Alkoholmissbrauch bei James Bond Null-null-Hicks

Alkoholiker im Dienste Ihrer Majestät: James Bond.

(Foto: imago stock&people)

Eine Studie belegt: 007 trinkt mehr als früher. Dafür dürften seine guten Kontakte zur Alkoholbranche mitverantwortlich sein.

Von Jan Stremmel

Tränke man im Kinosaal jeden Drink mit, den Daniel Craig als 007 trinkt - man hätte (bei Craigs Körpergewicht von 78 Kilogramm) am Ende von "Skyfall" 4,6 Promille. Während jedes Bond-Abenteuers nimmt Craig im Schnitt 200 Milliliter puren Alkohol zu sich, wie das britische Branchenmagazin The Grocer errechnet hat. Das entspricht einem halben Liter Wodka oder zehn halben Bier. Und ist fast doppelt so viel wie Sean Connery und Roger Moore in ihrer Amtszeit tranken: je 110 Milliliter. Es fließt also immer mehr Alkohol im Dienste Ihrer Majestät.

Eine besorgniserregende Entwicklung. Ist es der zunehmende Stress im globalisierten Geheimdienstgeschäft? Die schwer zu handhabende Work-Life-Balance eines Vielfliegers, der sein Geld seit mittlerweile auch schon 53 Jahren mit Schießereien, Verfolgungsjagden und Glücksspiel verdienen muss? Eher nicht, der Grund ist vor allem: Geld. Die Bond-Produktionen werden zunehmend von der Spirituosen-Industrie gesponsert. Zuletzt kauften sich Whisky- und Champagner-Hersteller in die Filme ein, in "Skyfall" griff 007 zum ersten Mal zu einer Heineken-Flasche.

Für den neuen Film "Spectre", der im November anläuft, hat eine polnische Wodka-Marke den prominentesten Deal gemacht. War Craigs Pegel also bisher schon mit Lagerbier hoch, wird es nun sogar noch ernster.

SZ-Grafik: Dalila Keller; Quelle: The Grocer

Und genau genommen müsste Bond noch um einiges mehr bechern, wenn er sich an der literarischen Vorlage orientierte: In den Romanen von Ian Fleming zecht 007 deutlich stärker als in jedem der Filme bisher. Ein paar Mediziner von der Nottingham University haben kürzlich sämtliche Bond-Romane gelesen und daraufhin eine Trinkstatistik im British Medical Journal veröffentlicht. Sie kamen auf eine wöchentliche Dosis von durchschnittlich 920 Millilitern reinem Alkohol - wogegen der halbe Liter Wodka im letzten Craig-Film gerade mal ein Aperitif ist.

Der solide Trinker im Film ist also immer noch eine wohlwollende Interpretation des Schwerstalkoholikers, den Ian Fleming in seinen Büchern beschreibt. Die Statistik endet denn auch mit dem sorgenvollen Fazit, ein Typ wie Bond sei möglicherweise nicht der ideale Mann, um Aston Martins aus dem Staatsbesitz über Passstraßen zu jagen, respektive händisch Atombomben zu entschärfen. Immerhin, eines stimmt die Mediziner milde: In seinem Zustand müsse sich James Bond relativ wenig Gedanken um Safer Sex machen.

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