99-Fire-Film-Award Das echte Leben stinkt

Die Feste feiern, wie sie fallen: Der Abschluss der 99-Fire-Film-Awards 2014.

Sie hatten 99 Stunden Zeit, um einen 99-Sekünder zu drehen: Mehr als 2000 Einsendungen gab es beim größten Kurzfilmwettbewerb der Welt. Die Jury hat schnell entschieden - und prämiert vor allem Filme, die das Publikum rühren oder zum Lachen bringen.

Von Ruth Schneeberger, Berlin

Sie hatten 99 Stunden Zeit, um einen 99-Sekünder zu drehen: Mehr als 2000 Einsendungen gab es beim größten Kurzfilmwettbewerb der Welt. Die Jury hat schnell entschieden - und prämiert vor allem Filme, die das Publikum rühren oder zum Lachen bringen.

Langsam kann man keine kulinarischen Häppchen mehr sehen auf der Berlinale - ein paar filmische Häppchen gehen aber noch rein. Vor allem, wenn sie so kurz sind wie die am Donnerstagabend: Nur 99 Sekunden lang darf ein Video sein, das zum 99-Fire-Films-Award zugelassen wird. Mehr als 2000 Einsendungen zählten die Veranstalter und ernennen sich damit selbst zum größten Kurzfilmfestival weltweit.

Es fand nun zum sechsten Mal in Folge während der Berlinale statt. Während am Potsdamer Platz die arriviertesten Profis ihre Filme der Welt präsentieren, richten sich die 99-Fire-Films-Awards im Admiralspalast an Anfänger, Hobbyregisseure, Studenten und sonstige Filmverrückte. Sie sollen mittels Kurzfilm beweisen, was in ihnen steckt.

Die Bedingungen sind so streng wie einfach: Ende Januar wurde mit der diesjährigen Themenvorgabe ("Die bewegendste Geschichte schreibt das Leben", außerdem sollte irgendwie das Internet vorkommen) online der Startschuss zur Produktion gegeben, schon vier Tage später war Einsendeschluss. Fast 7000 Teilnehmer reichten insgesamt 2115 Videos ein. Viele der Filmteams kamen da mehrere Nächte lang gar nicht zum Schlafen, weil die Zeit so knapp war.

Das merkt man einigen Filmen auch an, sogar wenn sie es bis in die Endrunde geschafft haben. Die Jury aus unter anderem Bettina Zimmermann und Kai Wiesinger, Axel Milberg und Cosma Shiva Hagen, Elyas M'Barek und Ursula Karven hatte auch nur zwei Wochen Zeit, um alle Filme zu sichten. So mancher Kurzfilmer versucht eben doch mehr in ein 99-Sekunden-Video zu packen als dieser verträgt. Aber hier soll es ja auch um Nachwuchsförderung gehen.

Rezept für feines Kinder-Ragout

Und so gewinnt am Ende ein Film in der Kategorie "Beste Idee", der tief ins Klo gegriffen hat: In die Studententoilette, auf der gefilmt wird. "Auch ein blindes Huhn" heißt der Kurzfilm von David Helmut aus Augsburg, der davon erzählt, wie ein Student die Gunst seiner Kommilitonin zu erwerben versucht, indem er die Toilettentüre aufbricht, hinter der sie gerade sitzt. "Wir hatten nur dieses Klo und diese eine Kamera", erzählt er nun bei der Siegerehrung - und wieder lacht das Publikum, genau wie bei der überraschenden Wendung seines Kurzfilms, für die die Jury ihn wohl ausgezeichnet hat.

In dieser kurzen Zeitspanne eine Geschichte erzählen und das Publikum dann auch noch zum Lachen zu bringen, zu überraschen oder zu rühren, das muss man erst einmal schaffen. Auch "Leben GmbH" von Fabian Sebastian aus Trier hat das geschafft, in der Kategorie "Beste Kamera", ein Film über menschliche Gefühle in einer entmenschlichten Arbeitswelt.

Der Film "Hotspot" von Stephan Schemann aus Gummersbach gewinnt den Online-Publikumspreis mit einer uralten Geschichte, aufgewärmt für die Facebook-Generation: Hänsel und Gretel treffen auf die Hexe im Wald, ihr Ofen ist in diesem Fall ein Free-W-Lan-Point - und während die Kinder Freudentänze vollführen, lädt sich die böse Hexe in Seelenruhe das Rezept für ein feines Kinder-Ragout runter.

Diese drei Filme wurden am Donnerstagabend mit je 999 Euro prämiert - der Hauptpreis (9999 Euro) allerdings ging an Kerem Arzinam aus Stuttgart für seinen Film "Red Coat". Zur Auswahl stand zwar mit "Kollision" von Christopher Schlierf aus München ein eigentlich pfiffigerer Film über Leben und Tod als Frau und Mann. Aber kleine Kinder, so wie sie recht rührselig in "Red Coat" gezeigt und an diesem Abend auch mit auf die Bühne gebracht werden, ziehen einfach immer noch am besten.

"Wir waren uns in diesem Jahr ziemlich schnell einig", begründet Bettina Zimmermann die Juryauswahl auf der Bühne - und dann geht die illustre Fire- und Feiergesellschaft mit mehr als 500 Sternchen aus Film und Fernsehen von Gala schnell wieder über zum Häppchenaustausch an der Bar zu Live-Musik von Mando Diao. Die Berlinale dauert nun nicht mehr lange und man muss die Feste feiern, wie sie fallen.

Weitere Infos zum Kurzfilmpreis unter www.99fire-films.de