicht so wichtig, aber das ist auch nicht ihre Aufgabe. Sie versuchen eher, im kulturellen Hegemoniekampf so etwas wie die Rolle der 68er für die Rechte zu simulieren, indem sie sich an situationistischen Protestformen versuchen und rechte französische Theoretiker lesen.