Für ganz nach oben hat es nicht gereicht. Dann bringt man halt jemanden um. Ein Kölner "Tatort" über die Generation der Unzufriedenen.
"Höchstens drei Kilo", bestärkt sich Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) selbst. Wenn er schon keine Frau hat und immer noch nur bei der Polizei arbeitet - seine Figur immerhin findet er präsentabel, trotz der kleinen Gewichtszunahme seit damals. "Klassentreffen" heißt dieser Kölner Tatort, der überwiegend in Essen spielt. Dort trifft der Hauptkommissar seine Schulkameraden. Der Titel meint aber mehr als das Zusammenkommen ehemaliger Mitschüler; es geht in diesem Krimi um das Gruppenbild jener sozialen Klasse, die einmal die obere Mittelschicht genannt worden ist.
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Max Ballauf und sein loyaler Kollege Freddy Schenk sind diesmal eher Getriebene als Handelnde bei den Ermittlungen. (© Foto: ARD)
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Sie sind Hauptkommissar oder Immobilienmakler, Angestellte in verantwortlichen Positionen, leiten gar eine Stiftung, eine Baufirma und dergleichen mehr. Aber das Gefühl, das sie als Abiturienten hatten - ihnen gehöre die Welt -, das ist längst verschwunden. Für ganz nach oben hat es bei keinem der bald 50-Jährigen gereicht. Weil sie aber das, was sie dessen ungeachtet erreicht haben, für selbstverständlich nehmen, fühlen sie sich folgerichtig zu kurz gekommen: Das Immobiliengeschäft könnte besser laufen.
Auch müsste von den Fördermillionen für die Essener Kulturhauptstadtprojekte mehr hängenbleiben für einen selbst, wenn man schon mitzuentscheiden hat über deren Vergabe. Und die Blonde, wie heißt sie gleich noch, ist sogar arbeitslos. Dazu all die Scheidungen, die Hausfrauenexistenzen. Das soll es gewesen sein, jetzt, da ihnen überdies die Jüngeren bedrohlich im Nacken sitzen?
Es gibt zwei Tote in diesem Tatort, den Jürgen Werner geschrieben und Kaspar Heidelbach inszeniert hat. Erstens einen Bauunternehmer, der kurz zuvor vom Zoll hochgenommen worden ist, weil er Schwarzarbeiter beschäftigt hatte. Und wenig später einen Klassenkameraden Ballaufs, der mit diesem Unternehmer Geschäfte gemacht hat - und den seine Frau in der Mordnacht betrügt. Mit Max, der Jugendliebe.
Ballauf und sein loyaler Kollege Schenk (Dietmar Bär) sind deshalb eher Getriebene als Handelnde bei den Ermittlungen, die eine couragierte, ihnen ebenbürtige Essener Kollegin (Angelika Bartsch) leitet. Viele haben ein Motiv, einen der Morde oder sogar beide begangen zu haben. Wobei jedoch keines stark genug scheint angesichts des relativ geringen Vorteils, der den Profiteuren dieser Taten erwächst. Es sei denn, es kommt eben eine vollkommen deformierte Selbstwahrnehmung hinzu, wie sie in dieser Generation der Selbstverwirklicher weit verbreitet scheint.
Tatort - "Klassentreffen", ARD, Sonntag, 20.15Uhr.
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(SZ vom 09.01.2010/iko)
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Die Tatorte Mit Klaus J. Behrends und Michael Bäer waren immer "Best of"! Gut gespielt, gute Dramaturgie, sehr gute Kameraführung- Top-Drehbücher - aber ohne die excellente schauspierlische Leistung der Hauptacteure plus Assistentin- A ONE!!!!!!!!!!
... daß die Sendung nicht wie üblich von Krombacher "präsentiert" wurde, sondern vom Hotel Haus Hugenpoet im Essener Stadtteil Kettwig, welches ja eine wahrhaft tragende Rolle spielen durfte. Product Placement vom "subtilsten", damit die Reichen und Schönen sich auch im entsprechenden Ambiente von der Kultur 2010 überzeugen können.
... den ich nur aus Sympathie zu "Ballauf" und "Schenk" angeschaut habe, war die Tatsache, daß er fast nahtlos zu einem "Barnaby" im ZDF führte, der unseren "teutschen" Krimimachern wieder einmal zeigte, wie so was geht.
Deformierte Selbstwahrnehmung - das ist 'n Guter. Diese Beschreibung vieler Mitglieder meiner Generation kannte ich so noch nicht, wie wohl sie oft sehr zutreffend ist - leider.