Nackte um 1900
Von Ruth Schneeberger, Berlin

Frauen mit schönen Körpern haben unschöne Gesichter - und andersrum: Welch irre Annahmen sich mit dem Aufkommen der Aktfotografie um 1900 in Deutschland verbreiteten und wie stark sich das Schönheitsbild in 100 Jahren doch gewandelt hat, zeigt eine interessante Ausstellung mit dem selten blöden Titel "Die nackte Wahrheit und anderes" im Museum für Fotografie in Berlin.

Zwei Frauen auf einem Karussellschwein: Was will uns diese Abbildung bedeuten? Dass es plötzlich möglich war, Menschen in ihrer ureigensten Erscheinungsform, nämlich nackt, öffentlich und massenhaft zu zeigen. Ohne irgendwelche Einflussnahmen von Malern, ganz so, wie die Natur sie geschaffen hat.

Durch das Aufkommen und die Verbreitung und Optimierung der Fotografie Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts wuchsen die Möglichkeiten jedweder Abbildung der Welt. Somit natürlich auch die des menschlichen Körpers. Die Ausstellung "Die nackte Wahrheit und anderes - Aktfotografie um 1900" im Museum für Fotografie in Berlin widmet sich nun just diesem Teil der frühen Fotografie. Dass diese vor 100 Jahren nicht nur dem privaten Vergnügen diente, ist eines der interessanten Details, die die Ausstellung bereithält.

Bild: @Collection GERARD LEVY, Paris/Fotograf unbekannt

27. Mai 2013, 17:07 2013-05-27 17:07:25  © Süddeutsche.de/pak/leja

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