Umstrittener Holocaust-Film Drastische Nacktheit

Keine Bildung mit den Beastie Boys: Die von Bandmitglied Adam Yauch produzierte Holocaust-Dokumentation "A Film Unfinished" wird in den USA nicht für Jugendliche freigegeben.

Von Susan Vahabzadeh

Adam Yauch ist immer für eine Überraschung gut. Er ist einer der Beastie Boys, ist politisch aktiv, hat ein Hip-Hop Label - und nebenher ist er auch unabhängiger Filmverleiher. Seine Oscilloscope Pictures haben, unter anderem, den Allen-Ginsberg-Film Howl herausgebracht, der in diesem Jahr bei der Berlinale im Wettbewerb lief. Und jetzt würde Yauch gern A Film Unfinished von Yael Hersonski in den USA herausbringen - aber das ist gar nicht so einfach.

In dem Dokumentarfilm geht es um Material, das 1942 im Warschauer Ghetto gedreht wurde - Nazipropaganda sollte daraus werden, das Material landete später im Bundesfilmarchiv, erst in den letzten Jahren wurde es ausgewertet: inszenierte Aufnahmen vom angeblichen Luxus im Ghetto, dazwischen das echte Elend, kurz vor den letzten Deportationen.

Sechs Rollen Material - die israelische Regisseurin Yael Hersonski hat es als Basis genommen für ihre Dokumentation, mit Überlebenden über die Szenen gesprochen, manches nachgestellt. Das Ergebnis wurde im Frühjahr bei der Berlinale - unter dem deutschen Titel Geheimsache Ghettofilm - gezeigt.

Aber in den USA wird nur eine eingeschränkte Nutzung möglich sein, denn A Film Unfinished hat von der Motion Picture Association of America (MPAA), die für die Altersfreigaben zuständig ist, ein R bekommen - das bedeutet, dass Jugendliche unter siebzehn Jahren den Film nur in Begleitung einer Aufsichtsperson sehen dürfen. Die Begründung: Der Film enthält "disturbing images of Holocaust atrocities and graphic nudity ", verstörende Bilder von Holocaust-Grausamkeiten und drastische Nacktheit.

Auf Nacktheit, selbst wenn sie in Dokumentaraufnahmen aus dem Warschauer Ghetto auftauch, reagiert die MPAA empfindlich. Yauch hat die Entscheidung angefochten - aber die MPAA bleibt bei ihrer Altersfreigabe.

"Bullshit", hat Yauch in seiner Hilflosigkeit geschimpft - aber dem Film ist durch das R-Rating der Weg in die amerikanischen Schulen verbaut. "In einer Welt, in der junge Leute mit sinnloser Unterhaltung bombardiert werden", so Yauch, "ist es bedauerlich, dass ein Film mit tatsächlichem historischen und pädagogischen Wert ihnen vorenthalten wird - von einer Organisation, deren Aufgabe es ist, ihnen zu helfen."